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WaffenherstellerEU-Aufrüstung droht von Banken ausgebremst zu werden

Europas Bankenbranche sieht Waffenhersteller weiterhin als Reputationsrisiko. Start-ups sehen sich mit ESG-Vorgaben und anderen Vorschriften konfrontiert, die zu Finanzierungshürden werden. 11.03.2025 - 03:50 Uhr Artikel anhören
Ein Infanterist der ukrainischen Nationalgarde testet eine Waffe bei Kharkiv. Foto: IMAGO/Ukrinform

New York. Das Thema Finanzierung ist für viele Waffenhersteller alles andere als einfach. „Viele Rüstungsunternehmen hatten Probleme mit einfachen Dingen wie der Eröffnung eines Bankkontos“, sagt Florian Seibel, Mitbegründer von Quantum Systems, einem Hersteller von Überwachungsdrohnen, der in der Ukraine tätig ist.

„Auf der Arbeitsebene sagen die Bankmitarbeiter, natürlich sollten wir dieses Verteidigungsprojekt finanzieren’. Doch dann wird das Geschäft blockiert, weil es gegen eine interne Regel verstößt.“ Solche oder ähnliche Aussagen hört man häufig von europäischen Start-ups im Verteidigungsbereich, die an neuen Drohnentechnologien und fortschrittlicher Überwachungsausrüstung arbeiten. Ihre Erfahrung zeigt, dass die Art und Weise, wie Banken in einigen der größten europäischen Märkte Geschäfte machen, nicht mit den politischen Prioritäten übereinstimmt.

Um die rasche Weiterleitung von Geldern an Waffenhersteller und Militärdienstleister zu erleichtern, drängen Manager der Rüstungsindustrie, Politiker und hochrangige Banker auf eine Überarbeitung der Vorschriften und internen Prozesse.

Nach dem Zerwürfnis des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Donald Trump im Weißen Haus haben die USA die Militärhilfe für Kiew inzwischen eingestellt. Die europäischen Staats- und Regierungschefs indessen haben Selenskyj Unterstützung in Höhe von Hunderten Milliarden Euro zugesagt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem „Wendepunkt“ für Europas Sicherheit.

Waffenhersteller als Reputationsrisiko

Europas Bankenbranche hat sich derweil daran gewöhnt, Waffenhersteller als Reputationsrisiko zu behandeln. Dies ist den Regeln zu verdanken, die darauf abzielen, risikoreiche Kunden auszusortieren oder von der Kreditvergabe an Sektoren abzuhalten, die mit ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) kollidieren.

„Ohne eine Reihe konkreter Maßnahmen wird Europa Schwierigkeiten haben, eine neue Welle des Wachstums im Verteidigungsbereich zu finanzieren“, sagte Deutsche-Bank-Topmanager Fabrizio Campelli unlängst auf einer Konferenz in Frankfurt. Europa sollte einige der Definitionen von nachhaltiger Finanzierung „vereinfachen und harmonisieren“, um den Verteidigungssektor „bankfähiger“ zu machen.

Es gebe zahlreiche Beispiele dafür, dass der Prioritätenwechsel in der Politik bei den Banken noch nicht angekommen sei, sagt Patrick Schneider-Sikorsky, Partner beim NATO Innovation Funds (NIF). Auf der Suche nach Finanzierungen durch den privaten Sektor stießen Rüstungsunternehmen noch immer auf „erhebliche Hindernisse“, hieß es unlängst auch in einem NIF-Bericht. Sowohl Vermögensverwalter als auch Banken verwiesen darauf, dass ESG-Beschränkungen dazu führen, dass die Titel der Waffenhersteller als „Sündenaktien“ behandelt würden.

Startups seien mit einer Reihe von Regeln konfrontiert, auf die sie nicht vorbereitet sind, sagt Sofie Jensen von der dänischen Kanzlei Kromann Reumert. „Wir sehen viele kleinere und mittlere Unternehmen, die in diese Branche einsteigen und mit diesen regulatorischen Hürden zu kämpfen haben”, so die Anwältin. Sie fänden es „schwierig, für die Einhaltung von Vorschriften und Sicherheitsverfahren eine professionelle Struktur aufzubauen“.

Besonders kleinere Unternehmen haben zu kämpfen

Während Europa darum kämpft, die finanziellen Voraussetzungen für eine dynamische Rüstungsindustrie zu schaffen, sieht es in den USA ganz anders aus. Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 sind die größten Anbieter von Konsortialkrediten, für die Rüstungsindustrie und Akteure bei der Emission von Bonds allesamt US-Banken, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht.

JPMorgan Chase führt die Bloomberg-Rangliste an, mit in diesem Zeitraum bereitgestellten mehr als 28 Milliarden Dollar. Es folgen Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die wichtigste europäische Bank im Ranking ist BNP Paribas auf Platz neun.

Sprecher von Deutsche Bank und Commerzbank sagten, dass die Daten große Teile der in Europa getätigten Finanzierungen nicht widerspiegeln. Kredite würden in der Regel direkt an kleinere und mittelgroße Unternehmen ausgereicht. Die Commerzbank habe im europäischen Verteidigungssektor eine „überproportional starke“ Position, sagte ein Sprecher des Kreditgebers.

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Etablierte Unternehmen wie Rheinmetall, deren Bankbeziehungen schon vor den ESG-Regeln bestanden, haben indessen kaum Schwierigkeiten, sich zu finanzieren. Kleinere Unternehmen haben jedoch nach wie vor zu kämpfen.

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