Konjunktur: Ifo-Prognose: Wirtschaft schrumpft – IWH ebenfalls pessimistisch
Ihre Konjunkturprognose bestätigten sie nur für das laufende Jahr.
Foto: IMAGO/Chris Emil JanayenBerlin. Das Ifo-Institut rechnet für dieses Jahr mit einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent, einer Inflation von 6,0 Prozent und fast 2,6 Millionen Arbeitslosen. „Anders als bislang erwartet dürfte die Erholung in der zweiten Jahreshälfte ausbleiben“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Donnerstag in Berlin: „Die Abkühlung setzt sich fort, in nahezu allen Branchen steht die Tendenz auf Flaute.“
In ihrer Herbstprognose sind die Münchner Wirtschaftsforscher mit Blick auf Inflation und Arbeitslosigkeit sowohl für dieses als auch für das kommende Jahr etwas pessimistischer als noch im Juni.
Ihre Konjunkturprognose bestätigten sie nur für das laufende Jahr: „Demnach wird die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent schrumpfen. Im kommenden Jahr wird sie dann um 1,4 Prozent steigen, 0,1 Prozentpunkte weniger als bislang gedacht.“
Ein Lichtblick sei der private Konsum: Er dürfte sich allmählich erholen. „Der Anstieg der verfügbaren Haushaltseinkommen wird kräftig bleiben und bei langsam sinkenden Inflationsraten auch zu einem Kaufkraftplus führen“, sagte Wollmershäuser.
Für nächstes Jahr rechnet das Ifo-Institut mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 2,6 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte auch nächstes Jahr bei knapp 2,6 Millionen liegen. Das Finanzierungsloch des Staates werde nur langsam sinken, von 92 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 80 Milliarden im kommenden Jahr.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich auch nach Ansicht des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Abschwung. Nach der Herbstprognose des Instituts werde das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,5 Prozent zurückgehen, hieß es am Donnerstag.
Auch andere Wirtschaftsinstitute wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft sehen in diesem Jahr eine konjunkturelle Abkühlung in Deutschland. Für das kommende Jahr erwartet das IWH einen Zuwachs des BIP von 0,9 Prozent.
Gründe für den Abschwung sieht der Konjunkturchef des IWH, Oliver Holtemöller, in mehreren Bereichen. Zwar stabilisiere sich der private Konsum nach dem Energiepreisschock langsam wieder, die Inflationsrate sei aber weiterhin hoch. Noch bis ins Jahr 2025 bleibe die Inflation voraussichtlich über den Zielwerten der Europäischen Zentralbank (EZB).
Dadurch werde sich der private Konsum nur langsam erholen. Zusätzlich sei der Wohnungsbau eingebrochen. Besonders in diesem Bereich seien die Aussichten düster. Aufgrund der Lage in China stottere zudem der Außenhandel, so der Vizepräsident des IWH. Die Wirtschaft in China und Japan schwächele derzeit und habe trotz dem Ende der Pandemie noch nicht wieder aufgeholt.