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HRI-KonjunkturausblickWirtschaftsforscher erwarten Aufschwung im Frühjahr

Zwei renommierte Institute sagen Wachstumsraten voraus, die an eine „goldene Dekade“ erinnern. Dabei bedrohen gleich mehrere Faktoren die deutsche Konjunktur.Axel Schrinner 15.12.2023 - 15:23 Uhr

Düsseldorf. Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute haben in der zurückliegenden Woche ihre Konjunkturerwartungen für Deutschland nach unten revidiert – wieder einmal. Im Frühsommer 2022, als der Ukrainekrieg längst ausgebrochen war, prognostizierten die Institute, Deutschland werde 2023 um die drei Prozent wachsen. Ein Ausblick, mit dem die Forscher weit danebenlagen.

Vor genau einem Jahr schwankten die Vorhersagen der Institute für 2023 noch zwischen plus 0,3 Prozent (IfW) und minus 0,1 Prozent (Ifo). Jetzt besteht Konsens, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr um etwa 0,3 Prozent geschrumpft sein dürfte.

2022 sagte das RWI für 2024 noch ein Wachstum von 2,6 Prozent voraus, die anderen Institutsprognosen lagen zwischen 1,7 und 2,3 Prozent. Auch diese Erwartungen erweisen sich jetzt als zu optimistisch: Die Institute rechnen für das kommende Jahr nur noch mit einem Wachstum zwischen 0,5 und 0,9 Prozent.

Mit dieser neuerlichen Korrektur nach unten bewegen sich die Institutsvolkswirte zumindest in Richtung der Bloomberg-Konsensschätzung. Im Mittel erwarten die befragten Ökonomen für 2024 lediglich 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland.

Besonders pessimistisch ist das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Deren Chef Michael Hüther geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung kommendes Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen wird.

Noch ein Jahr Stagnation?

Dass Deutschland sich 2024 aus der bereits vier Jahre andauernden Stagnation befreien kann, ist also keineswegs ausgemacht.

Bislang fand jede gesamtwirtschaftliche Schwächephase irgendwann ein Ende, und es kam zu einer zyklischen Gegenbewegung. Die Wirtschaft holt dann Produktionsausfälle aus der Rezession zumindest zum Teil wieder auf. Jetzt ist außerdem die Inflation auf dem Rückzug und die Löhne steigen in vielen Branchen und Betrieben kräftig an, sodass bereits seit dem vergangenen Frühjahr die Reallöhne wieder zulegen.

Das HDE-Konsumbarometer kletterte jüngst gar auf ein 25-Monatshoch. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt seit nunmehr drei Monaten, der ZEW-Index seit August.

Dennoch sind Zweifel an der Erholung angebracht. Sinkende Inflation bedeutet nur, dass die Preise langsamer als bisher steigen. Der Preisschub von fast 20 Prozent binnen vier Jahren bleibt also Realität.

Die teils üppigen Lohnsteigerungen in diesem Jahr resultieren vorrangig aus der kräftigen Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns im Oktober 2022 und den hohen steuer- und abgabenfreien Einmalzahlungen vieler Arbeitgeber, den „Inflationsprämien“.

Diese schlagen sich nicht dauerhaft in den verfügbaren Einkommen nieder, gleichen also keineswegs das höhere Preisniveau aus. Außerdem bedeuten Lohnsteigerungen höhere Kosten für Unternehmen. Sie sind nicht per se ein Konjunkturtreiber, sondern ein gesamtwirtschaftliches Nullsummenspiel.

Industrieproduktion weiter schwach

Ein Ende der Schwächephase in der Industrie ist nicht in Sicht. Die Produktion fiel im Oktober gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent, „womit sich der seit Frühjahr zu beobachtende rückläufige Trend weiter fortsetzt“, wie die Experten von Wirtschaftsminister Robert Habeck in ihrem jüngsten Monatsbericht schreiben. Die Auftragseingänge signalisierten „keine nachhaltige Trendwende“.

Die deutsche Wirtschaft verharrt im rezessiven Bereich, wie die am Freitag veröffentlichten Einkaufsmanager-Indizes nahelegen. Auch die Berechnungen des Ministeriums zeigen nach jüngsten publizierten Daten von Mitte November an, dass die deutsche Wirtschaft im Schlussquartal 2023 um 0,3 Prozent schrumpft.

Vergangene Schwächephasen der deutschen Volkswirtschaft endeten meist mit dem Anziehen der Auslandsnachfrage. Die zog dann steigende Investitionen und Einkommen im Inland nach sich.

Doch Deutschlands wichtigste Handelspartner stecken ebenfalls in Schwierigkeiten: Die übrigen Länder der Euro-Zone wachsen kaum, Chinas Wirtschaft scheint in eine Deflationsspirale zu rutschen und ob die USA tatsächlich um eine Rezession herumkommen, ist nicht ausgemacht.

In jedem Fall dürfte sich das Wachstum in den USA kommendes Jahr merklich verlangsamen. „Die Schwächephase der weltweiten Industriekonjunktur hält an“, konstatieren die Experten im Wirtschaftsministerium folgerichtig.

Schließlich dürften die jüngsten Haushaltsbeschlüsse der Bundesregierung, die Kürzung von Ausgaben sowie Abgabenerhöhungen für Bürger und Wirtschaft keinen Schub für die Konjunktur auslösen. Höhere CO2-Preise verteuern fossile Energien, mit Folgen für nahezu die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft. Die Kosten der Unternehmen steigen, die Kaufkraft der Verbraucher sinkt.

Niedriges Trendwachstum

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Nach aktuellen Berechnungen des Sachverständigenrats dürfte die deutsche Wirtschaft bis zum Ende des Jahrzehnts im Trend nur um 0,4 Prozent pro Jahr wachsen, also um durchschnittlich 0,1 Prozent pro Quartal. Die Alterung der Gesellschaft, fehlendes Personal, hohe Energiepreise und Steuern, schlechtes Bildungsniveau sowie die Kosten der Dekarbonisierung dämpfen das Wachstum des Produktionspotenzials.

Nun sehen Ifo und IfW ab dem kommenden Frühjahr Quartalswachstumsraten von 0,4 Prozent. Waren solche Zuwachsraten in der zurückliegenden „goldenen Dekade“ noch Normalität, signalisierten sie jetzt fast schon eine Hochkonjunktur. Was genau solch einen Boom ab Ostern auslösen könnte, bleibt ein Rätsel.

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