VSOPs, ESOPs oder Stock-Optionen: So beteiligt die deutsche Start-up-Elite ihre Mitarbeiter
Die Unternehmen wollen mit den Mitarbeiterbeteiligungen junge Talente anlocken.
Foto: Imago/Westend61Berlin. Mitarbeiterbeteiligungen sind eines der wichtigsten Mittel für Start-ups, um Talenten anzuwerben. Sie sorgen dafür, dass die Jungfirmen trotz häufig niedrigerer Gehälter Top-Manager und vielversprechende Nachwuchskräfte an sich binden können. In einer Handelsblatt-Umfrage geben zwölf der größten deutschen Start-ups Einblick darin, wie sie Angestellte am Erfolg des Unternehmens teilhaben lassen.
Nach Einschätzung von Yoko Spirig, Mitgründerin der Plattform Ledgy, beteiligt fast jedes der Top-Einhörner Deutschlands seine Mitarbeiter am Unternehmen. Die Schweizerin muss es wissen. In vielen Fällen sorgt ihre Firma mit der gleichnamigen Software für einen Überblick über die Anteile. „In den letzten Jahren haben sich Mitarbeiterbeteiligungen in Europa ausgebreitet. Das hängt wahrscheinlich mit den internationalen Investoren, aber vor allem auch der zunehmenden Reife des Ökosystems zusammen“, sagt Spirig.
An der Handelsblatt-Umfrage beteiligten sich einige der größten Einhörner Deutschlands, also Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar. Ein Überblick über die Ergebnisse:
Wer nutzt welche Programme?
Die beiden wichtigsten Varianten der Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland sind ESOPs (Employee Stock Option Plans) und VSOPs (Virtual Stock Option Plans). Bei ESOPs können Arbeitnehmer zu einem vorab bestimmten Preis, der meist unter dem Marktpreis liegt, echte Anteile erwerben, bei VSOPs nur virtuelle.
Für Diskussion sorgt immer wieder die Besteuerung, die sich an den Anteilen orientiert, aber nicht daran, ob der Mitarbeiter bereits einen Geldzufluss (Dry Income) erhalten hat. Bevor ein Start-up verkauft wird oder an die Börse geht, können Mitarbeiter ihre Beteiligung in der Regel nicht verkaufen. Diese Problematik soll das neue Eckpunktepapier von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) lösen.
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Bei den befragten Start-ups hält sich die Verteilung die Waage. Während Commercetools, Trade Republic, Sennder, Personio und GetYourGuide virtuelle Anteile an ihren Unternehmen vergeben, setzen Staffbase, Celonis, Taxfix, Raisin und Wefox auf ESOPs. Die Reise-Plattform Omio regelt die Beteiligung anders und bietet neuen Mitarbeitern je nach Position in der Firma eine feste Anzahl an Stock Options an, die über drei Jahre laufen.
Seine Mitarbeitenden zu beteiligen, wird in Europa immer gängiger.
Foto: dpaDas Fintech Scalable Capital wiederum betreibt ein virtuelles Optionsprogramm (VOP), bei dem an Mitarbeiter entsprechende Optionen ausgegeben werden. Celonis hat neben ESOPs noch Restricted Stock Units (RSUs) im Angebot, bei denen die Ausgabe und der Verkauf gewissen Beschränkungen unterliegen.
Wer bekommt Anteile?
Martin Böhringer, Chef der Chemnitzer Plattform für Mitarbeiterkommunikation, Staffbase, erklärt: „Wir sehen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als Eigner, die selbstverständlich an der Wertsteigerung des Unternehmens beteiligt sind.“ Eine Softwareentwicklerin erhalte beispielsweise neben ihrem Gehalt zusätzlich eine bestimmte Anzahl an Optionen am Unternehmen. Bei Staffbase bekomme jeder Mitarbeiter, der mindestens 25 Wochenstunden arbeite, diese Möglichkeit.
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Bei Celonis, Commercetools oder GetYourGuide kann ebenfalls die gesamte Belegschaft Mitarbeiterbeteiligungen in Anspruch nehmen. Bei vielen anderen Start-ups profitieren Angestellte allerdings erst ab einer bestimmten Seniorität. So bietet das Berliner Fintech Raisin Mitarbeiterbeteiligungen ab dem mittleren Level an. Bei Sennder können beispielsweise all jene Mitarbeiter Anteile erwerben, die erste Personalverantwortung tragen.
Wie hoch ist der Gesamtanteil?
Der Gesamtanteil, den alle Mitarbeiter zusammen am Start-up besitzen, schwankt den Angaben zufolge nur um wenige Prozentpunkte. Allerdings wollten auch nicht alle Einhörner dazu konkrete Angaben machen. Das Logistikunternehmen Sennder gab an, zwölf Prozent in Aktienoptionen für Mitarbeiter reserviert zu haben und damit zwei Prozent mehr als Staffbase. Bei dem Münchener HR-Start-up Personio sind es ebenso wie bei GetYourGuide 15 Prozent, und beim Spezialisten für datengetriebene Prozessoptimierung, Celonis, ist es ein Fünftel.
Unternehmerin Spirig erkennt einen Trend. „Früher wurden für Mitarbeiterbeteiligungen durchschnittlich zehn Prozent am Unternehmen reserviert, inzwischen sind es gut 15 Prozent“, sagt sie. In den USA sei der Anteil noch höher. Dort besäßen Angestellte im Schnitt ein Fünftel an ihrem Unternehmen.
Wie können sich Mitarbeiter über ihre Anteile informieren?
Der Wert der Beteiligungen ändert sich ständig und ist von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterschiedlich, je nach Seniorität und Länge der Zugehörigkeit zum Unternehmen. Zudem können Finanzierungsrunden alles wieder über den Haufen werfen. So auch bei Taxfix, als im Juni 2020 nach dem Abschluss einer Runde alle berechtigten ehemaligen und aktuellen Mitarbeiter die Möglichkeit hatten, einen Teil ihrer virtuellen Vermögenswerte zu verkaufen.
Um einen Überblick zu gewähren, nutzen viele Start-ups spezielle Anwendungsprogramme wie Ledgy oder Shareworks von Morgan Stanley. Das Start-up Personio will für noch mehr Transparenz sorgen: „Darüber hinaus haben wir interne Dokumentationen mit allgemeinen Informationen zum Personio-Programm, die für jeden zugänglich sind, und wir bieten regelmäßig Trainings und Q&A-Sessions an.“