Onlinehandel: Amazon verschreckt Aktionäre mit hohen KI-Investitionen
Los Angeles. Der Handelskonzern Amazon hat am Donnerstagnachmittag hohe zusätzliche Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) angekündigt. So sind etwa neue Rechenzentren für Amazons Clouddienst AWS geplant, wie das Unternehmen im Rahmen der Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen bekannt gab. Amazon entwickelt unter dem Namen „Rufus“ zudem einen eigenen KI-Assistenten, der Kunden beim Einkaufen unterstützen soll.
Finanzchef Brian Olsavsky sagte, dass Amazon im ersten Halbjahr bereits 30,5 Milliarden Dollar investiert habe. In der zweiten Jahreshälfte sollen die Ausgaben demnach sogar noch höher liegen. „Wir sehen eine starke Nachfrage nach generativer KI“, sagte Olsavsky.
Das Management machte damit indirekt klar, dass der Spar- und Effizienzkurs der vergangenen zwei Jahre hinter diesen Zielen zurücktreten wird. Denn CEO Andy Jassy fürchtet, dass Amazon angesichts des Booms von generativen KI-Modellen wie GPT von OpenAI oder Googles Gemini hinter die Konkurrenten aus Kalifornien zurückfallen könnte.
Bei Investoren sorgten die zusätzlichen Ausgaben für Verunsicherung. Die Amazon-Aktie gab nachbörslich um mehr als sieben Prozent nach.
Dabei konnte Olsavsky für das vergangene Quartal gute Geschäftszahlen verkünden. So stieg der Umsatz um zehn Prozent auf 148,8 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn lag mit 14,7 Milliarden Dollar über den Vorhersagen der Analysten.
Auch bei der Cloudsparte AWS übertraf der Konzern die Schätzungen. Die Erlöse legten um 19 Prozent auf 26,3 Milliarden Dollar zu. Analysten hatten mit rund 26 Milliarden Dollar gerechnet. AWS soll den Vorstellungen des Managements zufolge besonders vom KI-Boom profitieren. Kunden können dort etwa Server mieten, die über besonders leistungsfähige KI-Chips verfügen.
Amazon hatte mit seinem Sprachassistenten „Alexa“ bereits 2014 eine frühe Form heutiger KI-Angebote auf den Markt gebracht, dann aber den Anschluss verloren. CEO Jassy will den Rückstand wieder aufholen und kündigte kürzlich eine neue, zeitgemäße Version von Alexa an.
Einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge plant das Management, für den Assistenten künftig eine Abogebühr zu berechnen. Demnach hat das Projekt bislang hohe Verluste gemacht.