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Softwarehersteller Klicken statt coden: Wie SAP das Programmieren leichter machen will

Der Mangel an IT-Spezialisten lähmt viele Unternehmen. SAP will es seinen Kunden leichter machen, Software auch ohne Fachkenntnisse zu programmieren.
09.12.2020 - 07:20 Uhr Kommentieren
SAP will es Kunden erleichtern, die Software den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Quelle: AFP
Programmieren am Computer

SAP will es Kunden erleichtern, die Software den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Viele IT-Mitarbeiter leisten in der Corona-Pandemie Überstunden. Sie rüsten Kollegen für die Arbeit im Homeoffice aus, führen Systeme für die virtuelle Zusammenarbeit ein oder digitalisieren die Lieferkette. Dadurch verschärft sich jedoch ein Problem, über das Unternehmen schon seit Jahren klagen: Es fehlen Informatiker, Softwarearchitekten und Data Scientists.

Rund 200.000 Stellen für IT-Fachkräfte dürften in Deutschland derzeit offen sein, Tendenz steigend. SAP will Kunden bei der Bewältigung der Arbeit helfen: Der Dax-Konzern hat am Dienstag auf seiner virtuellen Entwicklerkonferenz Tech Ed mehrere Initiativen vorgestellt, die die Softwareentwicklung erheblich beschleunigen sollen.

So können Nutzer Programme künftig mit einigen Klicks verändern, ohne dafür Code schreiben zu müssen. Auch die Automatisierung von Geschäftsprozessen wird deutlich vereinfacht. Klicken statt coden lautet die Devise.

„Entwickler sollen sich auf das konzentrieren können, was den größten Mehrwert hat“, sagt Jürgen Müller, Vorstand für Technik und Innovation, gegenüber dem Handelsblatt. Die Programmierung aus dem Baukasten, im Fachjargon „Low Code“ und „No Code“ genannt, biete den IT-Abteilungen eine Entlastung – einerseits, wenn die Entwickler die Technik selbst nutzen, andererseits, wenn die Fachabteilungen Hand anlegen können.

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    Der Softwarehersteller greift damit einen großen Trend auf. Das Analysehaus Forrester prognostiziert, dass der Markt für Low Code bis 2022 um 40 Prozent auf 21 Milliarden Dollar wachsen wird, während Wettbewerber Gartner davon ausgeht, dass bis 2024 rund 65 Prozent der Anwendungsentwicklung über derartige Werkzeuge erfolgen werden. Sowohl IT-Konzerne wie Microsoft und Salesforce als auch Spezialisten wie Mendix und Appian tummeln sich in dem Feld.

    Damit sendet SAP ein wichtiges Signal an die Entwickler bei Kunden und Partnern, die Lösungen des Dax-Konzerns anpassen und erweitern. Sie sind für dessen Erfolg von zentraler Bedeutung.

    „Die IT hat keine Zeit“

    Für SAP geht es um ein zentrales Thema: Der Dax-Konzern entwickelt seit jeher Lösungen, mit denen Kunden ihre Geschäftsprozesse effizienter organisieren können, von der Warenwirtschaft über die Buchhaltung bis zum Controlling, vom Marketing über die Auslieferung bis zum Service. Schnelle Anpassungen sind da wichtig, zumal in einer Krise, die plötzlich Lieferketten zerreißen lässt und die finanzielle Situation dramatisch erschwert.

    „Entwickler sollen sich auf das konzentrieren können, was den größten Mehrwert hat“, sagt der Manager. Quelle: via REUTERS
    SAP-Technikchef Jürgen Müller

    „Entwickler sollen sich auf das konzentrieren können, was den größten Mehrwert hat“, sagt der Manager.

    (Foto: via REUTERS)

    Schon jetzt gibt es Programmierbaukästen für die SAP-Welt. Marktführer Mendix bietet beispielsweise eine Lösung für die Programmierung mit „Low Code“ und „No Code“ an. Künftig will der Dax-Konzern indes auch Mitarbeiter in den Fachabteilungen ohne Informatikstudium ermöglichen, Software zu verändern und zu erstellen, wie Vorstand Jürgen Müller betont: „Die IT hat keine Zeit, alle Anforderungen der Geschäftsbereiche zu erfüllen.“ Zudem seien Personaler, Logistiker oder andere Spezialisten ohnehin mit ihren Fachgebieten besser vertraut.

    Wie das aussehen kann, zeigen einige Beispiele:

    • Ein Essenslieferdienst musste im Frühjahr wegen der Hygienevorschriften den Registrierungsprozess für Restaurants anpassen. Das zusätzliche Feld für diese Angaben konnte die Fachabteilung über eine grafische Benutzeroberfläche mit einigen Klicks einfügen. Dabei kam die Projektmanagementsoftware Ruum von SAP zum Einsatz, die derzeit rund 50 Kunden und Partner testen.
    • Ein asiatisches Pharmaunternehmen erhielt im Frühjahr auf einmal so viele Aufträge, dass die Mitarbeiter sie nicht mehr sortieren konnten. Verschiedene Softwareroboter lesen seitdem automatisch die E-Mails samt den angehängten Excel-Dateien aus und speisen die Daten ins Produktionssystem. Robotic Process Automation nennen Experten dieses Verfahren.
    • Der Kanton Zürich erhielt im März 30.000 Anträge auf Kurzarbeit – sonst sind es in einem Monat nur zehn. In einem Projekt mit SAP entwickelte die schweizerische Behörde Routinen, um den bis dato manuellen Prozess anzupassen. Die Daten fließen seither aus dem Formular automatisch ins Auszahlungssystem.

    Wie groß die Verbesserung ist, lässt sich schwer beziffern – das hängt entscheidend von den Aufgaben ab. SAP berichtet beispielsweise, dass man intern alle Prozesse im Zusammenhang mit Finanzabschlüssen um den Faktor 4 beschleunigt habe.

    Marktführer Mendix, der seit 2018 zu Siemens gehört, hält es sogar für möglich, dass sich eine Anwendung bis zu zehnmal schneller entwickeln lässt, und zwar mit deutlich weniger Ressourcen als vorher. Nicht zuletzt, weil Unternehmen Bausteine wiederverwerten können.

    Die Konkurrenz ist allerdings groß, etliche IT-Anbieter bieten „Klick & Fertig“-Lösungen für SAP-Systeme an. „Viele Unternehmen haben Herausforderungen bei der Integration“, sagt Vorstand Jürgen Müller. Er verspricht, dass die Low-Code-Werkzeuge von SAP beispielsweise in das Sicherheitskonzept und die Benutzeroberfläche eingepasst sind – und es somit keine Probleme gibt.

    Mehr: Ein Jahr SAP-Chef: Wie Christian Klein den Druck erhöht hat.

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