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Newsletter ShiftWieso mehr Management-Exzellenz gut für Deutschland wäre

Trotz vieler Management-Hochschulen fehlt in Deutschland eine internationale Spitzenuniversität – kann die HHL Leipzig den Unterschied machen?Nina C. Zimmermann 27.02.2025 - 14:48 Uhr Artikel anhören
Noch ist keine deutsche Business-School international führend – aber auch in Deutschland ist Exzellenz an dieser Stelle denkbar. Foto: Thomas Trutschel/photothek.net

Was könnte Deutschland voranbringen? Diese Frage ist das Leitthema einer jeden Ausgabe unseres Newsletters Handelsblatt Shift. Denn wir sind überzeugt, dass unser Land jeglichen Gejammers zum Trotz immer noch voller Ideen steckt und viel Potenzial hat, sich zum Wohl aller weiterzuentwickeln.

Einen Tag nach der Bundestagswahl dreht sich in der politischen Debatte erst einmal alles um die Bewertung des Wahlausgangs und mögliche Koalitionen. So weit, so normal.

Ich hoffe allerdings sehr, dass die Frage, wie es in Deutschland vorangehen könnte, schnell wieder auf der politischen Agenda steht. Daher schaue ich heute bewusst nicht auf die Parteipolitik, sondern auf ein genuin wirtschaftliches Thema: die Ausbildung von Führungskräften.

Es gibt in Deutschland zwar etliche Management-Hochschulen, aber bislang keine, die international so richtig spitze ist. Viele Top-Managerinnen und -Manager hierzulande haben ihr theoretisches Fundament daher im nahen und fernen Ausland gelegt.

Gebäude der HHL Leipzig Graduate School of Management Foto: HHL, Daniel Reiche

Aber auch in Deutschland ist Exzellenz an dieser Stelle denkbar. Spannend finde ich daher, was ein Ex-McKinsey-Mann nun mit der HHL Leipzig Graduate School of Management vorhat: Jürgen Meffert will sie beim Management-Master mittelfristig „unter die Top Ten in Europa bringen“. Er ist seit Jahresbeginn Vorsitzender des HHL-Aufsichtsrats.

Wie er sein Ziel erreichen möchte, hat meine Kollegin Tanja Kewes hier aufgeschrieben. Für diese Shift-Ausgabe habe ich mit ihr darüber gesprochen, wieso eine Spitzen-Business-School auch für den Standort Deutschland gut wäre.

Tanja, warum ist eine gute Management-Ausbildung auch in Deutschland wichtig?

Tanja Kewes: Die Fort- und Weiterbildung gewinnt für Manager und Managerinnen aus zwei Gründen immer mehr an Fahrt: erstens wegen der konjunkturellen Lage. Die einen Führungskräfte nehmen sich deswegen mehr Zeit, sich fortzubilden, andere haben deswegen mehr Zeit. Zweitens läuft die Transformation der Wirtschaft immer schneller und wird immer umfassender. Da wollen sich viele neuen theoretischen Input holen.

Wieso hat sich Jürgen Meffert denn ausgerechnet die HHL für sein ehrenamtliches Engagement ausgeguckt?

Die HHL hat eine lange Tradition und zwar auch mit einer persönlichen Komponente: Jürgen Mefferts Vater Heribert war nicht nur derjenige, der als Professor das moderne Marketing in Deutschland an der Universität Münster mitbegründete und deshalb als der „Marketingpapst“ tituliert wurde. Heribert Meffert war nach der Wende auch einer der Neubegründer sowie Berufungsrektor der Hochschule in Leipzig.

Sein Sohn hat bislang nichts mit der HHL zu tun gehabt, aber er bringt als langjähriger Seniorpartner von McKinsey viel Erfahrung aus der Praxis mit – und damit auch Prominenz und ein umfassendes Netzwerk.

Der Vorsitzende des HHL-Aufsichtsrats Jürgen Meffert Foto: Imago, PR [M]

Weshalb brauchen wir in Deutschland denn eine Spitzen-Business-School, die es vielleicht irgendwann einmal mit international führenden Universitäten wie St. Gallen aufnehmen kann?

Gemessen an der wirtschaftlichen Bedeutung unseres Landes sind die hiesigen Wirtschaftshochschulen in internationalen Rankings bislang nicht sonderlich gut positioniert. Daher gehen viele ambitionierte Nachwuchskräfte nach St. Gallen, nach Großbritannien oder in die USA. Meffert sieht deswegen großes Potenzial im Standort Leipzig.

Und eine führende Management-Hochschule in Deutschland könnte womöglich auch helfen, Spitzenleute im Land zu halten...

...ja, genau! Und ist sicherlich auch aus Nachhaltigkeitsgründen, Stichwort Flüge, sinnvoll.

In welcher Hinsicht könnte eine erfolgreichere HHL den Standort Deutschland sonst noch voranbringen?

Wenn Forschung und Ausbildung, Theorie und Praxis in den Instituten besser zusammenkämen als bislang, wäre das für den Standort Deutschland großartig. Aber das Vorhaben ist nicht einfach, weil die konjunkturelle und die politische Lage gerade eher zu Zurückhaltung als zu großzügiger Freigiebigkeit führt und der Markt für die Managerausbildung und -fortbildung international sehr umkämpft ist. Meffert sieht jedoch einen Hebel in den Unternehmen, die im Umfeld der HHL aktiv sind.

Das sind zum Beispiel...?

...in erster Linie Porsche und BMW mit ihren Werken, Amazon mit seinem Logistikzentrum und DHL mit seinem Logistikdrehkreuz am Flughafen Halle/Leipzig. Porsche finanziert an der HHL übrigens bereits den Lehrstuhl für „Strategisches Management und Entrepreneurship im digitalen Zeitalter“ und hat sich nun entschlossen, einen zweiten Lehrstuhl zu fördern, mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship und technologische Transformation.

DHL-Frachtmaschinen am Luftfrachtzentrum auf dem Flughafen Leipzig/Halle Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Wie schätzt Du die Erfolgsaussichten ein, die HHL in die Top Ten der europäischen Wirtschaftshochschulen zu bringen?

Das Vorhaben hat Potenzial, es wird die Verantwortlichen aber viel Zeit, Nerven und Engagement kosten. Das ist kein Selbstläufer. Aber wenn jemand wie Meffert mit seinem belastbaren Netzwerk da aktiv ist, kann das schon gelingen.

Woran ließe sich der Erfolg ablesen?

Bemessen lassen wird sich der Erfolg zum einen an der künftigen Positionierung in Rankings. Das ist wichtig fürs Marketing. Zum anderen an der Anzahl der Studierenden. Die soll deutlich steigen. Und daran, wie viele Firmen sich wie stark finanziell engagieren. Die HHL bietet ja sogar an, sich nach einem Big Spender zu benennen... Diese Möglichkeit zeigt vielleicht am deutlichsten, wie ernst Meffert und der neue Rektor Tobias Dauth ihre Pläne nehmen und welchen Rückhalt sie genießen.

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Tanja, ganz herzlichen Dank!

Dieser Text ist zuerst am 24. Februar 2025 im Newsletter Handelsblatt Shift erschienen. Diesen und weitere Newsletter können Sie hier abonnieren.

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