Wagniskapital: Venture-Capital-Firmen geraten unter Druck
Start-ups: In diesem Jahr gab es in der europäischen Tech-Branche nur drei Börsengänge von Tech-Firmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar.
Foto: DigitalVision/Getty ImagesBerlin. Europas Wagniskapitalgebern fehlt Geld. Genauer: Ihnen fehlen die Einnahmen. Viele von ihnen finanzierte Start-ups haben einen angedachten Börsengang verschoben oder gleich ganz abgesagt. Dadurch entsteht bei Venture-Capital-Fonds ein Liquiditätsstau: Ohne die Einnahmen haben sie Schwierigkeiten, Renditeversprechen einzuhalten und weiter zu investieren. Die Situation könnte zu einer Konsolidierung der gesamten VC-Szene führen.
„Wir werden weniger Fonds sehen“, sagt etwa Yaron Valler, Gründer des Berliner Technologie-Investors Target Global. Manche erwarten gar eine Halbierung aufseiten der Kapitalgeber. Anbieter wie Stride VC des bekannten Londoner Investors Fred Destin verabschieden sich ganz vom Markt.
Eine ungewöhnliche Situation für die Fonds, die in der Coronazeit davon profitierten, dass ihre Anlageklasse im Niedrigzinsumfeld als attraktive Renditechance galt. Und sie verlangt den VCs Kreativität ab. So entstehen derzeit neue Geschäftsmodelle: beispielsweise ein Fonds, der nur in Start-ups investiert, die in Schwierigkeiten stecken. Doch warum muss sich eine ganze Branche derzeit neu erfinden?
Der Datendienstleister Pitchbook zählt in Europa 101 wagniskapitalfinanzierte Firmen, die in diesem Jahr am Aktienmarkt hätten debütieren können, aber aufgrund der widrigen Umstände nicht an die Börse gingen. Die Schätzung basiert auf historischen Daten, die einen Rückschluss darauf zulassen, wann Start-ups normalerweise an die Börse gehen würden.