ChatGPT: OpenAI könnte bald zu den teuersten Start-ups weltweit gehören
Die Marktmacht von OpenAIs Chatbot ChatGPT ist ungebrochen.
Foto: NurPhoto/Getty ImagesNew York, Düsseldorf. OpenAI könnte zu einem der teuersten Start-ups der Welt werden. Der ChatGPT-Betreiber OpenAI spricht einem Medienbericht zufolge mit Investoren über einen möglichen Aktienverkauf. Der könnte den Entwickler von Künstlicher Intelligenz (KI) mit 80 bis 90 Milliarden Dollar bewerten. Wertvoller als OpenAI wären dann nur noch Tiktoks Mutterunternehmen Bytedance, die Alibaba-Tochter Ant Group, der Zahlungsdienstleister Stripe und Elon Musks Space X.
Wie das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Dienstag mit Berufung auf mit der Sache betraute Personen schreibt, wird erwartet, dass die Mitarbeiter ihre bestehenden Anteilsscheine verkaufen. Es handelt sich damit nicht um eine Kapitalerhöhung, neue Aktien wolle das Unternehmen nicht ausgeben.
OpenAI-Vertreter haben demnach damit begonnen, Investoren über die geplante Transaktion zu informieren. Die Verkaufsbedingungen könnten sich aber noch ändern. Von OpenAI war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Auch dessen größter Anteilseigner Microsoft wollte sich nicht äußern.
Dabei dürfte der Tech-Konzern größter Profiteur der Verkäufe sein. Schon vor zwei Wochen sagte Edip Saliba, bei Microsoft Projektleiter für OpenAI, am Rande einer Handelsblatt-Veranstaltung: „Microsoft hat mit dem Investment bei OpenAI den richtigen Riecher gehabt.“
Warum könnte OpenAI so hoch bewertet werden?
Grundstein für den Erfolg des KI-Entwicklers ist das Sprachmodell ChatGPT. Der Chatbot ist die bisher erfolgreichste Software überhaupt: Nach ihrer Veröffentlichung im November 2022 kam ChatGPT in wenigen Wochen auf 100 Millionen Nutzer.
Das Interesse gipfelte im Mai 2023 mit 1,8 Milliarden monatlichen Besuchern. Im vergangenen August fielen die monatlichen Nutzerzahlen zwar auf 1,43 Milliarden. Dennoch ist ChatGPT eine der 30 weltweit wichtigsten Websites und hat dem Thema KI enormen Aufschwung verliehen.
Für den Rückgang der Nutzerzahlen gibt es vor allem einen Grund: mehr Konkurrenz. Google und Meta brachten ähnlich leistungsstarke Chatbots auf den Markt. Die Marktmacht von ChatGPT ist aber ungebrochen. Laut einer Analyse des Risikokapitalgebers Andreessen Horowitz kann es immer noch 60 Prozent des Besucherverkehrs der größten 50 Anbieter sogenannter generativer KI auf sich vereinigen.
Mit ChatGPT und Co. verdient OpenAI kaum Geld
Unternehmenskreise erwarten, dass OpenAI in diesem Jahr einen Umsatz von einer Milliarde erwirtschaften wird. Das scheint vor dem Hintergrund der angestrebten Bewertung und den Milliarden von Nutzern zwar recht gering, jedoch war das Wachstum im vergangenen Jahr enorm.
Laut des Online-Technologiediensts Information stieg der Umsatz von 28 Millionen Dollar im gesamten Jahr 2022 auf zuletzt 80 Millionen Dollar – pro Monat. Experten erwarten ein ähnliches Wachstum für die kommenden Jahre. Gewinn erwirtschaftet das Unternehmen jedoch nicht.
>> Lesen Sie hier: Wie ChatGPT und Sam Altman Ihr Leben beeinflussen werden
Mit seinen Bild- und Sprachmodellen ChatGPT, DallE und Whisper verdient OpenAI kaum Geld. Das Sprachmodell kann zum Beispiel umsonst genutzt werden. Nur wer die leistungsstärkere Version GTP4 haben will, muss monatlich 20 Dollar zahlen. Über Microsofts Suchdienst Bing kann GPT4 allerdings auch kostenlos genutzt werden.
Wichtiger für OpenAI ist das Geschäft mit Unternehmen und Entwicklern. Diese können die Modelle des Start-ups als Grundlage für individuelle KI-Lösungen und Anwendungen verwenden. Auch deutsche Unternehmen wie die Drogeriemarktkette dm greifen auf vortrainierte Modelle von OpenAI zurück. Die Unternehmen versprechen sich von derartigen Programmen gesteigerte Produktivität und wachsende Umsätze, etwa im Onlinehandel.
Microsoft profitiert besonders
Als Microsoft im Frühjahr seine Anteile bei OpenAI erhöht und weitere zehn Milliarden Dollar investiert hat, wurde das Start-up noch mit geschätzten 28 Milliarden Dollar bewertet. Jetzt scheint OpenAI seine Bewertung innerhalb weniger Monate zu verdreifachen. Microsoft hält derzeit 49 Prozent der Anteile an OpenAI.
CEO Sam Altman hat die Partnerschaft von OpenAI mit Microsoft begründet.
Foto: BloombergDurch den Verkauf schon bestehender Anteile besteht für den Großkonzern keine Gefahr, dass sich die eigenen Anteile durch die Ausgabe weiterer Aktien verwässern. Dennoch steigert der Verkauf der Anteile, von Branchen-Experten „Secondaries“ genannt, den Wert der 49-Prozent-Beteiligung in Microsofts Bilanz.
Doch es geht nicht nur um die Bilanz. Saliba sagt: „Unsere Kunden haben einen direkten Mehrwert von Microsofts Investment in OpenAI. Wir nutzen die Schnittstellen und bauen OpenAIs Produkte in unsere Produkte ein.“ So hat Microsoft das Bildgenerations-Modell DallE 3 in seinem Bing Image Creator integriert. Der Konzern begründete den Schritt mit den präziseren Details, die DallE 3 erstellen könne.
Noch mehr als Microsoft dürften nur die Mitarbeitenden und Frühinvestoren profitieren, die zu einem noch geringeren Wert eingestiegen sind und sich jetzt satte Gewinne auszahlen lassen können.
Erstpublikation: 27.09.2023, 07:14 Uhr (zuletzt aktualisiert am 27.09.2023, 13:32 Uhr).