Mit Hilfe von Sensoren: KI erkennt Corona-Infektion, bevor Betroffene Symptome spüren
Corona-Patient auf der Intensivstation.
Foto: dpaBerlin. Nach einer Infektion mit dem Coronavirus zeigt der Körper Symptome, meist bevor der Patient sie spürt. Dazu gehört etwa eine erhöhte Körperkerntemperatur oder Atemfrequenz. Mit Hilfe von Algorithmen können genau diese Signale erkannt und der Patient darauf hingewiesen werden.
Dies geschieht zum Beispiel mit Hightech-Geräten für den Klinikalltag, im Ansatz ist dies aber auch mit Wearables möglich, wie nun ein Feldversuch des US-Militärs zeigt.
Hunderte Soldaten tragen dafür eine Uhr und einen Ring, der Alarm schlägt, wenn der Träger in den nächsten ein oder zwei Tagen Symptome verspürt. Das System wurde gemeinsam mit Philips Healthcare und dessen Algorithmus für die Früherkennung von Infektionen entwickelt. Die Uhr und der Ring sind im Handel erhältlich, sie stammen von den Herstellern Garmin und Oura. Die Sensoren messen etwa Puls und Körpertemperatur.
Diese rudimentäre Technik reichte bereits aus, um einige Corona-Infektionen frühzeitig zu erkennen, berichtete die für das Projekt verantwortliche Defense Innovation Unit. Was beim Militär möglich ist, könnte auch Einzug in den zivilen Alltag halten. „In Zukunft ist es vorstellbar, dass die Früherkennung von Infektionen auch mit Konsumerprodukten möglich ist“, sagt Peter Ziese, Leiter der Abteilung für Monitoring und Analyse bei Philips, Handelsblatt Inside.
Auf dem Weg dahin gibt es allerdings noch einige Hürden. Ziese hält etwa die Sensoren in vielen Wearables für noch nicht zuverlässig genug. „Was wir uns nicht leisten können, ist ein Gerät, das ständig falschen Alarm schlägt“, sagt er.
Störfaktoren im Alltag
Wenn eine solche Technik nicht in Kliniken, sondern im Alltag zur Anwendung kommt, gibt es auch eine ganze Reihe von neuen Faktoren, die die Messwerte beeinflussen. „Steigt die Atemfrequenz nur, weil jemand eine spannende Netflix-Serie schaut oder Sport treibt – oder weil eine Infektion ansteigt?“, sagt Ziese. „Diesen Kontext muss das Gerät erkennen.“ Bevor die Technologie also in Konsumentenprodukten erhältlich ist, seien noch eine ganze Reihe von Tests nötig.
In Kliniken hingegen helfen Algorithmen bereits bei der Früherkennung von Infektionen. Das entsprechende als Medizinprodukt zugelassene Gerät von Philips etwa besteht nicht aus einer Uhr und einem Ring, sondern aus einem Sensor, der Patienten an der Brust angebracht wird und etwa die Atem- und Herzfrequenz misst. Er kommt unter anderem im OLVG-Krankenhaus in den Niederlanden zur Überwachung von Corona-Patienten zum Einsatz.
Der drahtlose Biosensor wird vor allem genutzt, um frühzeitig zu erkennen, ob sich die Situation von Patienten verschlechtert. „Dies ermöglicht auch ein schnelleres Eingreifen, um die Symptome frühzeitig zu behandeln“, sagt Ziese.
„Registriert der Sensor nur eine kleine Veränderung etwa bei Körpertemperatur, Atemfrequenz oder Blutdruck, kann der Algorithmus diese Werte anhand von tausenden Patientendaten, an denen er trainiert wurde, bewerten und das Pflegepersonal informieren“, sagt Ziese. Der Algorithmus wird seit rund zehn Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.