1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Energie
  4. Proxima Fusion: Kernfusion Start-up erhält Rekordsumme von Investoren

Proxima FusionKernfusion Start-up erhält Rekordsumme von Investoren

Das Fusionsunternehmen toppt mit seiner neuen Finanzierungsrunde sogar Konkurrent Marvel Fusion. Dabei sind die Hürden für die Nutzung der Kernfusion nach wie vor extrem hoch.Kathrin Witsch 12.06.2025 - 13:05 Uhr Artikel anhören
Modell: So könnte das Herzstück eines Kernfusionsreaktors in Form eines spulenartigen Supermagneten, der das Plasma einschließt, einmal aussehen. Foto: Proxima Fusion

Düsseldorf. Das Münchener Fusionsunternehmen Proxima Fusion hat bei Finanzinvestoren 130 Millionen Euro eingesammelt – und stellt damit einen neuen Rekord für die europäische Kernfusionsbranche auf. Unter den Geldgebern ist dieses Mal auch die Silicon-Valley-Größe Lightspeed. Der Investmentfonds gehört mit einem verwalteten Vermögen von 25 Milliarden Dollar zu den größten Risikokapitalgebern der USA.

„Wir haben deutlich mehr eingesammelt als erwartet und sind jetzt bis Ende 2027 durchfinanziert“, sagte Proxima-Chef und Mitgründer Francesco Sciortino dem Handelsblatt.

Das Geld geht vor allem in den Bau eines ersten Prototypen für einen Supermagneten, das Herzstück des zukünftigen Reaktors. Erste Materialbestellungen habe man schon aufgegeben, berichtet Sciortino. „Damit gehen wir von der Forschung in die Fertigung.“

Proxima Fusion ist eines von vier Start-ups in Deutschland, die mit der Kernfusion Energie gewinnen wollen. Seit über einem halben Jahrhundert forschen Wissenschaftler an dem heiligen Gral der Energiewelt: Wie bei der Sonne sollen dabei Wasserstoffkerne mit Heliumkernen verschmelzen und so jede Menge Energie freisetzen.

Wette auf die Zukunft

Bisher ist jeder Versuch gescheitert, dieses Prinzip umzusetzen. Erste Erfolge gab es vor drei Jahren – allerdings nur im Labor. Seitdem steigen die Investitionen in Fusionsunternehmen deutlich. Auch die Politik hat das Thema im Blick.

Wachstum

Diese zehn Technologien entscheiden über Deutschlands Zukunft

Schon im Wahlkampf hatte der damalige Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz angekündigt: „Der erste Fusionsreaktor der Welt soll in Deutschland stehen.“ Die Bundesrepublik solle Vorreiter sein, das wolle man nicht China oder den USA überlassen.

Mit der neuen Bundesregierung führe man bereits gute Gespräche, sagt Sciortino. Aktuell schaue man nach geeigneten Standorten für den 2031 geplanten Demonstrationsreaktor Alpha, mit einem besonderen Fokus auf Deutschland.

Die Fusionsindustrie teilt sich in zwei Lager auf: Während die einen wie Marvel Fusion und Focused Energy an der laserbasierten Fusion forschen, setzen Proxima und Gauss Fusion auf Magnete.

Dabei sollen riesige Magnete in der Theorie in extrem heißen Plasmawolken eine nukleare Fusion erzeugen. In der Praxis muss es jedoch erst einmal gelingen, entsprechende Magnete im benötigten Maßstab zu bauen. Proxima will das bis 2027 schaffen.

Derzeit wird dafür in einem Versuchslabor in der Schweiz jede Woche ein kleiner Prototyp zusammengebaut. Der erste größere Magnet soll dann mit einem Umfang von dreimal zweieinhalb Metern die Basis für das erste Fusionskraftwerk der Welt legen. Die Herausforderung besteht vor allen Dingen in den massiven Kräften, die auf den Magneten einwirken.

Forschungsprojekt: Fusionsanlage „Wendelstein 7-X“. Foto: Wendelstein

Damit eine Fusion gelingt, braucht es Temperaturen von über 100 Millionen Grad Celsius. Da kein Material diesen Temperaturen standhält, muss das Plasma, in dem sich die Brennstoffe befinden, berührungsfrei eingeschlossen werden. Das soll mit starken Magnetfeldern geschehen, die ein „magnetisches Käfigfeld“ erzeugen. Etwas, das mit herkömmlichen Kupferspulen kaum möglich ist. Deswegen werden in der Fusion so genannte Supraleiter eingesetzt. Bisherige Forschungsprojekte wie „Iter“ oder „Wendelstein 7-X“ arbeiten mit Niedrigtemperatur-Supraleitern.

Proxima setzt dagegen auf Hochtemperatur-Supraleiter: „Damit wollen wir ein viermal so großes Magnetfeld erzeugen wie beispielsweise Wendelstein. Am Ende kommt dafür über 100-mal mehr Energie raus“, erklärt Sciortino. Die Magnete sollen also deutlich leistungsstärker sein. Sie sind allerdings in der Herstellung auch wesentlich aufwendiger.

Trotzdem sei die Fusionsforschung bei der Entwicklung der Magnete auf einem guten Weg, schätzt auch Christian Linsmeier vom Institute for Fusion Energy and Nuclear Waste Management des Forschungszentrums Jülich. Der promovierte Plasmaphysiker ist Mitglied des Beirats für Fusionsforschung im Forschungsministerium und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Fusions-Start-ups Gauss Fusion aus München.

Kommentar

Die Kernfusion verdient eine Chance

Kathrin Witsch

Gelingt es tatsächlich, einen passenden Magneten zu entwickeln, steht allerdings schon das nächste Hindernis bevor: „Auf dem Weg zu einem Reaktor, der sich selber trägt, ist der Tritiumbrüter der Schlussstein im Gewölbe. Ohne den funktioniert das Ganze als Energiequelle nicht“, sagt Linsmeier.

Der Brennstoff für Fusionsreaktoren besteht aus einer Mischung der Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium. Während sich Deuterium relativ einfach aus Wasser anreichern lässt, ist das Vorkommen von Tritium auf der Erde sehr begrenzt. Deswegen soll es im Kraftwerk selbst hergestellt, im Fachjargon „erbrütet“, werden. Dabei wird Lithium durch das Einwirken der beim Fusionsprozess entstehenden Neutronen unter anderem in Tritium umgewandelt.

Konkret findet die Tritiumproduktion in einem sogenannten „Blanket“ statt – einem Schutzpanzer, der die Innenwand des Plasmagefäßes abschirmt. So zumindest auch hier wieder die Theorie. In der Praxis gibt es ein solches Blanket noch nicht.

Verwandte Themen
Deutschland
USA

„Für Alpha brauchen wir nur eine kleine Menge Tritium, und unsere Versorgung ist sicher. Anders verhält es sich bei unserem ersten großen Kraftwerk Stellaris, für das noch mehr Forschung zur Blanket-Technologie benötigt wird“, sagt Proxima-Chef Sciortino. Jetzt konzentriere man sich aber erst einmal auf die Produktion des Magneten.

Erstpublikation: 11.06.2025, 06:55 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt