Nahost: Der Iran ist schwach wie selten, doch Israel schlägt nicht zu
Tel Aviv. Mitten in Tel Aviv sind die Schäden des zwölftägigen Konflikts zwischen Israel und dem Iran im Vorjahresjuni noch sichtbar. Eine schwarze Plane flattert vor dem Einschlagloch, das eine iranische Rakete in einem Haus an der Eliezer-Kaplan-Straße gerissen hat. Nun stellt sich Israel auf die nächste Eskalation ein.
Das Regime in Teheran steht unter massivem Druck, landesweit erschüttern Proteste den Iran. Zugleich wägen die USA einen Angriff ab. Zwei europäische Regierungsvertreter gehen davon aus, dass ein Militärschlag kurz bevorstehen könnte. In Katar, dort liegt der größte US-Stützpunkt im Nahen Osten, evakuierte das Militär am Mittwochabend erste Truppen.
In derselben Nacht sperrte Teheran für mehrere Stunden seinen Luftraum. Denn die iranische Führung macht seit Wochen klar: Ein US-Angriff würde Vergeltung gegen Israel und US-Stützpunkte in der Region nach sich ziehen.
Somit scheint der Moment für Israel günstig, um eine direkte Konfrontation mit dem Erzfeind zu suchen – so hat Premierminister Benjamin Netanjahu den Iran in seiner 30-jährigen politischen Laufbahn schon oft bezeichnet. Allerdings hält sich Israel derzeit zurück. Wieso?