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Größte Rinder-Ranch der WeltAustraliens reichste Frau und das liebe Vieh

Rinderbaron Sidney Kidman schuf in Australien die größte Farm der Welt. Nun will Minen-Milliardärin Gina Rinehart die Ikone der Landwirtschaft mit Hilfe von Chinesen kaufen – und verärgert nicht nur die Regierung.Urs Wälterlin 17.10.2016 - 20:45 Uhr Artikel anhören

Rinder weiden im australischen Hinterland.

Foto: Urs Wälterlin

Sydney. Gefangen mit einem Lasso, im Licht der aufgehenden Sonne, liegt der junge Stier in einem Gitterkäfig aus Stahl. Das Tier hat die Augen aufgerissen, als ahne es, was ihm bevorsteht. Daneben brennt ein Feuer.

Melinda, knapp 16 Jahre alt, in engen Jeans, blauem Hemd und mit einem großen Hut auf dem Kopf, nähert sich dem Bullen. Sie hat ein Messer in der Hand, langer Griff, kurze Klinge. Sie greift dem Tier zwischen die Hinterbeine, schneidet die Hoden ab. Die junge Frau wischt sich den roten Staub der Wüste Australiens von der Stirn. Dann drückt sie dem Kalb ein Brandzeichen auf die Hinterflanke. Das Tier schreit auf. Melinda öffnet das Gitter und lässt den entmannten Bullen frei.

Das Leben im „Outback“, im Hinterland Australiens, ist nichts für Zartbesaitete. Hunderte von Kilometer von der Zivilisation entfernt gelten andere Gesetze, Regeln und Wertevorstellungen. Die Seele der Nation lebe hier, glauben viele Australier. Mit ihr der Patriotismus.

In dieser Ödnis hat auch der Agrarbetrieb „S. Kidman & Co.“, zu der auch die größte Rinder-Ranch der Welt Anna Creek gehört, seinen Sitz. Sidney Kidman, einer der bedeutendsten Rinderbarone Australiens, gründete hier einst die Ikone der Landwirtschaft. Anfang dieses Jahres sollte der Traditionskonzern an Chinesen verkauft werden. Shanghai Pengxin hatte ein Angebot über rund 350 Millionen australische Dollar (umgerechnet 234,4 Millionen Euro) gemacht. „Totaler Wahnsinn“, kommentierte Multimillionär Dick Smith den Coup damals.

Australiens oberster Farmer Sidney Kidman stieg als 13-Jähriger ins Geschäft ein. Mit einem einäugigen Pferd als einzigem Besitz. Er versorgte die Menschen in den aufstrebenden Städten an der Ost- und Südküste mit Rindfleisch.

Als Kidman 1935 starb, kontrollierte seine Firma 68 Rinderfarmen – in Australien werden sie „Station“ genannt – auf insgesamt 260.000 Quadratkilometern Land. Seitdem ist der Landbesitz auf 101.411 Quadratkilometer geschrumpft. Derzeit betreibt „S Kidman“ noch elf Stationen in Westaustralien, Queensland, dem Nordterritorium und Südaustralien – mit insgesamt etwa 185.000 Rindern.

Trotz wachsender Nachfrage nach Rindfleisch in wichtigen Absatzmärkten und entsprechend guter Preise läuft das Geschäft schlecht. Dürre und Überschwemmungen trieben „S Kidman“ in den vergangenen Jahren in die roten Zahlen. Im Finanzjahr 2013/14 schrieb der Konzern einen Verlust von 1,4 Millionen australischen Dollar. Die Natur im „Outback“ schert sich nicht um Bilanzen.

„Anna Creek Station“ in Südaustralien ist nicht nur die größte Anlage im Kidman-Imperium, sondern auch die größte Rinderfarm der Welt. Sie liegt fast 900 Kilometer von der Stadt Adelaide entfernt und umfasst eine Fläche von 23.677 Quadratkilometer. Das entspricht in etwa der Größe von Mecklenburg-Vorpommern.

Infografik zu Produktion, Produzenten und Verzehr

Exportschlager Fleisch

Australiens Finanzminister Scott Morrison lehnte das Angebot der Chinesen ab. Der Verkauf der Farm „Anna Creek“ liege „nicht im Interesse der Nation“, sagte er. Das Gelände dehnt sich bis zum Truppenübungsplatz Woomera aus. Australische Streitkräfte testen dort bis heute Raketen und Lenkwaffen. Es sei „nicht ungewöhnlich für Regierungen, aus Gründen der nationalen Sicherheit den Zugang zu sensiblen Regionen des Landes zu untersagen“, erklärte Morrison. Dabei war das nicht das einzige Angebot, das der Finanzminister den Chinesen abgeschlagen hatte.

Der Verdacht liegt nahe, dass nicht die militärische Nutzung des Gebiets, sondern Fremdenfeindlichkeit der ausschlaggebende Grund für seine Entscheidung war. Ein Verkauf an chinesische Interessenten hätte in den konservativen ländlichen Regionen Australiens zu einer Rebellion geführt.

Die zehn größten Fleischwaren-Konzerne in Deutschland
Auf Platz 10 rangiert die Sprehe-Gruppe aus dem niedersächsischen Lorup. Der Konzern, der vor allem mit Geflügel sein Geld macht, verzeichnete 2014 einen Umsatz vom 800 Millionen Euro (2013: 780 Millionen Euro).Quelle: fleischwirtschaft.de
Mit 825 Millionen Euro Umsatz in 2014 liegt die Zur-Mühlen-Gruppe auf Platz 9. Der Produzent der bekannten Böklunder Würstchen erreichte auch 2013 schon einen Umsatz in gleicher Höhe.
Kaufland Fleischwaren kommt mit einem Umsatz von 830 Millionen Euro 2014 auf den achten Rang (2013: keine Angabe). Die Fleischbetriebe sind Teil der Unternehmensgruppe Kaufland.
Die Müller Gruppe aus der Nähe von Pforzheim schlachtet hauptsächlich Rinder und Schweine und kam damit 2014 auf einen Umsatz von 885 Millionen Euro (2013: 883 Millionen Euro) – Platz 7.
2013 erwirtschaftete die Rothkötter Unternehmensgruppe erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro. 2014 konnte das Unternehmen der Geflügelbranche diesen Umsatz bestätigen und landet damit auf Rang 6.
Die Heristo Aktiengesellschaft aus dem niedersächsischen Bad Rothenfelde steht auf dem fünften Platz im Ranking. Das schon seit 1913 bestehende Unternehmen erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 1,45 Milliarden Euro (2013: 1,48 Milliarden Euro).
Die PHW-Gruppe ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter. Das Unternehmen mit der bekannten Marke Wiesenhof landet mit 2,27 Milliarden Euro Umsatz 2014 auf Rang 4 (2013: 2,21 Milliarden Euro).
Mit einem Umsatz von 2,51 Milliarden Euro in 2014 ist der Konzern Westfleisch aus Münster das drittgrößte fleischverarbeitende Unternehmen in Deutschland (2013: 2,51 Milliarden Euro).
Vion Food Germany ist der deutsche Ableger des niederländischen Nahrungsmittelkonzerns Vion N. V. Der Umsatz 2014 betrug 3,29 Milliarden Euro (2013: 3,7 Milliarden Euro), das bedeutet Rang 2.
Die Tönnies-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine. Der Umsatz des Familienunternehmens lag 2014 bei 5,6 Milliarden Euro und damit auf dem gleichen Wert wie 2013. Damit liegt die Tönnies-Gruppe auf Platz 1 der Fleischproduzenten.

Seit ein paar Tagen können Dick Smith und andere Agrar-Patrioten etwas ruhiger schlafen. Die Gefahr, dass in den Farmen des Kidman- Imperiums statt Steaks künftig Frühlingsrollen serviert werden, scheint gebannt. Die reichste Frau Australiens, Gina Rinehart, hat 365 Millionen australische Dollar (umgerechnet 247 Millionen Euro) für „Kidman“ geboten. Ganz ohne Hilfe der Chinesen geht es dann doch nicht. Während zwei Drittel von „S. Kidman“ an Rineharts Bergbauunternehmen „Hancock Prospecting“ gehen sollen, werde ein Drittel vom chinesischen Immobilienkonzern Shanghai CRED gekauft, kündigte die Geschäftsfrau an.

Die Australierin hat den Deal noch nicht in der Tasche. Vergangene Woche gab ein Konsortium australischer Bieter sein Interesse an dem Agrarbetrieb bekannt. Unter den Namen, die in den Medien gehandelt werden, sind berühmte „Outback-Legenden“, wie etwa der öffentlichkeitscheue Rinderbaron und Multimillionär Tom Brinkworth und die Familie Oldfield.

Gina Rinehart wird im Kampf um „Kidman“ ebenso wenig zurückhalten wie die junge Melinda beim Kastrieren von Bullen. Die 62 Jahre alte Erbin des Hancock-Eisenerzimperiums ist für einen gnadenlosen Umgang mit Wettbewerbern bekannt. Konflikte mit Geschäftspartnern wie mit ihren eigenen Kindern haben die Frau zu einer ebenso mysteriösen wie unbeliebten Person des öffentlichen Lebens werden lassen.

Für Umweltschützer ist Rinehart, die auch stark in der Kohleförderung engagiert ist, ein Feindbild. Sie gilt als wohl einflussreichste Klimawandel-Skeptikerin Australiens, die alles daransetzt, Maßnahmen gegen globale Erwärmung zu verhindern. Um die Debatte über von Menschen verursachten Klimawandel zu ihren Gunsten beeinflussen zu können, finanziert sie ein konservatives Fernsehprogramm.

Der Skandal um möglicherweise mit dem Insketizid Fipronil belastete Eier beschäftigt Deutschland in diesem Sommer. Inzwischen sei von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Fipronil war über das Anti-Läusemittel Dega-16 in die Eier gelangt. Das Mittel beruht eigentlich nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt, obwohl das Mittel für die Geflügelzucht verboten ist. Aldi nahm unterdessen sämtliche Eier aus dem Verkauf.

Foto: dpa

Abermillionen Schokoriegel mussten in die Werkstatt – sozusagen. Nachdem eine Kundin in einem Mars-Riegel auf ein Stück Plastik gebissen hatte, begann der Hersteller mit einer gigantischen Rückruf-Aktion. Sie galt für alle Staaten der Europäischen Union, mit Ausnahme von Bulgarien und Luxemburg. Betroffen waren Riegel der Marken Mars und Snickers; zudem alle Produkte der Marke Milky Way Minis und Miniatures sowie mehrere Celebrations-Mischungen mit diesem Mindesthaltbarkeitsdatum.

Foto: dpa

Pro Jahr konsumiert ein Deutscher durchschnittlich 107 Liter Bier. Und damit nicht nur, streng nach dem deutschen Reinheitsgebot, Wasser, Hopfen, Hefe und Malz, sondern auch noch eine gerüttelte Menge Glyphosat – das weltweit meist eingesetzte Pestizid. In deutschen Bieren wurden Mikrogrammwerte deutlich über den Grenzwerten für Trinkwasser gemessen, im krassesten Fall 300-fach über dem Grenzwert. Direkte Gefahr für die Gesundheit besteht allerdings nicht.

Foto: dpa

In Dänemark stellte sich 2014 heraus, dass Produkte des Wurstherstellers Jørn A. Rullepølser mit Listerien-Bakterien verseucht waren. Listerien sind für gesunde Menschen in aller Regel ungefährlich, allerdings ein Risiko für immungeschwächte Personen und schwangere Frauen. In Dänemark starben innerhalb von 30 Tagen zwölf Menschen, 15 weitere erkrankten. Der Betrieb wurde geschlossen, die Produkte zurückgerufen. 160 Kilogramm waren auch an einen deutschen Supermarkt in Schleswig-Holstein an der dänischen Grenze gegangen – sie waren bereits verkauft, bevor sie sichergestellt worden konnten. Verbraucher wurden gebeten, die Wurst zu vernichten oder zurückzugeben.

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Das Unternehmen Vallée-Verte rief die zwei Käsesorten „Saint Marcellin“ und „Saint Felicien“ zurück. In den Produkten der französischen Käserei Fromageries L'Etoile wurden Coli-Bakterien nachgewiesen. Diese können innerhalb einer Woche nach Verzehr zu teils blutigem Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen sowie Fieber führen. Gerade bei Kindern besteht außerdem die Gefahr von Nierenkomplikationen.

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2014 deckte die „Zeit“ auf: Das Neuland-Gütesiegel, gegründet vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, als ganz besonderes Qualitätssiegel hielt bei Brathühnchen nicht so ganz, was es versprach. Eigentlich sollten Neulandtiere aus Freilandhaltung stammen, gefüttert mit Körnern aus der Region. Tatsächlich stammen in Norddeutschland viele Tiere aus einem ganz gewöhnlichen industriellen Schlachtbetrieb in Niedersachsen.

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Zusammen mit der Ehec-Epidemie wohl der aufsehenerregendste Lebensmittel-Skandal der vergangenen Jahre: 2013 stellte sich heraus, das Rindfleisch in mehreren Fertiglasagnen aus der Tiefkühlung war eigentlich Pferd. Im Anschluss wurden in Labortests rund 70 Fälle von falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen. Die größte Menge an Pferdelasagne gab es in Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder waren Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).

Foto: Reuters

Begonnen hatte der Skandal in Irland und Großbritannien, wo bereits im Januar Hamburger-Frikadellen auftauchten, die Spuren von Pferd enthielten. Bei Hamburgern der Marke Tesco waren es sogar deutlich mehr als nur „Spuren“: Sie bestanden zu 23 Prozent aus Pferdefleisch. Die Tiefkühl-Hackbällchen „Köttbullar“ der Möbelhaus-Kette Ikea in tschechischen Häusern enthielten ebenfalls Pferd und flogen daraufhin aus dem Sortiment – zum Ausgleich landete in schwedischen Tiefkühlregalen Lasagne mit einem Pferdefleischanteil von bis zu 100 Prozent. In ganz Europa wurden schließlich Händler festgenommen, die falsch deklariertes Fleisch verkauften.

Foto: AFP

Am 23. Januar rief Lidl mit Listerien-Bakterien belasteten Harzer Käse der österreichischen Firma Prolactal zurück – zu spät: Vier Menschen erkrankten in der Folge an Listeriose, einer stirbt an den Folgen der Lebensmittelvergiftung. Dass Lidl zu spät reagiert hat, bescheinigt dem Discounter drei Jahre später auch ein Urteil des Amtsgerichts Heilbronn. Demnach hätte schon Ende 2009 ein sofortiger Lieferstopp für den Käse veranlasst werden müssen. Lidl musste Geldbußen von insgesamt 1,5 Millionen Euro akzeptieren und entschuldigte sich. Nach eigenen Angaben wurden „die Ergebnisse von routinemäßigen Untersuchungen falsch nicht richtig bewertet“.

Foto: dpa

Die Stiftung Warentest hat 2012 in der Schokolade von 24 Adventskalendern für Kinder Rückstände von Mineralöl und ähnlichen Substanzen nachgewiesen. Die wahrscheinliche Ursache: Der Karton der Kalender wurde aus Recyclingpapier hergestellt, das mit mineralölhaltigen Farben bedruckt war. Teure Kalender waren am höchsten belastet. Stiftung Warentest riet Verbrauchern, besonders Kindern, davon ab, die Schokotäfelchen zu essen.

Foto: dpa

Im Jahr 2011 brach eine Epidemie des hämolytisch-urämischen Syndroms in einer bis dato unbekannt schweren Verlaufsform in Deutschland aus. Fast alle Betroffenen lebten in Norddeutschland oder hielten sich dort zeitweise auf. Als Ursache wurde schnell das Darmbakterium Ehec identifiziert – doch wo sind die Menschen mit dem Erreger in Kontakt gekommen? Das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sprachen am 25. Mai eine Verzehrwarnung für rohe Gurken, Tomaten und Salat aus. Die deutsche Gemüseindustrie erlebte einen radikalen Umsatzeinbruch, Bauern konnten für ganze Ernten keine Abnehmer finden. Die Branche sprach von einem bis zu 80-prozentigen Umsatzrückgang. Nachdem auf ihnen – nicht-ursächliche – Ehec-Bakterien nachgewiesen worden waren, kam es de facto zu einem Import-Verbot für spanische Gurken. Am 10. Juni wurde die Verzehrwarnung wieder aufgehoben.

Foto: AFP

Tatsächlich hatten die ägyptischen Bockshornkleesamen Schuld. BfR und RKI gaben erneut eine Verzehrwarnung, diesmal für Sprossen, heraus. Die EU erließ für die Samen, die zahlreiche Anwendung in der Lebensmittelindustrie finden, ein Importverbot das bis Ende Oktober 2011 galt. Ende Juli 2011 wurde die Epidemie für beendet erklärt. Insgesamt erkrankten 855 Menschen an HUS und 2.987 an Gastroenteritis, 53 Menschen starben an der Infektion. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Verbraucherorganisation Foodwatch sind die tatsächlichen Ursachen der Epidemie bis heute unaufgeklärt.

Foto: dpa

Ein Fall mit drastischen juristischen Folgen: Ein bayrischer Fleischhändler verkaufte aus der Schweiz importierte Geflügelabfälle falsch deklariert an Lebensmittelproduzenten weiter. Tonnenweise. Da die weiterverarbeiteten Abfälle erhitzt wurden, bestand zwar keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher. Ins Gefängnis musste der Unternehmer dennoch: Vier Jahre und drei Monate Haft, lautete das Urteil.

Foto: AP

Sie versuchte sogar, den ihrer Meinung nach „von Linken dominierten“ Medienkonzern Fairfax zu kaufen. Ohne Erfolg. Dass sie 2011 auf dem Höhepunkt des australischen Rohstoffbooms mit einem Privatvermögen von fast 30 Milliarden australischen Dollar zur reichsten Frau auf dem Globus gekürt worden war, half ihrer Beliebtheit wenig. Nur selten spricht Rinehart in der Öffentlichkeit. Doch wenn sie es tut, hält sie mit ihrer Meinung nicht zurück: Gina Rinehart, die jede halbe Stunde eine Million australische Dollar reicher wird, lobte einst die Verhältnisse in Minen in Afrika, „wo die Menschen willig sind, für zwei Dollar am Tag zu arbeiten“.

Nach dem Tod ihres Vaters Lang Hancock 1992 übernahm Gina Rinehart die Mehrheit und den Vorsitz von dessen Privatfirma „Hancock Prospecting“. Zweiflern zum Trotz baute sie das Unternehmen zu einem der erfolgreichsten Bergbaukonzerne des Landes aus. Schon als kleines Mädchen hatte Gina ihrem Vater über die Schulter geschaut, und nicht nur sein Geschäftsverhalten kopiert, sondern auch seinen Charakter.

Lang Hancock galt als ebenso erfolgreicher wie rücksichtsloser Pionier der australischen Rohstoffindustrie, der gegen alle Widerstände und meist unter Missachtung der Rechte der Ureinwohner die enormen Eisenerzvorkommen im isolierten Norden Westaustraliens entdeckt und erschlossen hatte.

Was wirklich hinter den Siegeln steckt
Das Bio-Siegel der EU wurde im Juli 2010 eingeführt. Ein Produkt, das dieses Label trägt, darf höchsten 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten und muss zu mindestens 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Vielen Bio-Herstellern sind die Kriterien an das Bio-Siegel nicht scharf genug, deswegen haben sie eigene Siegel wie Demeter oder Naturland, die höhere Anforderungen erfüllen müssen.
Das Label steht für weltweit gültige Standards, die Kleinbauern stabile und auskömmliche Preise und möglichst direkte Handelsbeziehungen sichern. Dazu gehören auch die Vorfinanzierung der Produktion und ein garantierter Mindestpreis. Bei einem Produkt, das dieses Siegel trägt, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, zu 100 Prozent Fairtrade-zertifiziert sein.
Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council vergibt dieses Siegel, um nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren. Die Produzenten müssen dafür zehn Kriterien erfüllen, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards bei den Forstbetrieben verbessern sollen. Umweltverbände kritisieren aber immer wieder, das Siegel würde zu leichtfertig vergeben.
Die private Organisation Marine Stewardship Council, die das Label für nachhaltigen Fischfang vergibt, wurde vom Konzern Unilever und der Naturschutzorganisation WWF gegründet. Betriebe die das Label bekommen, müssen unter anderem Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen. Auch hier gibt es Kritik an der Vergabe, beispielsweise rügt Greenpeace, dass nur 60 bis 80 Prozent der Standards erfüllt sein müssten, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.
Auch dieses Siegel soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen. Im Gegensatz zum FSC, das Betriebe zertifiziert, vergibt PEFC das Siegel an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird dann auf regionaler Ebene kontrolliert. Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig stichprobenartig überprüft. Während das FSC-Siegel meist für Tropenholz verwendet wird, zertifiziert PEFC in der Regel europäische Wälder.
Mit dem Label werden nachhaltig angebaute Agrarprodukte gekennzeichnet, speziell Kaffee, Tee und Kakao. Die Produzenten müssen soziale Kriterien festlegen, Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfüllen und eine effiziente Bewirtschaftung sicherstellen. Ein Label für fairen Handel ist UTZ jedoch nicht.
Das V-Siegel, das vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vergeben wird, kennzeichnet vegetarische Lebensmittel. Produzenten müssen für die Zertifizierung ihre Zutatenliste offenlegen und ihre Produktion vor Ort überprüfen lassen. Sie müssen auf jegliche Tierkörperbestandteile, also auch etwa auf Gelatine, verzichten. Es wird inzwischen von über 250 Lizenzpartnern verwendet, zum Beispiel von Alpro, Frosta, Katjes, Valensina und Voelkel.

Heute hält Hancock Prospecting unter anderem Schürfrechte für einige der größten Erzreserven der Welt. Gina Rinehart kontrolliert 50 Prozent der von Rio Tinto betriebenen Eisenerzmine Hope Downs. 30 Millionen Tonnen Eisenerz pumpt die Anlage jährlich auf die Weltmärkte. „Wie ein Wasserhahn, aus dem Dollarnoten fließen“, meint ein Branchenkenner.

Und jetzt Steaks? Eine Expansion in die Fleischindustrie ist die logische Konsequenz zweier fundamentaler Entwicklungen, sagen Analysten: zum einen der Rückgang des Rohstoffbooms und zum anderen die global steigende Nachfrage nach tierischem Eiweiß. Der Schlüssel zu einer der größten wirtschaftlichen Chancen, die das Land habe, liege im „einfachen australischen Bauernhof“, analysiert Hannah Bretherton von der Denkfabrik China Matters die Situation und ergänzt: „Wir können von Gina Rinehart lernen“. Die Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsfrau und dem Schanghaier Unternehmen sei symbolisch für die „Bewegung weg von Energieträgern“ wie Kohle und anderen mineralischen Ressourcen. Shanghai CRED ermögliche der Geschäftsfrau einen direkten Weg in einen der weltweit attraktivsten Wachstumsmärkte für Agrarprodukte.

Dass Rinehart den richtigen Geschäftssinn hat, bestätigen mehrere Analysen. Die Landwirtschaft habe der australischen Handelskammer zufolge von allen Wirtschaftszweigen Australiens den größten Wettbewerbsvorteil. Zwar hat Australien schon seit vielen Jahren eine stetig wachsende Fleisch- und Lebendvieh-Exportindustrie. 74 Prozent der im vergangenen Jahr produzierten 4,4 Millionen Tonnen Rindfleisch im Wert von 8,5 Milliarden australischen Dollar wurden in 84 Länder exportiert. Zusätzlich verschiffte Australien 1,2 Millionen lebende Rinder im Gesamtwert von 1,5 Milliarden australischen Dollar. Trotzdem deckt das Land bisher erst vier Prozent des weltweiten Konsums von Rindfleisch.

Gleichzeitig steigt vor allem in den Wachstumsländern Asiens die Nachfrage. Allen voran in China, wo eine schnell expandierende Mittelschicht Lust auf Konsumprodukte und Nahrungsmittel entwickelt, von denen frühere Generationen nur träumen konnten.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich chinesische Investoren für die „Farm Australien“ interessieren. Joel Chang von der chinesischen Investmentfirma Genius Link Group zufolge hat China rund 1,4 Millionen Rinder oder 350.000 Tonnen an Fleisch zu wenig, um den Bedarf decken zu können.

Doch damit Australien eine „Futterkrippe für die Welt“ werden kann, wie dies einigen Politikern vorschwebt, muss erst viel Geld in Infrastruktur, Logistik und Dienstleistungen investiert werden. Laut der australischen Handelskammer braucht der Agrarsektor zwischen 2015 und 2050 eine Kapitalspritze von etwa einer Billion australischen Dollar. Nur gerade 150 Milliarden würden wohl aus Australien kommen, so die Bank ANZ. Chinesische Investoren hätten die Mittel, um den Rest aufzubringen.

Doch genau das könnte für die Industrie und vor allem für die Exporteure ein Problem werden. Die Zahl und der Einfluss populistischer, fremdenfeindlicher Gruppen, Parteien und Politiker wachsen auch in Australien. Das Klima für Auslandsinvestitionen im Agrarsektor ist in den vergangenen Jahren kühler geworden. Ein Grund dafür ist, dass in Teilen des Landes chinesische oder Unternehmen aus anderen asiatischen Ländern in Agrargebieten Kohle-Tagebauminen betreiben oder bauen wollen. Dies führt zur Zerstörung einiger der besten landwirtschaftlichen Nutzflächen Australiens, und zur forcierten Umsiedelung Einheimischer.

In vielen ländlichen Gegenden Australiens ist China zu einem Reizwort geworden.

Zwar zeigt sich die konservative Regierung von Premierminister Malcolm Turnbull offiziell weiterhin offen für Anleger aus dem Ausland. Doch die Vetos des Finanzministers zeigen, dass Canberra sich dem Populismus nicht entziehen kann. Aktuellen Umfragen zufolge sind inzwischen 69 Prozent der Bevölkerung „stark gegen“ die Akquisition von Agrarland durch Ausländer. 2012 waren es noch 63 Prozent. Populisten wie die Abgeordneten der rapide wachsenden, ausländerfeindlichen Partei One Nation heizen die Stimmung an. Ihre Behauptung, Australien würde „die Farm verkaufen“, hält allerdings nicht Stand. Schon gar nicht, wenn es um China geht. Chinesische Firmen kontrollieren nur 0,5 Prozent des australischen Agrarlandes. Großbritannien dagegen, das traditionelle Mutterland, hält sieben Prozent.

Doch Fakten zählen in dieser Debatte wenig. Es wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, welchen Einfluss die Tatsache haben wird, dass bei einem Verkauf von „S Kidman“ an Rinehart immerhin ein Drittel unter chinesische Kontrolle fallen würde.

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Das China-Problem ist aber nicht das einzige, mit dem sich die Geschäftsfrau künftig beschäftigen muss.

Längerfristig die vielleicht größte Herausforderung ist die Natur. Die seit Jahrtausenden von einem Wechselspiel zwischen Überschwemmung und Dürre dominierte Umwelt im trockenen Inland Australiens wird als Folge von Klimawandel zunehmend unberechenbarer. Der Boden im „Outback“ ist schon unter normalen Umständen mager, die Futterausbeute gering. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Quadratkilometer Land nur ein Rind ernähren kann – wenn überhaupt.

Wissenschaftler haben errechnet, die Auswirkungen des Klimawandels würden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Situation für die Landwirtschaft dramatisch verschärfen. Extremtemperaturen von über 50 Grad sowie mehrere Jahre dauernde Trockenperioden könnten im „Outback“ zur Normalität werden. Analysten meinen, klimatische Unsicherheiten und Extreme seien ein immer größeres Geschäftsrisiko für Agrarunternehmen. Für Gina Rinehart dagegen sind solche Warnungen nur Propaganda: „Die Welt und das Klima haben sich immer verändert“.

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