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Abgasaffäre bei Mercedes Zetsches teures Erbe: Daimler zahlt Milliarden im Dieselskandal

Der Autobauer versucht einen Befreiungsschlag in den USA. Analysten bezweifeln, dass die 1,9 Milliarden Euro reichen. Aktionärsschützer fordern Konsequenzen.
14.08.2020 - 10:37 Uhr 4 Kommentare
Ein Bild von der Hauptversammlung des Autobauers im Mai 2019. Quelle: Reuters
Daimler-Chef Ole Kaellenius mit seinem Vorgänger Dieter Zetsche

Ein Bild von der Hauptversammlung des Autobauers im Mai 2019.

(Foto: Reuters)

München Mit zwei Vergleichen in Milliardenhöhe will der Autobauer Daimler den Großteil seiner Diesel-Verfahren in den USA beilegen. Behörden und Sammelkläger haben sich nach einer jahrelangen Auseinandersetzung im Kern mit dem Dax-Konzern geeinigt. Demnach will der Mercedes-Hersteller 1,9 Milliarden Euro aufwenden, um die Abgasaffäre in Amerika weitgehend ad acta zu legen. Hinzu kommt noch ein dreistelliger Millionenbetrag, der etwa für Anwaltshonorare und Gerichtsgebühren fällig wird.

Sofern Behörden und Gerichte der Einigung zustimmen, ist Daimler eines seiner größten finanziellen Risiken los. Mehrere Analysten begrüßten den Deal. „Gut, dass der Deckel allmählich draufkommt“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler dem Handelsblatt. Die offenen Zivil- und Umweltrechtsverfahren in den USA seien das größte Risiko für den Konzern gewesen. Daimler könne diese Unsicherheit nun beiseiteräumen. „Und es ist auch nicht exorbitant teuer“, bekundet Pieper.

Tatsächlich betont der Autobauer, für die Vergleiche „ausreichend bilanzielle Vorsorge“ getroffen zu haben. „Die Cashbelastung wird erst noch kommen“, weiß allerdings LBBW-Analyst Gerhard Wolf. Über die nächsten drei Jahre dürfte der Free Cashflow von Daimler negativ beeinflusst werden. „Zwar ist dies schmerzhaft, aber gut ist, dass damit ein Schlussstrich gezogen wird“, erklärt Wolf.

Die Aktie von Daimler verlor am Freitagvormittag dennoch zwischenzeitlich mehr als 1,8 Prozent. Der „Befreiungsschlag“ von Daimler ruft schließlich auch deutliche Kritik hervor. „Die Aktionäre fragen sich, wer das nun letztendlich bezahlt. Derzeit sind sie es. Das ist nicht akzeptabel“, sagte Marc Tüngler dem Handelsblatt.

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    Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fordert, die Verantwortlichen für die Dieselmisere zur Rechenschaft zu ziehen. „Wie zuvor bei Volkswagen ist auf dem Schaden nun ein Preisschild. Das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben können“, erklärt Tüngler.

    Dieter Zetsche wird zur Reizfigur

    Insbesondere der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche, der 13 Jahre an der Spitze des Stuttgarter Konzerns stand, ist für viele Investoren mittlerweile eine Reizfigur. Die Vergleiche in den USA würden erneut zeigen, wie „schmerzhaft und fatal die Ära Zetsche für Daimler war“, bekundet Tüngler.

    Der Aktionärsschützer lehnt den Plan von Zetsche, Mitte 2021 den Aufsichtsratsvorsitz bei Daimler zu übernehmen, strikt ab. Auch weitere größere Daimler-Aktionäre wie Union Investment oder Deka Investment sprechen sich klar gegen eine Rückkehr des 67-Jährigen aus.

    Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff hält allerdings weiter zu Zetsche, er ist sein expliziter Wunschkandidat als Nachfolger im Stuttgarter Kontrollgremium. Und Bischoff ist niemand, der bei Gegenwind klein beigibt. Wütenden Investoren hält der erfahrene Manager gerne entgegen, dass diese vergessen würden, was Zetsche bei Mercedes alles geleistet habe – etwa die Konzernrettung nach dem Chrysler-Fiasko.

    So oder so ist der Dieselskandal für Daimler längst noch nicht ausgestanden. Die Vergleiche in den USA decken beispielsweise nicht die strafrechtliche Seite ab. Hier laufen die Ermittlungen gegen die Schwaben weiter, nach wie vor droht auch hier eine hohe Geldbuße. „Ob die Rückstellungen insgesamt ausreichen, darf angezweifelt werden“, meint folglich NordLB-Analyst Frank Schwope: „Man hat bei Volkswagen gesehen, dass immer noch etwas nachgekommen ist“.

    Mehr: Drohende Pleitewelle: Das Schuldenproblem der Zulieferer

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    4 Kommentare zu "Abgasaffäre bei Mercedes: Zetsches teures Erbe: Daimler zahlt Milliarden im Dieselskandal"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Herr Andreas Fritz
      14.08.2020, 15:59 Uhr"
      Wissense, HINTERHER sind wir alle schlauer. Zu der Zeit lief das halt so. Das ist wahrscheinlich nicht der einzige Betrug und vielleicht auch nicht der schlimmste, aber:
      hier hat Uncle Sam seine "unabhängige" Justiz, die AUSLÄNDISCHE Konzerne gerne bis aufs Mark aussaugt und die eigenen Betrüger laufen lässt, denn:
      wichtige Justizämter in den USA sind Wahlämter. Und wie läuft der Wahlkampf in USA? Mit Geld? Nee, mit viel mehr Geld. Dementsprechend ist dann hinterher, nach der Wahl, auch der Horizont: wie sichere ich mir die Großspenden für die Wiederwahl?
      Wieso sind denn so Fälle wie Kamala Haris in den USA eher die Regel: flotte Wechsel zwischen Wirtschaft, Politik und Justiz. Die Ergebnisse sind denn auch danach: America 1st und e pluribus unum rules!

      So sind die Amis halt.
      Wenn Joe Biden ein seniler Endversager ist, so wäre er in seinem Alter kein großer Schaden für den Staat, aber mit seiner Vize wissen alle: Wall Street rules (dieselbe Clique wie bei Hillary) und damit werden eine Menge aufgeklärte Wähler abgeschreckt.
      Die Demokraten fahren also eine SPD-Taktik und tun alles um von der Verantwortung fern zu bleiben. Ich mag die Orange überhaupt nicht, aber noch einen Truman oder Johnson braucht kein Mensch.
      Das einzige was ich dabei verstehe; der Job an sich ist ja recht hässlich: Chef der größten Schuldenberge der Welt und das auch noch vornehmlich bei den Chinesen.
      Aus der Nummer gibt es keinen leichten Ausweg. Das Leute dafür sorgen, den Job nicht zu kriegen, liegt nahe.

    • Herr Rainer Hake, für all diese Probleme gibt es eine ganz einfache Lösung: nicht betrügen

      Bloss weil man hierzulande Milliarden Schaden anrichten kann und dafür bestenfalls ein Parkticket und Boni bekommt... muss das beim Rest der Welt nicht so sein.

      In den USA läuft viel schief, aber bei betrügenden Automobilkonzernen kriegt dort jeder seine spürbare Strafe.

    • Daimler-Milliardenvergleich steht bevor

      "Kein Geschäft der Welt ist es wert, gültige Gesetze, Regeln und ethische Normen
      zu verletzen."

      (Dieter Zetsche in einer Mitteilung vom 28.Sept.2010, dass der Aufsichtsrat
      der Daimler AG beschlossen habe, ein neues Vorstands-Ressort für "Integrität und Recht" zu schaffen.")

      "Der Konzern wolle bei Regelbefolgung und Integrität neue Standards setzen".
      (Daimler-Aufsichsratschef Manfred Bischoff zitiert in einem Blog der gleichnamigen XING-
      Gruppen am 4.Okt.2010)

      Wer in und mit USA Dollar-Geschäfte betreibt war und ist mit dem "undurchsichtigen Rechtssystem" made in USA und deren weltweiten Zugriffsmöglichkeiten wohl vertraut.

      Da Daimler auch schon den EX-FBI-Chef Mr.Louis Freeh mit seinem Mitarbeiterstab
      im Konzerngebäude in Möhringen "beherbergte" in dessen Eigenschaft und langem Arm des US-Justizministeriums als Korruptionswächter, war und ist Daimler mit diesem Rechtssystem durchaus vertraut und läßt Dutzende von Anwälten weltweit gut davon leben.

      Wer aber mit China und in China "dicke Geschäfte" mit noch "fetteren Gewinnen"
      einfährt kann sich ernsthaft sicher nicht über das US-Rechtssystem beklagen, durch das
      sich ja auch in der Vergangenheit die deutsche und europäische Bankenwelt nachhaltig mehr als "blutige Nasen" besorgt hatten.

      Ola Källenius muss und wird den Sanierungskurs bei Daimler vorantreiben müssen, wohl wissend, dass auch er selbst in seiner über 20 Jahre absolvierten Tätigkeit beim Stern kein "Unschuldslamm" für Versäumnisse und Entgleisungen aller Art ist.

      Fast hilfesuchend wirken Aussagen des Daimler Konzerns, dass für zu erwartenden
      Gesamtkosten der Vergleiche "ausreichend bilanzielle Vorsorge" getroffen worden sei.

      Fast hilflos auch die Mitteilung, dass Daimler mit einem entsprechenden Einfluss auf
      den Free Cash Flow des Industriegeschäfts über einen Zeitraum von drei Jahren rechnet."

      Bei Daimler scheint alles "hart und starr" wie bei einer Schildkrötenschale. Wer wird
      das beenden?
      KH.




    • Wenn man sich die exorbitanten Summen in diesen sog. Dieselskandal (nicht nur bei Daimler auch bei VW) betrachtet, wird es fragwürdig in USA überhaupt noch präsent sein zu wollen. Die Risikoabwägung das Unternehmen insgesamt zu gefährden, wie auch im Falle Bayer, wird in dem undurchsichtigen Rechtssystem der USA immer schwieriger. Entschädigungszahlungen werden von gierigen Rechtsvertretern extrem nach oben getrieben, da sie ja davon profitieren. Das ist mit unserem Rechtsverständnis nicht in Einklang zu bringen.
      Welcher Manager mag noch in USA Verantwortung übernehmen, die er letztlich gar nicht in Gänze überblicken kann. Ein Ingenieur, der im Vertrauen auf den Schutz seines Unternehmen Produkte entwickelt und dies auch tun muss, da er sonst auch sein Arbeitsplatz riskiert, landet plötzlich in einem USA Knast. Das ganze System und Verfahren ist fragwürdig und hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun, sondern ist der Auswuchs einer "Rechtsindustrie", die nur auf den Profit schaut und nicht auf Gerechtigkeit.

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