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BASFChemiekonzern verspricht höhere Gewinne bei schleppender Konjunktur

BASF geht weiter von mauer Nachfrage aus und bleibt für 2025 vorsichtig. Konzernchef Kamieth räumt im Portfolio auf und setzt auf die Effekte des Sparkurses. Die Aktie dreht ins Plus.Bert Fröndhoff 28.02.2025 - 13:26 Uhr aktualisiert Artikel anhören
BASF-Anlage in Ludwigshafen: Weitere kleinere Anlagen könnten geschlossen werden. Foto: obs

Düsseldorf. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF blickt verhalten optimistisch auf das weitere Jahr 2025, stellt aber eine weitere Gewinnsteigerung in Aussicht. Für 2025 rechnet das Unternehmen mit einem bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 8,0 bis 8,4 Milliarden Euro, wie BASF am Freitag mitteilte. Im besten Fall wäre dies ein Zuwachs von sieben Prozent.

Analysten hatten in der Hoffnung auf eine langsam anziehende Konjunktur schon Werte am oberen Ende dieser Spanne eingepreist. Anleger zeigten sich am Freitag zum Börsenstart zunächst enttäuscht. Die BASF-Aktie machte die anfänglichen Kursverluste aber schnell wett und notierte am Mittag rund ein Prozent im Plus bei 49,20 Euro.

In der Prognose spiegelt sich die anhaltend schwache und unsichere Lage in den entscheidenden Wirtschaftsregionen der Welt wider. In Deutschland droht das dritte Rezessionsjahr in Folge, in den USA sind die Aussichten wegen der noch unklaren Zollpolitik schlecht abschätzbar. In China wiederum bleibt das Wachstum vorerst verhalten.

Hohe Kosten in China bremsen BASF

BASF rechnet daher mit einer weiterhin schleppenden Nachfrage nach Chemikalien und Kunststoffen und wenig Rückenwind vom Markt. Der weltgrößte Chemiekonzern gilt mit seinem breit gefächerten Portfolio und der globalen Präsenz als Gradmesser für die weltweite Konjunktur.

„Wir wissen, dass wir uns fast alle Verbesserungen selbst erarbeiten müssen“, sagte Vorstandschef Markus Kamieth. Von der neuen Bundesregierung erwarte er, dass sie mit schnellen Entscheidungen die Zuversicht in Deutschland zurückbringe. „Das wird aber nicht gelingen, wenn nur hier und da an ein paar Stellschrauben gedreht wird.“ Es brauche einen grundlegenden Wechsel.

Die Gewinnprognose von BASF ist auch deswegen schwächer als erwartet, weil sich 2025 ein Sondereffekt auswirken wird. Im zweiten Halbjahr wird der neue Verbundstandort im Süden Chinas hochgefahren. Das führt zu Einmalkosten von 400 Millionen Euro. Ohne diesen Effekt wäre die Prognose um diesen Betrag höher ausgefallen.

In die Fertigstellung des neuen Verbundstandorts werden in diesem Jahr weitere zwei Milliarden Euro fließen – nahezu 40 Prozent des gesamten Investitionsbudgets für 2025. Das Werk kostet insgesamt zehn Milliarden Euro, wovon ein Großteil schon investiert ist.

Markus Kamieth richtet BASF neu aus

Im schwierigen Jahr 2024 hat BASF den bereinigten Gewinn um 2,4 Prozent auf 7,86 Milliarden Euro gesteigert. Dieser Wert lag unterhalb der Ziele, die sich das Management vor einem Jahr gesetzt hatte. Der Umsatz sank 2024 um fünf Prozent auf 65,3 Milliarden Euro, was vor allem an den sinkenden Verkaufspreisen lag.

Der Nettogewinn stieg von 225 Millionen Euro im Vorjahr auf 1,3 Milliarden Euro. Das lag vor allem an den Einnahmen aus dem Verkauf der früheren Öl- und Gastochter Wintershall an die britische Harbour Energy.

BASF-Chef Kamieth hat dem Konzern nach seinem Antritt im vergangenen Jahr einen neuen Kurs verordnet. Er konzentriert den Konzern auf die Geschäfte, die von der tief integrierten Verbundproduktion profitieren, und gliedert andere aus.

Einen ersten Hinweis, dass sich diese Neuordnung auszahlen könnte, zeigt sich in den Zahlen für 2024: Die sogenannten „Core Businesses“ steigerten den bereinigten Gewinn um 18 Prozent, in den ausgegliederten Bereichen sank der Wert um 13 Prozent.

Zugleich bündelt er die finanzielle Kraft. Der Konzern investiert in den kommenden Jahren weniger und schüttet geringere Summen an die Aktionäre aus. Die Dividende für 2024 sinkt auf 2,25 Euro, nach 3,40 Euro im Vorjahr.

Kamieth beendet damit die langjährige Konzernpolitik, nach der BASF jedes Jahr eine konstante oder steigende Dividende ausschüttet.

Hinter der Strategie steckt eine verhaltene Erwartung an die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren. Zudem weiß der Vorstandsvorsitzende: BASF kann im rasant wachsenden Wettbewerb mit Konkurrenten in China, dem Nahen Osten, den USA nicht mehr alle angestammten Geschäfte gleichermaßen betreiben und ausbauen.

Farbensparte könnte verkauft werden

Kamieth räumt daher im Portfolio kräftig auf. Das Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln könnte 2027 an die Börse gehen. BASF strebt die Platzierung eines Minderheitsanteils entweder in Deutschland oder an der Wall Street an.

Vor dem Verkauf steht das globale Geschäft mit Farben und Lacken, das stark von der Autoindustrie abhängt. Der gesamte Markt konzentriert sich, es werden Fusionen erwartet. BASF will im zweiten Quartal „strategische Optionen“ für die Sparte konkreter prüfen – heißt also, mögliche Verkaufsoptionen im Markt zu testen.

BASF-Chef Markus Kamieth: Konzentration aufs Kerngeschäft. Foto: dpa

Erst kürzlich hatte der Konzern den Verkauf seines brasilianischen Geschäfts mit Bautenanstrichmitteln für 1,15 Milliarden Dollar an den US-Farbenkonzern Sherwin-Williams bekannt gegeben.

Neben der Agrarsparte zählt auch das Geschäft mit Batteriematerialien nicht mehr zum Kern. BASF hatte diese neue Einheit vor einigen Jahren zum Wachstumsmotor erklärt, wurde aber von der Krise der Elektromobilität überrascht. Das führte auch 2024 zu hohen Wertberichtigungen in dem Segment Surface Technologies, zu dem die Batterien gehören.

Weitere Anlagen in Ludwigshafen könnten geschlossen werden

Zum Gewinnwachstum in diesem Jahr sollen alle Segmente beitragen – mit Ausnahme des Basischemikalien-Geschäfts, das durch höhere Fixkosten durch die Inbetriebnahme des neuen Verbundstandorts in China und Wartungsarbeiten belastet wird.

BASF treibt zugleich den verkündeten Sparkurs voran. „Wir sind auf gutem Weg, die angestrebten jährlichen Einsparungen von 2,1 Milliarden Euro bis Ende 2026 zu erreichen“, erklärte Finanzchef Dirk Elvermann.

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Eine Milliarde Euro davon sollen auf Einsparungen im Stammwerk Ludwigshafen entfallen. Im gesamten Deutschlandgeschäft hat BASF auch 2024 hohe Verluste gemacht. Das Unternehmen prüft seit Längerem die Schließung weiterer kleinerer Anlagen.

Wie viele Stellen im Zuge des Sparprogramms in Ludwigshafen gestrichen werden, ist noch offen. Es werde aber nicht ohne eine „signifikante“ Senkung der Personalkosten gehen, sagte Kamieth.

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