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GesundheitskonzernFresenius will deutlich profitabler werden – Effizienzprogramm von Sen zeigt Wirkung

Nach einem starken vierten Quartal will der Gesundheitskonzern in diesem Jahr bei Umsatz und Gewinn zulegen. Die Aktionäre müssen allerdings auf ihre Dividende verzichten.Maike Telgheder 21.02.2024 - 14:00 Uhr aktualisiert
Fresenius-Chef Michael Sen hat das Umbau- und Effizienzprogramm für den stark verschuldeten Gesundheitskonzern entscheidend vorangebracht. Foto: Fresenius

Frankfurt. Fresenius will nach einer jahrelangen Schwächephase deutlich profitabler werden. Das kündigte der Gesundheitskonzern am Mittwoch mit der Vorlage der Jahreszahlen an. Das operative Ergebnis soll in diesem Jahr währungsbereinigt zwischen vier und acht Prozent zulegen und damit stärker wachsen als der Umsatz, der um drei bis sechs Prozent steigen soll.

Fresenius-Chef Michael Sen hat das angekündigte Umbau- und Effizienzprogramm für den stark verschuldeten Konzern im vergangenen Jahr entscheidend vorangebracht. Der Manager konzentriert sich auf die beiden Kerngeschäftsfelder Kabi (Medikamente und Medizintechnik) sowie Helios (Krankenhäuser). Diese Sparten sind im vergangenen Jahr gut vorangekommen und konnten sich insbesondere im vierten Quartal noch einmal verbessern.

Der Dax-Konzern hat seine komplexe Struktur vereinfacht und die Dialysetochter FMC abgespalten, die den Gesamtkonzern in den vergangenen Jahren gebremst hatte. Das konzernweite Kosten- und Effizienzprogramm läuft besser als geplant. Und der Verkauf von Randgeschäften kommt voran.

Insgesamt steigerte Fresenius den Umsatz 2023 um vier Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Währungseffekte herausgerechnet betrug der Zuwachs sechs Prozent. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen (Ebit) stieg um drei Prozent auf knapp 2,3 Milliarden Euro.

Unter dem Strich aber sank das Konzernergebnis vor Sondereinflüssen wegen höherer Zinsaufwendungen und einer höheren Steuerquote im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Dabei herausgerechnet sind Bewertungseffekte im Zuge der Entflechtung von Fresenius Medical Care.

„Nach einigen enttäuschenden Jahren war 2023 ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Florian Oberhofer, Portfoliomanager bei Union Investment. Fresenius habe die ausgerufenen Ziele erreicht und insbesondere bei den Kosteneinsparungen geliefert. Nach etlichen Gewinnwarnungen in den vergangenen Jahren gehe es 2024 darum, die gesteckten Ziele zu erreichen und weitere operative Fortschritte zu erzielen, sagte Oberhofer.

Fertigung von Infusionslösungen bei Fresenius Kabi in Friedberg: Der Konzernumbau schreitet voran. Foto: Fresenius

An der Börse legte die Fresenius-Aktie am Mittwoch nur leicht zu. Analysten werteten den Ausblick als sehr vorsichtig. Er lasse Spielraum für eine Anhebung der Prognose im Laufe des Jahres.

Sen hatte im Oktober 2022 die Führung von Fresenius übernommen. Nach anfänglicher Begeisterung an den Aktienmärkten ist mittlerweile Ernüchterung eingetreten. Binnen Jahresfrist hat die Fresenius-Aktie fast zehn Prozent an Wert verloren, während der Dax um mehr als zehn Prozent zulegte.

Manchen Aktionären dürfte es nicht gefallen, dass Fresenius keine Dividende für 2023 zahlen wird. Im vergangenen Jahr hatte Fresenius noch 92 Cent je Aktie, insgesamt 518 Millionen Euro, an die Aktionäre ausgeschüttet.

Doch wegen der staatlichen Energiehilfen für die Krankenhäuser von Helios muss der Konzern dieses Jahr auf eine Dividende verzichten. Verschiedene institutionelle Anleger hatten den Dividendenausfall vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Verschuldung als einmalige Maßnahme allerdings befürwortet.

Wegen der Energiehilfen in Höhe von rund 290 Millionen Euro darf Fresenius für 2023 auch keine Boni zahlen. Dass der Fresenius-Vorstand bei dieser wenig populären Entscheidung mit dem CEO an einem Strang zieht und sich auch selbst das Gehalt kürzt, zeigt, wie geschlossen Michael Sen das Vorstandsteam derzeit hinter sich weiß.

Allerdings sind auch fast alle Mitglieder erst unter seinem Vorstandsvorsitz ins Amt berufen worden. Nur Finanzchefin Sara Hennicken war noch vor Sen in den Vorstand geholt worden.

Umfangreicher Umbau der Dienstleistungssparte Vamed

Zur neuen Konzernstruktur gehört auch, dass die Dienstleistungssparte Vamed nur noch als Finanzbeteiligung geführt wird. Die Sparte hatte zuletzt vor allem wegen Problemen im Projektgeschäft mit Gesundheitseinrichtungen massiv an Gewinn eingebüßt.

Das frühere Vamed-Management hatte in den vergangenen Jahren auf Wachstum und Internationalisierung gesetzt. Das ging zulasten der Profitabilität, insbesondere weil sich durch die Coronapandemie viele Projekte verzögerten und die Kosten stiegen.

Fresenius hatte 2023 ein umfangreiches Transformationsprogramm für Vamed gestartet, das im vierten Quartal mit einem erneut gestiegenen operativen Gewinn weitere Fortschritte zeigte. 

Fresenius plant, die Rehakliniken der Vamed-Sparte zu verkaufen. Die Einheit könnte dabei laut Finanzkreisen mit 600 Millionen Euro bewertet werden. Zu den Interessenten zählt unter anderem auch Finanzinvestor Waterland, dem die Rehakliniken-Gruppe Median gehört.

Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Rehakliniken soll die Verschuldung des Unternehmens weiter sinken. Fresenius hatte Ende 2023 Nettofinanzverbindlichkeiten in Höhe von 13,27 Milliarden Euro. Der Verschuldungsgrad, gemessen am Verhältnis Netto-Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis (Ebitda), lag bei 3,76.

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Zum Ende des laufenden Geschäftsjahrs will Fresenius einen Verschuldungsgrad innerhalb des selbst definierten Zielkorridors von 3,0 bis 3,5 erreichen. Dabei sind weitere Verkäufe allerdings noch nicht eingerechnet, wohl aber der Verzicht auf die Dividendenzahlung.  Außerdem hebt Fresenius sein Sparziel zum zweiten Mal an. Das Unternehmen will nun bis Ende des Jahres 2025 jährlich 400 Millionen Euro Kosten einsparen. Bisher hatte das Unternehmen mit 350 Millionen Euro – gerechnet auf Ebit-Ebene – geplant.  

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