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Siemens Healthineers „Zeitpunkt überrascht uns“ – So reagieren Analysten und Börse auf den Siemens-Megazukauf

Die Gesundheitstechnik-Tochter will die größte Übernahme in der Siemens-Geschichte stemmen. Unter Analysten stößt der Deal auf ein geteiltes Echo.
03.08.2020 Update: 03.08.2020 - 16:27 Uhr Kommentieren
Mit dem Großzukauf von Varian setzt Siemens-Chef Joe Kaeser seinen radikalen Umbau fort. Quelle: Reuters
Computertomographen von Siemens Healthineers

Mit dem Großzukauf von Varian setzt Siemens-Chef Joe Kaeser seinen radikalen Umbau fort.

(Foto: Reuters)

München, Düsseldorf Der milliardenschwere Zukauf der Siemens-Medizintechniktochter ruft an der Börse ein geteiltes Echo hervor. Zwar wird der kalifornische Krebstherapie-Spezialist Varian Medical Systems als willkommene Ergänzung des Angebots von Siemens Healthineers gewertet, doch der Kaufpreis stößt auf Kritik.

Die Healthineers-Aktie war am Montag mit einem Abschlag von 5,5 Prozent einer der größten Verlierer im Nebenwerteindex MDax. Die Titel des Mutterkonzerns Siemens, der seiner Tochter mit einer milliardenschweren Brückenfinanzierung den Zukauf ermöglicht, legten dagegen um 1,6 Prozent zu.

Siemens Healthineers will für 16,4 Milliarden Dollar den US-Strahlentherapie-Spezialisten Varian übernehmen. Zur Finanzierung ist auch eine Kapitalerhöhung geplant, was Aktien oft erst einmal unter Druck bringt.

„Die Akquisition ist ein kluger Schachzug“, kommentierte Berenberg-Analyst Scott Bardo. Siemens Healthineers sei bereits Weltmarktführer bei bildgebenden Verfahren und in der Diagnostik und verstärke sich mit der Übernahme nun in dem dritten wesentlichen Investitionsbereich von Krankenhäusern, der Strahlentherapie. „Zwar ist der Zukauf nicht billig, doch der strategische und finanzielle Sinn ist einwandfrei gegeben.“

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    Healthineers will sich einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge einen Teil der Milliardensumme möglichst noch im Herbst an der Börse besorgen. Das ideale Zeitfenster für die von angekündigte Kapitalerhöhung beginne nach dem August und ende in der Vorweihnachtszeit, sagte demnach eine mit dem Überlegungen vertraute Person am Montag. Eine weitere Kapitalerhöhung könne im kommenden Jahr folgen. Damit würde der von Healthineers angestrebte Gesamterlös von 7,5 bis 7,6 Milliarden Euro aus der Ausgabe neuer Aktien auf zwei Tranchen verteilt. Siemens und die Tochter Healthineers lehnten Stellungnahmen ab.

    Der Kaufpreis für Varian von 177,50 Euro je Aktie bedeutet einen Aufschlag von 24 Prozent auf den letzten Schlusskurs vom Freitag und eine Prämie von sogar 42 Prozent auf den gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage. Allerdings hatte der Kurs in den vergangenen Wochen angezogen.

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    Deutsche-Bank-Analyst Falko Friedrichs hat den Eindruck, dass die Übernahme insgesamt als „eine sinnvolle langfristige Ergänzung“ für das Geschäft von Siemens Healthineers anzusehen ist. Das Geschäft von Varian wachse schnell und dürfte mithilfe der globalen Präsenz und Innovationskraft von Siemens Healthineers einen zusätzlichen Schub erhalten, schreibt Friedrichs in einer am Montag veröffentlichten Studie.

    „Der Zeitpunkt der Akquisition überrascht uns jedoch“, schreibt Friedrichs weiter. Die Corona-Pandemie stelle eine finanzielle Belastung für Krankenhäuser weltweit dar, und es sei unklar, wie hoch die Investitionen in den nächsten zwei bis drei Jahren ausfallen werden.

    Zudem sei der Kaufpreis nicht gerade billig. Dieser könne jedoch angesichts des hohen Wachstums und Synergiepotenzials gerechtfertigt sein. „Trotz der Skepsis bezüglich des Zeitpunktes glauben wir, dass der Markt den Deal insgesamt positiv bewertet“, resümiert Friedrichs.

    Ganz anders hingegen bewerten die Analysten des Wertpapierhandelshauses Alpha den Deal. Sie sehen sich gar an die milliardenschwere Übernahme des Öl- und Gasindustrieausrüsters Dresser-Rand vor sechs Jahren erinnert, die sich für Siemens als Fehlschlag erwiesen hatte.

    „Nun bejubelt die Presse den nächsten US-Zukauf mit dummem deutschem Geld, und Analysten werden es ebenfalls tun“, ätzten die Alpha-Kommentatoren. Siemens-Chef Joe Kaeser bereut den Dresser-Rand-Kauf inzwischen. Siemens hatte seinerzeit auf den Fracking-Boom in den USA gesetzt, der inzwischen abgeflaut ist.

    Chancen auf Dax-Aufstieg steigen

    Im Umfeld der beteiligten Investmentbanken geht man allerdings davon aus, dass Siemens vor der Coronakrise womöglich einen noch höheren Preis hätte zahlen müssen. „Es gibt schon eine gewisse Unsicherheit am Markt.“ Die Bewertung von Varian liege bezogen auf den Umsatz und die operative Ertragskraft im Industriedurchschnitt, „vielleicht auch leicht darunter“.

    Varian hat die Umsätze in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um elf Prozent auf zuletzt 3,2 Milliarden Dollar gesteigert. Die operative Umsatzrendite lag in diesem Zeitraum bei 16,5 Prozent. Bis 2025 strebt Healthineers Synergien vor Zinsen und Steuern von mindestens 300 Millionen Euro an. Innerhalb der ersten zwölf Monate nach Vollzug des Erwerbs soll Varian einen positiven Effekt auf das bereinigte unverwässerte Ergebnis je Aktie haben.

    Damit handele es sich um eine solide Übernahme, heißt es im Umfeld der Investmentbanken. Varian sei ein reifes, aber wachstumsstarkes Unternehmen. Der Zukauf sei nicht zu vergleichen mit der ersten großen Übernahme von Healthineers: Vor einem Jahr hatte die Siemens-Tochter für 1,1 Milliarden Dollar die US-Firma Corindus übernommen.

    Diese ist auf Technik für roboterassistierte gefäßchirurgische Eingriffe spezialisiert und machte zum Zeitpunkt des Kaufs Umsätze von gerade einmal knapp elf Millionen Dollar. „Das war eine Wette auf die Zukunft“, meint einer der am Deal Beteiligten – mit der Varian-Übernahme sei das keinesfalls vergleichbar.

    Da die Hälfte des Kaufpreises über eine Kapitalerhöhung finanziert werden soll, sinkt der Siemens-Anteil an Healthineers auf etwa 72 Prozent. Dies erhöht die Dax-Chancen von Healthineers deutlich.

    Denn in Sachen Börsenwert ist das Unternehmen mit rund 42 Milliarden Euro vorn mit dabei, Haupthemmnis war bislang der niedrige Streubesitz. Bei Healthineers rechnet man spätestens im kommenden Jahr mit dem Einzug in die oberste deutsche Börsenliga. Ein „Fast Entry“ noch in diesem Jahr sei aber nicht ausgeschlossen.

    Die milliardenschwere Kapitalerhöhung von Siemens Healthineers kommt nach Angaben aus Unternehmenskreisen voraussichtlich im Spätsommer oder Herbst. Das ideale Zeitfenster beginne nach dem August und ende in der Vorweihnachtszeit, sagte eine mit dem Überlegungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Es wäre nicht überraschend, wenn das Unternehmen dieses Zeitfenster am vorderen Ende nutze, fügte die Person hinzu. Wichtig sei jedoch, einen attraktiven Preis zu erzielen.

    Noch ist die Übernahme von Varian nicht gesichert. Mit Kartellproblemen werde nicht gerechnet, da sich die Produktpaletten der beiden Unternehmen nicht überschneiden, sagt einer, der an den Verhandlungen beteiligt war.

    Theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich sei ein Gegenangebot. Doch werde die Siemens-Offerte von Varian unterstützt. Zudem seien im derzeitigen Umfeld nur wenige Unternehmen in der Lage, 16 Milliarden Dollar plus einen Aufschlag auf den Tisch zu legen.

    Mit dem Großzukauf setzt Siemens-Chef Joe Kaeser seinen radikalen Umbau fort. Er ist überzeugt, dass fokussierte Spezialisten heutzutage besser im Markt agieren können. Im Herbst kommt die Energietechnik als Siemens Energy an die Börse. Auch sie gilt als Kandidat mindestens für den MDax. Die verbleibende Siemens AG mit den Digitalgeschäften dürfte dann, so Kaesers Kalkül, ohne das margenschwache Kraftwerksgeschäft höher bewertet werden.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Siemens und seine Ableger wandeln auf einem schmalen Grat.

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