Neuer WhatsApp-Konkurrent: GMX-Gründer wollen die Welt auf den Kopf stellen
„Im Internet war noch nie etwas kostenlos.“
Foto: PRSeit 15 Jahren, meist dienstags, treffen sich die drei alten Bekannten zum Mittagessen. Karsten Schramm, Peter Köhnkow und Eric Dolatre haben 1997 den kostenlosen E-Mail-Anbieter GMX gegründet. Es war ein voller Erfolg, das Unternehmen ist bis heute mit mehr als 17 Millionen regelmäßigen Nutzern einer der populärsten deutschen E-Mail-Dienste. 2001 verkauften die drei Gründer GMX an den Internetanbieter United Internet. Für welche Summe wollen sie nicht sagen, aber es scheint erst einmal gereicht zu haben. Sie zogen sich aus dem Internet und Computergeschäft zurück, gehen aber seither gemeinsam Mittagessen.
Vor vier Jahren, bei einem dieser Treffen, unterhielten sie sich darüber, wie unpraktisch die Handhabe von Apps auf dem Smartphone sei. „Ich muss morgens erst einmal sieben oder acht Apps öffnen und wieder schließen, um mich auf den neuesten Stand zu bringen“, beschreibt Eric Dolatre dem Handelsblatt. Immer wieder unterhielten sie sich über das Thema Nutzerfreundlichkeit und Datensicherheit, bis sie dann vor zwei Jahren beschlossen haben, sich ganz dem Thema anzunehmen und selbst eine App zu bauen, die viele dieser Probleme lösen kann. „Wir wollen Dienste wie Messaging, Terminplanung und Dateiaustausch unter einem sicheren Dach bieten und somit eine Alternative zu vorhanden Angeboten schaffen“, sagt Dolatre.
Sie gaben ihrem Vorhaben den Namen Brabbler, mieteten sich eine kleine Wohnung in Unterhaching und begannen mit der Entwicklung. Mittlerweile ist das Unternehmen ins nahe München umgezogen und hat rund 40 Mitarbeiter. Bis zum Jahresende sollen es noch einmal 15 mehr werden.
Wie genau die App aussehen wird – und welchen Namen sie tragen wird –, wollen die Gründer nicht verraten. Ihre Ambitionen sind hoch: „Wir definieren Kommunikation neu“, erklärt Dolatre. „Wir hoffen, die Welt ein Stück weit auf den Kopf zu stellen.“ Preisgeben wollen sie nur, dass in der App alles verschlüsselt sein wird und sie trotzdem leicht zu bedienen sein soll.
Im Gegensatz zu den „Datenkraken“, wie die Gründer sie nennen, also Anbieter wie WhatsApp oder Facebook, wird ihre App etwas kosten. Drei Euro im Monat oder 30 Euro im Jahr. Diesen Preis werden Nutzer auch in Zeiten von kostenlosen Alternativen zahlen, glauben die Unternehmer. Schließlich, so beschreibt es Dolatre, „war im Internet noch nie etwas kostenlos“. Man zahlt mit seinen Daten, ohne genau zu wissen, was damit geschieht. Nach dem derzeitigen Plan soll die App im Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen. Sie wird gleichzeitig auf Deutsch und Englisch verfügbar sein, langfristig aber auch auf vier weiteren Sprachen.
Es gibt bereits diverse Versuche, den populären Nachrichtendiensten wie WhatsApp Marktanteile abzuknüpfen. Beispielsweise Telegram oder Threema. Nach eigener Aussage hat Ersterer bereits mehr als 100 Millionen Nutzer, Threema mehr als 3,5 Millionen. Bei WhatsApp schreiben mehr als eine Milliarde Menschen regelmäßig Nachrichten. Die Gründer sind dennoch zuversichtlich, ihre App gut platzieren zu können. Zum einen fokussieren sie sich auch stark auf Unternehmenskunden, zum anderen brächten die drei, die alle über 50 Jahre alt sind, viel Erfahrung mit, sagt Dolatre. GMX sei damals auch nicht der erste kostenlose E-Mail-Dienst gewesen – und trotzdem der erfolgreichste.