Onlinespiele-Entwickler: Zynga baut eine eigene Spielewelt
Zynga-Firmenchef Pincus (Mitte) und sein Team
Foto: ReutersNew York . Fans der Facebook-Spiele von Zynga wie „City Ville“ oder „Zynga Poker“ können die Spiele zukünftig auch außerhalb des Facebook-Universums spielen. Ganz ohne das soziale Netzwerk geht es aber doch nicht. Die Spieler müssen sich auch auf der Seite zynga.com mit ihrem Facebook-Login anmelden und auch der Zahlungsverkehr wird weiter über das soziale Netzwerk abgewickelt.
Allerdings hofft der Spielehersteller mit seinem neuen Angebot mehr Spieler anzuziehen, die mit anderen Leuten zocken wollen, ohne sie gleich in ihre Freundesliste aufzunehmen. Zynga kündigte am Donnerstag außerdem an, es wolle seine Seite zu einer richtigen Spieleplattform ausbauen. Das bedeutet, dass das Unternehmen auch anderen Entwicklern die Möglichkeit geben wird, eigene Spiele auf zynga.com anzubieten.
„Zynga.com macht es einfacher, mit Deinen Freunden zu spielen“, warb Firmenchef Mark Pincus. Losgehen soll es in den nächsten Tagen. Zyngas Plattform startet dabei zunächst mit fünf der populärsten Titel: Neben „CastleVille“ und „CityVille“ sind das „Words with Friends“, „Zynga Poker“ und „Hidden Chronicles“. Auch externe Entwickler sollen die Plattform später nutzen dürfen.
Mit dem Schritt emanzipiert sich Zynga etwas von Facebook. Bislang kommen die meisten der Spieler aus dem weltgrößten sozialen Netzwerk. Umgekehrt steuerte Zynga zuletzt 12 Prozent zum gesamten Facebook-Umsatz bei. Facebook bekommt einen Anteil, wenn die Nutzer etwa bei der Bauernhof-Simulation „Farmville“ virtuelle Güter kaufen. Neben Facebook ist Zynga mit seinen Spielen auch bei Google+, MySpace, Yahoo sowie auf mobilen Geräten wie dem iPhone-Handy, dem iPad-Tablet oder den Android-Smartphones vertreten.
Der Onlinespiele-Anbieter Zynga kann derzeit sein rasantes Wachstumstempo nicht halten. Im vierten Quartal legte die Zahl der Nutzer im Vergleich zum Vorjahr zwar um 13 Prozent auf 54 Millionen zu. Zum Vorquartal konnte der US-Konzern damit jedoch kaum neue Spieler für „CityVille“, „Farmville“ und Co. gewinnen.
Analysten sorgen sich zunehmend, Zynga könnte zu wenig Geld pro Nutzer einnehmen, um nachhaltig in der Erfolgsspur zu bleiben. Erst im Dezember war das Unternehmen von Mark Pincus an die Börse gegangen. Diesen dürfte nun auch beunruhigen, dass Zynga mit einem schwachen Ausblick für das erste Halbjahr überraschte.
Zynga veröffentlichte im vergangenen Monat das erste Mal nach dem Börsengang Quartalszahlen. Der Umsatz erhöhte sich um knapp 60 Prozent auf etwa 311 Millionen Dollar. Analysten hatten mit zehn Millionen Dollar weniger gerechnet. Unter dem Strich rutschte Zynga wegen Kompensationszahlungen im Zusammenhang mit dem IPO mit 435 Millionen Dollar ins Minus. Ohne diese Aufwendungen stand ein Gewinn von 37,2 Millionen Dollar in der Bilanz und damit mehr als von Analysten erwartet. Zynga war im Dezember an die Börse gegangen. Der Rivale von Electronic Arts nahm dabei eine Milliarde Dollar ein.