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Alitalia-Verwaltungsrat-Chef MontezemoloMann ohne Fortune

Erst Ferrari, dann Unicredit, jetzt ist auch bei der vor der Insolvenz stehenden Fluglinie Alitalia Schluss: Luca Cordero di Montezemolo, der bekannteste Manager Italiens, zieht sich zurück – oder doch nicht?Regina Krieger 25.04.2017 - 17:01 Uhr Artikel anhören

Grummeln hinter vorgehaltener Hand.

Foto: Wolf Heider-Sawall/laif

Rom. Eigentlich wollte er schon im November gehen. Doch die italienischen Aktionäre hätten ihn beschworen, noch bis zur Verabschiedung des neuen Sanierungsplans zu bleiben. So verlautet es in Rom, am Tag nach dem Alitalia-Desaster, das die Fluggesellschaft auf den Weg in die Insolvenz gebracht hat. Denn die Mitarbeiter stimmten mit großer Mehrheit gegen den Rettungsplan.

Jetzt sind seine Tage also auch als Chef des Verwaltungsrats von Alitalia gezählt. Wieder ein Prestigeposten weniger: Luca Cordero di Montezemolo, der adlige Multi-Manager aus Bologna, hatte Piloten, Stewardessen, Techniker und das Bodenpersonal noch bis zuletzt beschworen: „Wer mit Nein stimmt, muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Airline aufgelöst wird.“

Der 69-Jährige behält zwar seinen Sitz im Board. Doch was jetzt kommt – ein langwieriges Insolvenzverfahren oder auch eine neue Kreditlinie –, steht nicht mehr in seiner Entscheidungsgewalt.

Seit drei Jahren läuft es nicht mehr richtig rund

Kein Manager ist in Italien und außerhalb des Landes bekannter als der schlanke Mann mit dem langen Haar, dem man sein Alter nicht ansieht. Stets ein Gentleman im Maßanzug, niemals laut, immer mit gewinnendem Lächeln, so präsentiert er sich seit Jahrzehnten Investoren und Journalisten. Es gab eine Zeit, da wurde er sogar als Minister gehandelt – er lehnte ab.

Doch seit drei Jahren läuft es nicht mehr richtig rund für ihn. Die gescheiterte Bewerbung Roms für die Olympischen Spiele 2024 ist da nur ein Detail im großen Bild. Er hatte als Präsident des Bewerbungskomitees Sponsoren gefunden, Millionen aufgetrieben und enthusiastisch für Rom geworben – bis die Bürgermeisterin von der 5-Sterne-Bewegung die Bewerbung zurückzog.

Ein anderer angekündigter Rückzug dann am vergangenen Donnerstag: Bei der Hauptversammlung der Großbank Unicredit kündigte Montezemolo seinen Rücktritt vom Posten des Vizepräsidenten an. Als Vorsitzender des Governance-Ausschusses der Bank hatte er selbst die Reduzierung des Verwaltungsrats durchgesetzt. Wie bei Alitalia bleibt er aber auch hier im Board.

Der große Knick kam bereits im Oktober 2013. Er war schmerzlich, das war Montezemolo bei aller Contenance anzumerken: Nach 23 Jahren gab er den Posten als Verwaltungsratsvorsitzender von Ferrari an Sergio Marchionne ab, den Chef von Fiat Chrysler. Genauer gesagt: Er musste ihn abgeben. Die Kritik an seiner Führung war nach fehlenden Siegen in der Rennserie Formel 1 lauter geworden.

Einst Synonym für Glanzzeiten

Dabei waren in den Jahren davor Ferrari und Montezemolo ein Synonym für Glanzzeiten. Schon Anfang der 70er-Jahre begann der Manager, der in seiner Jugend selbst Rennen fuhr, als persönlicher Assistent von Enzo Ferrari in Maranello. 1991 beerbte er Ferrari an der Spitze der Rennwagenschmiede. Er holte Niki Lauda, aber der größte Coup gelang ihm mit der Verpflichtung von Michael Schumacher für das Formel-1-Team. Das war 1996. Schumi holte für Ferrari fünf WM-Titel. Vor einem Monat sagte Montezemolo über den seit 2013 im Koma liegenden Rennfahrer: „Schumacher war elf Jahre lang bei uns. Wir waren sehr verbunden, ich denke sehr viel an ihn und trage fast immer eine Uhr, die er mir geschenkt hat.“

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Offene Kritik an Montezemolos Managementqualitäten gibt es nicht, eher Grummeln hinter vorgehaltener Hand. Vielleicht ist es nur fehlende Fortune, die sich in den vielen Rücktritten zeigt. Seine Analysefähigkeit hat er jedenfalls nicht verloren: „Das wahre Problem von Alitalia ist meiner Meinung nach das Businessmodell“, sagte er vor ein paar Tagen. „Heute ist ‧Alitalia weder ein Billigflieger noch eine Gesellschaft, die nur auf Langstreckenflüge spezialisiert ist. Das ist ein altes Problem.“ In Rom macht derweil ein neues Gerücht die Runde: Montezemolo sei im Gespräch für einen neuen Präsidentenposten. Bei der Telecom Italia. „Darüber hat niemand mit mir gesprochen“, sagte er. Ein Dementi klingt anders.

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