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Thomas MiddelhoffNeues Leben, neue Manöver

Mit seiner Autobiografie „A115“ hat der insolvente Ex-Manager einen Bestseller gelandet. In den Gläubigerkreisen brannte schon warme Freude auf – doch jetzt befürchten diese, dass sie leer auszugehen.Massimo Bognanni 03.10.2017 - 17:10 Uhr Artikel anhören

Im November könnte er vorzeitig aus der Haft entlassen werden.

Foto: dpa

Düsseldorf. Thomas Middelhoff lebt in diesen Tagen einen Jugendtraum. Als Schriftsteller zieht er durch die Lande, spricht über sein neues Buch „A115“. Der einstige Topmanager beschreibt darin seine Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis wegen Untreue und Steuerhinterziehung, wie sich die U-Haft aus seiner Sicht abgespielt hat. Mitte Oktober gastiert er auf der Frankfurter Buchmesse. Im November könnte er vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Der 64-Jährige plant weitere Bücher.

Seine Botschaft dieser Tage: Middelhoff ist durch die Gefängniszeit ein besserer Mensch geworden. Diesem neuen Middelhoff, könnte man meinen, müsste die Vorstellung gefallen, mit den Einnahmen aus seinem Bestseller den horrenden Schaden zu mildern, den er bei seinen rund 50 Gläubigern hinterlassen hat. Seit April 2015 ist Middelhoff privatinsolvent. Etwa 410 Millionen Euro an Forderungen sind angemeldet.

Als bekannt wurde, dass Middelhoff einen Bestseller gelandet hat, brandete warme Freude in Gläubigerkreisen auf. Zwar hat Insolvenzverwalter Thorsten Fuest keinen Anspruch auf das Urheberrecht des Schriftstellers Middelhoff – das ist ein höchstpersönliches Recht. Wohl aber auf die Einnahmen, die aus einer Urheberschaft fließen. Im Normalfall.

Doch wenn es um die Buchtantieme geht, fühlen sich die Gläubiger an Middelhoffs alte Versteckspiele erinnert. Egal, ob es um teure Villen oder werthaltige Fondsbeteiligungen ging, Middelhoff hatte trickreich Vermögenswerte über Firmengeflechte auf andere übertragen – und Verwalter Fuest so die Arbeit erschwert.

Der Fall Middelhoff

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Nun scheint es, als würde sich auch die Suche nach den „A115“-Einnahmen zu einer komplizierten Ermittlung ausweiten. Noch bevor das Buchprojekt öffentlich bekannt wurde, meldete sich Georg Streit, preisgekrönter Rechtsanwalt der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek, beim Insolvenzverwalter.

Die Rechte an autobiografischen Werken, erklärte Streit vage, habe Middelhoff bereits 2012 an eine Gesellschaft nach US-amerikanischem Recht abgetreten. Wie viel Middelhoff für die Rechte erhalten haben soll, nannte Streit nicht.

Middelhoff bestätigt dem Handelsblatt die Korrespondenz, betont aber, dass er zu Professor Streit „weder rechtliche noch wirtschaftliche Beziehungen“ unterhalte. Wer den teuren Topjuristen bezahlt und wer ihn in Sachen „A115“ beauftragt hat, sagt Middelhoff nicht.

Die Gläubiger beobachten das neueste Manöver mit Misstrauen. Sollte die Auskunft des Anwalts belastbar sein, drohen sie bei „A115“ leer auszugehen. Doch die Angaben werfen Fragen auf: Middelhoffs Buch handelt schließlich von seiner Zeit im Gefängnis, Haftantritt war 2014. Wie konnte Middelhoff die Rechte dafür schon 2012 abtreten?

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Wie so oft, wenn es um Middelhoffs Vermögen geht, sind die Dinge verworren. Handelsblatt-Recherchen zufolge war zwischenzeitlich auch der Compact-Verlag in das Projekt involviert. Das Münchener Verlagshaus zählt mittelbar zu einer Gesellschaft Hartmut Fromms, eines langjährigen Middelhoff-Vertrauten. Die Geschäftsführerin des Verlags, Imke Junack, sagte zu „A115“: „Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem Lizenzgeber hat sich unser Verlag aus diesem Geschäft zurückgezogen, ist an dem Projekt nicht mehr beteiligt.“

Verwalter Fuest sieht Klärungsbedarf. Die Gläubiger, für die er arbeitet, fühlen sich vom neuen Middelhoff genarrt.

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