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Cube Tech Fair in BerlinZukunftsvisionen zum Anfassen

Roboter, die Medikamente herstellen, Arbeitshandschuhe, die kommunizieren: Auf der Berliner Messe Cube Tech Fair zeigen Start-ups ihre Produkte – vor Managern großer Konzerne. Das soll Kooperationen fördern.Miriam Schröder 11.05.2017 - 19:33 Uhr Artikel anhören

Ein Aussteller zeigt auf der Cube Tech Fair seine Vision eines humanoiden Roboterarms.

Foto: TRUEBA/EPA/REX/Shutterstock

Berlin. Es ist 15 Uhr, als die Gründer die Bühne betreten. Drei Minuten später ist der Pitch vorbei. Da ist die Batterie, die sie präsentieren, schon mehr als halb aufgeladen. Das gelbe Fahrzeug, das hinter der Bühne geparkt ist, könnte jetzt theoretisch wieder losfahren.

Was auf der Cube Tech Fair in Berlin gezeigt wird, ist das Ergebnis einer Kooperation: Das Elektro-Fahrzeug wird von Streetscooter entwickelt, einer Ausgründung der RWTH Aachen und hundertprozentigen Tochter von DHL. Es wurde extra für die Postzustellung konzipiert. Die schnellladende Batterie stammt von dem israelischen Start-up Storedot.

„Kooperationen sind der Wegbereiter für Innovationen“, ist Torsten Oelke überzeugt. Er ist der Kopf von Cube, zu der nicht nur die dreitägige Messe Cube Tech Fair gehört. Das ganze Jahr über sollen sich Start-ups und etablierte Unternehmen vernetzen, gesponsert von Großkonzernen wie Bayer, Dell, VW sowie der Messe Berlin.

Mehr als 200 Start-ups stellen ihre Produkte vor, meist Industrielösungen. Es gibt Roboter, die Medikamente herstellen, Arbeitshandschuhe, die kommunizieren können und jede Menge Grundlagentechnologien, die noch darauf warten, in ein konkretes Produkt übersetzt zu werden.

Torsten Oelke vergleicht das Event gern mit der Weltausstellung in Paris zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts: Als Gottfried Daimler dort den ersten Motor präsentierte, wusste niemand so genau, wozu das Teil eigentlich gut sein sollte. Erst durch die Kooperation mit der französischen Firma Panhard & Levassor wurde daraus ein Auto.

Auf der Suche nach solchen Gelegenheiten sind rund 3.000 Gäste angereist, die Mehrheit arbeitet für große Unternehmen. Man sieht sie jetzt häufiger überall dort, wo Start-ups sind. Sie buchen Bustouren durch die Szene-Viertel von Berlin oder Tel Aviv, besuchen Workshops zum agilen Arbeiten. Welches der schnellste Weg in die Digitalisierung ist, scheint noch keiner so genau zu wissen, aber alle sind auf der Suche.

Cube-Chef Oelke, früher selbst ein Gründer und am Aufbau von Inkubatoren beteiligt, beobachtet eine neue Qualität in der Zusammenarbeit von Start-ups und Konzernen. „Früher waren Start-ups so etwas wie die Dekoration auf dem Buffet“, sagt er. „Jetzt werden sie immer mehr als Partner und Zulieferer ernst genommen“, bemerkt Oelke. Das liegt auch daran, dass eine neue Generation von Gründern von den technischen Unis kommt und nicht mehr nur E-Commerce-Projekte macht, sondern Produkte für die Industrie 4.0.

Die Firma Toposens aus München zum Beispiel hat ihre Ultraschallsensoren mit zur Messe gebracht. Die kleinen Boxen funktionieren wie Fledermäuse, erklärt Gründer Tobias Bahnemann. Die Fledermaus, die nachts unterwegs ist, kann im Dunkeln nichts sehen. Darum sendet sie Schallwellen aus und misst, wie lange sie brauchen, um zurückzukommen. So kann sie ihre Umwelt dreidimensional erfassen. Das Prinzip könnte auch bei selbst fahrenden Autos eingesetzt werden. Die Fahrzeuge müssen wissen, wenn ein Hindernis im Weg ist – oder ein Kind – den Weg kreuzt. Derzeit würden Abstände mit Hilfe von Lasern oder Kameras gemessen. Diese seien nicht nur störanfälliger, sondeGestandenern auch teurer als Ultraschall, außerdem verbrauchten sie mehr Daten.

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Toposens arbeitet bereits mit mehreren Autoherstellern zusammen, darunter BMW, Daimler und Porsche. Mehr als Pilotprojekte gibt es bislang aber nicht. Im vergangenen Jahr hat die junge Firma damit schon mehr als 100.000 Euro Umsatz gemacht – beachtlich für ein Start-up, aber lächerlich im Vergleich zu den Anforderungen, die ein Konzern an Zulieferer stellt, die in seinem Auftrag teure Prototypen entwickeln.

Bei der Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Konzernen sind noch einige Hürden zu überwinden, weiß Jörg Bienert. Er hat die Softwarefirma Parstream gegründet und an den US-Konzern Cisco verkauft. Gerade baut er mit AI Solutions eine neue Firma für künstliche Intelligenz auf. Noch vor ein paar Jahren, sagt Bienert, sei es für kleine Firmen in Deutschland sehr schwer gewesen, Zugang zur Old Economy zu bekommen. Zu stark bremsten die traditionellen Strukturen, zu groß war das Sicherheitsbedürfnis. Bienert erzählt, er habe mal eine Big-Data-Lösung bei einem großen, deutschen Finanzdienstleister präsentiert. „Mit Ihren Daten können wir Ihnen alle Fragen beantworten“, warb Bienert. Schön, war die Antwort, „aber was sollen wir denn fragen?“ Den Experten fehle oft die Fantasie für die Möglichkeiten einer neuen Technologie, meint Bienert.

Die Gründer von Streetscooter, dem Start-up von DHL, können sich viele Anwendungen für die schnellladende Batterie von Storedot vorstellen. Fahrzeuge, die im Schichtbetrieb fahren etwa. Bei DHL gibt man sich lieber vorsichtig in Bezug auf den israelischen Batterie-Anbieter: Man demonstriere auf der Messe lediglich eine Simulation, heißt es von DHL. Von einer „echten Kooperation“ könne noch keine Rede sein.

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