Mittelstand: Mit alten Instrumenten neue Finanzierung sichern
Weniger Waren im Lager stärken die Position über Kreditgebern.
Foto: Getty ImagesHamburg. Seit 2019 durchläuft die deutsche Wirtschaft einen wahrend Stresstest-Marathon: Coronapandemie, Ukrainekrieg, Inflation – und in der Folge eine Zinswende von historischer Geschwindigkeit: Zehn Mal hat die Europäische Zentralbank den Leitzins seit Juli 2022 angehoben. War in der Niedrigzinsära nichts günstiger als der nächste Kredit, ist Geld plötzlich wieder teuer geworden. Im August lag der durchschnittliche Zinssatz für Unternehmenskredite mit einer Laufzeit von fünf Jahren bei 4,79 Prozent. Vier Jahre zuvor betrug der Wert noch 0,92 Prozent.
Wie sollen Mittelständler angesichts so rasant gestiegener Finanzierungskosten Innovation und Wachstum vorantreiben – zumal wenn Investitionen in Nachhaltigkeit oder digitale Transformation keinen Aufschub dulden? „Zins und Tilgung sind in der Unternehmensplanung wieder entscheidende Parameter, weshalb viele Mittelständler jetzt sehr genau überlegen, welches Projekt sie angehen und in welchem Umfang“, sagt Michael Ebeling, Abteilungsleiter Unternehmenskunden der Hamburger Sparkasse.
Überhaupt einen Kredit zu bekommen ist nicht mehr selbstverständlich. „Grundsätzlich sind dies keine Zinsaufschläge, die ungewöhnlich sind oder die die Wirtschaft nicht aus der Vergangenheit kennt“, sagt Markus Paffenholz, Leiter Finanzierungsberatung bei Baker Tilly. Doch strengere Auflagen von Banken und Investoren haben den Prüfprozess intensiviert – und an dessen Ende kann ein Nein stehen, vor allem bei Firmen aus Krisenbranchen.