Baukosten höher als gedacht Geheimsache Elbphilharmonie

Die Hamburger Elbphilharmonie wird heute teileröffnet. Doch das Gebäude war deutlich teurer als die von der Stadt genannten 866 Millionen Euro. Denn es gibt noch einen privaten Teil, über den fast nichts bekannt ist.
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Das Gebäude hat in Wirklichkeit noch mehr Geld gekostet als verbreitet worden ist. Denn die Kosten für den spitzen Westteil des Gebäudes sind in den veröffentlichten Zahlen nur teilweise enthalten. Quelle: dpa
Teure Elbphilharmonie

Das Gebäude hat in Wirklichkeit noch mehr Geld gekostet als verbreitet worden ist. Denn die Kosten für den spitzen Westteil des Gebäudes sind in den veröffentlichten Zahlen nur teilweise enthalten.

(Foto: dpa)

Hamburg866 Millionen Euro, Platz zwölf im Ranking der teuersten Gebäude der Welt: Das sind die Zahlen zu den Kosten, die zur Eröffnung der Plaza der Hamburger Elbphilharmonie an diesem Freitag verbreitet werden.  Diese Summe ergibt sich aus dem von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) vor gut drei Jahren ausgehandeltem Rettungspaket, mit dem der Bau mit heftigen Kostensteigerungen und langjähriger Verspätung doch noch fertig geworden ist.

In Wirklichkeit allerdings ist das Gebäude noch deutlich teurer. Denn die Kosten für den spitzen Westteil des Gebäudes sind in den veröffentlichten Zahlen nur teilweise enthalten. Das bestätigten die Hamburger Kulturbehörde und das Bauunternehmen Hochtief auf Anfrage. In dem Gebäudeteil entstehen 45 Luxuswohnungen, für die derzeit diskret Käufer gesucht werden.

Denn, worüber heute niemand mehr gern spricht: Das Gebäude ist seit der ersten Entwurfsskizze 2003 als Private-Public-Partnership geplant worden. Die Ursprungsidee war, dass Erlöse aus dem Bau einer Garage, eines Hotels und von Wohnungen die Konzertsäle weitgehend finanzieren. Tatsächlich baute die Stadt alles auf ihre Rechnung – bis auf die Wohnungen.

Diese Wohnungen tauchen in den Senatsdrucksachen nur an Rande auf: Gerade einmal 7,6 Millionen Euro kann die Stadt von den Baukosten abziehen. Diese zahlten die Wohnungsbauer für ihren Anteil am Grundstück an die Stadt. Wieviel aber die Errichtung der Wohnungen konkret kostet, wollen die Erbauer Hochtief und Quantum nicht sagen. Über das erwartete Ergebnis sprechen sie sowieso nicht.

Die Wohnungen gelten als die teuersten in der Hansestadt. Im Schnitt sind sie 190 Quadratmeter groß, der Preis je Quadratmeter soll zwischen 15.000 und 36.000 Euro liegen. Diese Preise will sich Hochtief offenbar durch die Veröffentlichung der Baukosten nicht verderben lassen: „Wenn Sie bei einem Bauträger eine Wohnung oder ein Haus kaufen, wird er Ihnen auch nicht sagen, welche Kosten er für die Realisierung hatte. Sie zahlen einen verhandelten Marktpreis“, teilte ein Hochtief-Sprecher mit.

Rechnerisch ergibt sich aus den bekannten Daten ein Verkaufserlös irgendwo zwischen 150 und 300 Millionen Euro. Die Stadt sieht davon keinen Cent. Sie verpachtet lediglich das Hotel für 20 Jahre an die Kette Westin. Das bringt sechs Millionen Euro im Jahr – oder 120 Millionen über die gesamte Vertragslaufzeit. Glück für Hochtief: Die Hamburger Immobilienpreise sind seit dem Projektbeginn deutlich gestiegen.

Ein Blick in Hamburgs neue Perle
„Fertig“
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Endlich ist die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. Die interne Schlüsselübergabe wurde im November bereits mit einer Lichtaktion gefeiert: Auf der Fassade des gläsernen Baus wurden die Lichter so eingeschaltet, dass in riesigen Buchstaben das Wort „FERTIG“ zu lesen war.

Blickfang
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Blick von der Elbe auf das neue Konzerthaus, das von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entworfen und von Hochtief gebaut wurde.

Der Eingang
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Schon der Weg auf die Plaza, mit 4000 Quadratmetern fast so groß wie der Hamburger Rathausmarkt, ist einzigartig. Die Besucher können sich entscheiden, ob sie einen der zahlreichen Aufzüge oder die zweispurige, konvex gebogene Rolltreppe, die so genannte Tube, nehmen möchten.

Gebogene Rolltreppe
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„Mit 82 Metern ist sie die längste Rolltreppe Westeuropas und die weltweit einzige, die einen Bogen beschreibt“, erklärte Heiner Zeiger vom finnischen Hersteller Kone.

Die Außenplaza
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Nach zweieinhalb Minuten Fahrt vorbei an mit Glaspailletten verzierten Wänden erreichen die Besucher ein riesiges Panorama-Fenster, das den Blick freigibt auf den Hafen. Über eine kleinere Rolltreppe und einige Stufen gelangt man dann endgültig auf die Plaza.

Das Foyer
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Von hier kommen die Besucher über geschwungene Treppen zum Großen und zum Kleinen Konzertsaal, zur Gastronomie und zur Lobby des Hotels Westin, das ebenfalls am 5. November öffnet.

Lobby des kleinen Konzertsaals
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Das Interesse ist riesig: Schon innerhalb der ersten Stunden nach der Freigabe wurden rund 10.000 Karten reserviert. Da die Kapazität auf der Plaza begrenzt ist, wird der Besuch über Tickets geregelt, Konzertbesucher brauchen später kein Extra-Ticket.

Der Baukonzern ist also wesentlich glimpflicher aus dem Pannenbau hervorgegangen als die öffentliche Hand. Der Hochtief-Sprecher drückt das diplomatischer aus: „Sie wissen, dass das Projekt zwischendurch schwierig für uns war. Wichtig ist für uns, dass wir seit der Neuordnung 2013 stabile wirtschaftliche Verhältnisse haben. Die Wohnungen haben einen positiven Anteil daran.“ Im Klartext: Zumindest mit dem Wohn-Teil verdient das Unternehmen gutes Geld.

Goldene Wasserhähne und Carrara-Marmor
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10 Kommentare zu "Baukosten höher als gedacht: Geheimsache Elbphilharmonie"

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  • Ich habe mich immer für den Bau dieser Schönheit eingesetzt und werde dies auch weiter tun.

    Wisset: Das ganze Geld wäre anderweitig verknallt worden, oftmals zu unserem Schaden übrigens.

  • Herr Eibl, Ole von Beust, dem die Elbphilharmonie zu verdanken ist, ist CDU-Bürgermeister gewesen.

  • Naja, beeindruckend sieht die Hamburger Elbphilharmonie schon aus, finde ich.

  • 186 Mio. € war die Planung aus 2005. Dafür müsste es wirklich Gefägnisstrafen geben.

  • Public-Private Partnership heißt übersetzt:

    Es wird besonders teuer für den Steuerzahler.

    Denn die Verträge sind fast immer so gestaltet, daß der private "Partner" auf jeden fall seinen Profit macht.

  • es ist schon interessant wie mit öffentlichen Mitteln umgegangen wird. Budgets und Haushaltsplanungen scheinen dabei überhaupt keine Rolle mehr zu spielen. Man stelle sich mal vor ein Privatinvestor erklärt seiner Bank die Baukosten würden sich gegenüber der Planung verzehnfachen. Von welchen verantwortungslosen Chaoten werden wir eigentlich regiert???

  • Moin,Moin
    Jetz aber, cool bleiben :-)

    Wir haben hier Neuschwanstein, erbaut von unserem König.
    Der wurde dann depressiv und man hat ihm Wahnsinn und Schizophrenie unterstellt.
    Zum Schluss hat er sich im Starnberger See ertränkt, sehr bedauerlich.

    Aber wir haben ein Weltkulturgut nun hier in Bayern.

    So wiederholt sich Geschichte.
    Hauptstadtflughafen, Kultur-Zentrum Ruhrgebiet überall wo die Länder durch die SPD regiert wird , wird die Kohle verprasst.
    Vermutlich haben die Verantwortlichen, den Rechenunterricht in der Grundschule verpasst.

    Ich bin definitiv kein CSU-Anhänger, in Bayern ist die SPD ein erbärmliches Lichtlein.
    Zitat Wowereits-Worten "und das ist auch gut so!"

  • @Alessandro Grande

    Die Politik ist schon lange privatisiert, nur haben die Käufer das bei Abschluß nicht an die große Glocke gehängt.Und wie man an den Kosten sieht (Philharmonie, BER, Stuttgart21, Energiewende, "Flüchtlings"hilfe etc.) zahlt sich das Investment für die Investoren doch aus.

  • Delli, Sie hätten die Pyramiden noch erwähnen sollen. Erbaut auf dem Rücken unzähliger gequälter Menschen, nur wegen einer paranoiden Idee der Unsterblichkeit ein paar weniger Feudalisten. Nun bröckelt der gigantische Haufen Steine in einer vermüllten Atmosphäre vor sich hin. Dem Kölner Dom bleibt auch nur noch geringe Zeit, bis nur noch ein Sandhaufen übrig bleibt und das wahnsinnige Streben der Größenwahnsinnigen unter uns ad Absurdum führt. Die "Herrlichkeit" welche Sie in der Elb-Philharmonie erkennen wollen, ist nur dem Verblendeten vorbehalten, der stets in seinem Wahn, ohne Rücksicht auf die Schöpfung, seinem unvermeidlichem Ende entgegen strebt.

  • So werden bleibende Werte geschaffen, ein gutes Beispiel daran haben wir in den Domen errbaut von den Kirchen zu Ehren Gottes. So ein Bauwerk gibt es jetzt auch endlich in Hamburg. Wie lange mussten wir darauf warten um diese Herrlichkeit zu sehen.

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