Schließanlagenhersteller Dorma und Kaba: Geburt eines Global Players
Das Familienunternehmen zeichnete sich für Türsystem verantwortlich.
Foto: PressefotoEnnepetal. Die Straße schlängelt sich durch Wälder, an Bächen und kleinen Industriegebieten vorbei, es geht tüchtig bergan, als mit einem Mal ein großer siebenstöckiger Glasbau aufragt. Die Zentrale des deutschen Schließanlagenspezialisten und Hidden Champions Dorma thront über Ennepetal. Bekannter als die Stadt des Firmensitzes sind die Orte, an denen Dorma mit seinen Automatiktüren und Fluchtwegesystemen für Sicherheit sorgt – wie zum Beispiel das Maracana-Stadion in Rio de Janeiro, in dem die deutsche Fußballnationalmannschaft 2014 Weltmeister wurde.
In Ennepetal muss man noch einige Meter fahren, an der Bushaltestelle mit Namen Dorma vorbei, bevor das Eingangstor sich öffnet. Hier kann man besichtigen, wie Unternehmen wachsen. Mehrere Gebäude aus den verschiedenen Epochen der 107-jährigen Firmengeschichte stehen hier, dokumentieren den Wandel.
Vorstandschef Thomas Wagner sitzt in der siebten Etage des Glasbaus und blickt über die Hügel des bergischen Landes, Glastüren öffnen sich lautlos zum Sekretariat. Thomas Wagner ist entspannt.
Zunächst aber hat er erst einmal sehr viel abgearbeitet. Die Vorbereitungen zur grenzüberschreitenden Fusion zwischen dem deutschen Familienunternehmen, das er seit 2010 führt und der schweizerischen, an der Börse notierten, Kaba sind bald abgeschlossen.
Wagner erklärt die Chancen für beide am Beispiel des Düsseldorfer Flughafens: „Die Automatiktüren und die Fluchtwegsysteme kommen von Dorma, der Zugang zum Gate per Mobiltelefon und die Sicherheitsschleusen kommen von Kaba.“
Seit dem 29. April ist viel passiert. Damals verkündeten die beiden Firmen in der Schweiz ihren Zusammenschluss. Thomas Wagner indessen war gar nicht dabei, er war gemeinsam mit dem Gesellschafter und Familienoberhaupt Karl-Rudolf Mankel in Ennepetal geblieben. Die beiden wollten den Mitarbeitern selbst den Zusammenschluss erklären, in zwei Betriebsversammlungen, denn alle 1400 Mitarbeiter in Ennepetal passen gar nicht gemeinsam in die Kantine. Insgesamt arbeiten für Dorma in 50 Ländern 7200 Mitarbeiter.
Am Abend zuvor erst hatte der Dorma-Aufsichtsrat von dem Vorhaben erfahren, auch die 120 weltweiten Führungskräfte gehörten erst ab dann zu den Mitwissern des Deals, der die beiden Unternehmen mit einem Schlag zur weltweiten Nummer drei in der zersplitterten Branche machen soll – mit dann fast zwei Milliarden Euro Umsatz und rund 16.600 Mitarbeitern. Davor stehen in der Rangliste noch Assa Abloy und Allegion, die in Stockholm und New York an der Börse gehandelt werden.
Bis zum Herbst prüfen die Kartellbehörden den Zusammenschluss. Wagner und der künftige Chef des gemeinsamen Unternehmens Dorma+Kaba Holding AG, Riet Cadonau, machen sich aber nicht so viel Sorgen darum.
Sind Deal und Prüfung abgeschlossen, wird Wagner das Unternehmen verlassen. Er sagt es mit einem Lächeln, unaufgeregt. Dabei hat er die Strategie 2020 für die Unternehmensfamilie entwickelt, und, wie Familienoberhaupt Karl-Rudolf Mankel urteilt, „das Fundament für diesen historischen Meilenstein gelegt“.
Wagner ist kein Freund von Doppelspitzen, sagt er. Das Prinzip „ein Schiff, ein Kapitän“ habe sich bewährt. Seine Aufgabe sei einfach schneller als erwartet erledigt. Bis dahin sei er „mit Herz und Seele dabei“. Die Frage nach einem goldenen Handschlag beantwortet er nicht. Vielleicht nur so viel: arbeiten muss der 47-Jährige zunächst nicht. Er werde erst einmal ein Sabbatical einlegen und von Lausanne nach Rom pilgern. Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela sei zu überlaufen.