Kaffee-Ikone Bialetti
„Der Mann mit dem Schnauzbart“ ist tot

Eine Design-Ikone wie Alessi: Renato Bialetti ist mit 93 Jahren gestorben. Der Unternehmer galt als Marketinggenie. In Italien darf sein „Moka“-Espressokocher auf dem Herd nicht fehlen. Darauf: Bialettis Konterfei.

RomIn Deutschland stehen in den Küchen oft die durchgestylten, großen Vollautomaten – und daneben der Metallständer gefüllt mit bunten Kaffeekapseln. In Italien hingegen darf in der Küche die „Moka“ auf dem Herd nicht fehlen: entweder die kleine für eine Tasse Espresso, die für drei oder die große für sechs Tassen. Keine Kaffeemaschine kann das Zischen und den Duft ersetzen, wenn der Kaffee nach ein paar Minuten aus der Metallsäule im Innern der „Moka“ aufsteigt und langsam den oberen Teil der Maschine füllt. Überzeugend ist nicht nur der Geschmack: Eine „Moka“ kostet nur ein Minimum eines Vollautomaten.

Und sogar im New Yorker Moma steht die „Moka“ als Designobjekt, aber nicht ein Nachbau, sondern das Originalmodell aus dem Haus Bialetti. Mit 93 Jahren ist jetzt in Ascona im Tessin der Mann gestorben, der die kleine Kaffeemaschine, eine Erfindung seines Vaters, weltberühmt gemacht hat: der Unternehmer Renato Bialetti.

„Der Mann mit dem Schnauzbart“ wurde er in Italien genannt. Und sein stilisiertes Konterfei als Comicfigur mit dem charakteristischen großen Schnauz ist noch heute auf jeder Bialetti-Kaffeemaschine zu sehen. Bialetti ist eine Ikone des „Made in Italy“ wie Alessi, die aus dem gleichen Ort stammen.

1933 hatte Bialettis Vater Alfonso das Prinzip und das Design der achteckigen Maschine aus Gusseisen erfunden. 1946, nach dem Krieg, übernahm Renato Bialetti das Familienunternehmen in Omegna am Ortasee im Piemont. Und er entwickelte eine Marketingstrategie, die seiner Zeit voraus war – mit flächendeckender Werbung in den 50er Jahren, vor allem im Fernsehen, dem Weg aus Italien hinaus auf internationale Märkte und dem strengen Blick auf die Marke. Die Strategie ging auf: Bis zu eine Million Maschinen wurden pro Jahr verkauft.

1993 verkaufte Bialetti an Rondine Italia, ein Unternehmen, das Aluminiumtöpfe herstellt. „Renato Bialetti war einer der ersten, der an die Kraft des Marketings glaubte und die Moka zu einer Ikone auf der ganzen Welt machte“, sagte Francesco Ranzoni, Besitzer von Rondine Italia. Seit 2007 ist Bialetti an der Börse.

Das Prinzip der Moka ist kinderleicht: in den unteren Teil der Maschine kommt Wasser, darauf ein Metallfilter mit Kaffee, den die Italiener mit dem Löffel festdrücken, damit der Espresso stark wird, dann wird die Maschine zugeschraubt und kommt auf den Herd. Das Wasser kocht, steigt hoch, erreicht durch den Kaffee und oben heraus fließt der Espresso mit „schiuma“, viel Schaum.

„Die Moka ist ein Ritual“, sagt Bialettis Sohn Alfonso junior, der nicht im Unternehmen ist, „es gibt doch nichts Schöneres als morgens die "Moka" zu füllen und auf den Kaffeeduft zu warten.“ Eine Konzession an die modernen Zeiten macht das Unternehmen allerdings schon, auch wenn der Absatz nie eingebrochen ist und heute vor allem die kleinen, bunten Maschinen gut gehen. Seit 2006 gehören auch elektrische Espressomaschinen zum Portfolio und seit 2010 gibt es sogar Kapseln. Eins ist jedoch geblieben: Auch da ist der „Mann mit dem Schnurrbart“ drauf.

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin
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