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LuftfahrtLilium darf auf Staatshilfe aus Frankreich hoffen

In Deutschland streiten Bund und Länder über Hilfen für die Flugtaxi-Start-ups Lilium und Volocopter. Frankreichs Regierung lockt die Unternehmen nun mit Subventionen und Bürgschaften.Jens Koenen, Gregor Waschinski 13.05.2024 - 13:29 Uhr
Lilium-Jet bei Tests in Spanien: Das deutsche Start-up hat gute Chancen, finanzielle Unterstützung von der französischen Regierung zu bekommen. Foto: Lilium

Frankfurt, Paris. Lilium darf bei der weiteren Finanzierung seines elektrischen Senkrechtstarters auf finanzielle Unterstützung der französischen Regierung hoffen. Das deutsche Luftfahrt-Start-up sei in „fortgeschrittenen Gesprächen mit der französischen Regierung über Pläne zur Ausweitung seiner Produktionskapazitäten in Frankreich und mögliche staatliche Subventionen und Kreditbürgschaften“, teilte das Unternehmen am Montagmittag mit. Eine Summe wurde nicht genannt.

Die Ankündigung machte Lilium im Rahmen des Wirtschaftsgipfels „Choose France“, mit dem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ausländische Investoren ins Land locken will. Zu dem Termin versammeln sich am Montagnachmittag 180 Unternehmenschefs und Topmanager aus aller Welt im Schloss Versailles bei Paris. Macron spricht bei einem Galadinner am Abend. 

Während Lilium-Chef Klaus Roewe bei der Veranstaltung anwesend sein wird, steht Wettbewerber Volocopter aus Bruchsal nicht auf der Teilnehmerliste. Volocopter wollte bei den in wenigen Wochen stattfindenden Olympischen Spielen in Paris erstmals in Europa Fluggäste kommerziell befördern. Doch weil die Zulassung fehlt, wird es wohl bei Demonstrationsflügen bleiben.

Die französische Unterstützung für Lilium dürfte die laufende Diskussion über öffentliche Hilfen aus Deutschland für die Luftfahrtpioniere anheizen. Lilium und Volocopter versuchen seit Monaten, beim Bund und einigen Bundesländern Kreditbürgschaften zu bekommen. Doch das Verfahren stockt.

Baden-Württemberg und Bayern wollen nicht bürgen. Nach Informationen aus politischen Kreisen ist beiden das Risiko zu groß. Die Ministerien würden sich dabei auf ein Gutachten der Beratungsgesellschaft PwC berufen, heißt es. Offizielle Statements gibt es nicht.

Der Bund wiederum will nur bürgen, wenn auch die Länder dazu bereit sind. In beiden Fällen soll es um Bürgschaften in Höhe von 100 Millionen Euro gehen. Ein positiver Bescheid wäre ein wichtiges Signal an private Investoren.

Ohne Staatsbürgschaft fließt kein privates Kapital mehr

Schon seit Jahren arbeiten Lilium und Volocopter an der Idee, mit einem elektrisch angetriebenen Senkrechtstarter zwischen vier und sieben und später vielleicht sogar 16 Menschen zu transportieren. Beide Unternehmen stehen vor der Zulassung ihrer Fluggeräte. Doch das Geld wird knapp.

Volocopter-Chef Dirk Hoke hat zuletzt mehrfach gewarnt, dass ohne staatliche Hilfen eine Insolvenz nicht ausgeschlossen ist. Ohne diese Unterstützung sei es für Unternehmen wie Volocopter schwer, weiteres Kapital zu bekommen. Eine Sprecherin von Volocopter sagte dem Handelsblatt, dass die Gespräche mit bestehenden und neuen Investoren andauern: „Wir sind zuversichtlich, zeitnah zu einem positiven Ergebnis zu kommen.“

Offensichtlich wollen viele private Investoren erst dann wieder Geld geben, wenn es ein klares Bekenntnis der Politik zur Idee der Senkrechtstarter gibt. Der große Hype um die „fliegenden Taxis“ ist längst vorbei. Abgesehen von den technischen Herausforderungen sehen einige Luftfahrtexperten auch nur ein begrenztes Geschäftsvolumen.

Zudem haben die privaten Investoren bereits viel Geld zur Verfügung gestellt. Lilium hat bei Investoren bisher rund 1,4 Milliarden Dollar an Kapital eingesammelt, bei Volocopter sind es rund 600 Millionen Euro. Doch allein schon die noch ausstehende Zulassung kostet viel Geld, zudem müssen eine Serienfertigung errichtet und Piloten ausgebildet werden. Gleichzeitig ist der Wettbewerb groß: Mehrere Hundert Start-ups tüfteln weltweit an solchen Senkrechtstartern.

Weit fortgeschritten sind dabei Ehang aus China sowie Joby und Archer aus den USA. Alle drei werden von ihren Regierungen unterstützt. Experten haben deshalb wiederholt davor gewarnt, dass deutsches Know-how nach China oder in die USA abwandert. „Wir dürfen die Fehler der Vergangenheit bei Zukunftstechnologien nicht wiederholen“, sagte Gerald Wissel, Chef des deutschen Drohnenverbands UAV Dach, dem Handelsblatt Ende April.

Das Volocity: Das Karlsruher Start-up will zunächst mit einem Zweisitzer zeigen, dass der Plan aufgeht. Später sollen dann vier Personen befördert werden können. Foto: Volocopter

So kursieren in der Branche Gerüchte, dass Geely aus China seine Anteile an Volocopter deutlich aufstocken könnte, um eine Insolvenz zu verhindern. Das Unternehmen zählt zu den früheren Investoren des Start-ups aus Bruchsal. 

Die französische Politik gilt seit jeher als sehr luftfahrtaffin und geht bei Hilfen pragmatisch vor. Das zeigt sich deutlich im Rahmen des „Choose France“-Gipfels: Nach Angaben der französischen Regierung haben internationale Unternehmen bei der diesjährigen Ausgabe Investitionen von rund 15 Milliarden Euro zugesagt, zwei Milliarden mehr als 2023.

Und die Investitionen für die Standortsicherung gehen weit über die Luftfahrt hinaus. Allein der US-Tech-Riese Microsoft plant Investitionen von vier Milliarden Euro in Frankreich, die in die Bereiche Künstliche Intelligenz (KI) und Cloud-Computing fließen sollen.

Neben Microsoft gehören der US-Handelsriese Amazon mit 1,2 Milliarden Euro sowie die Pharmaunternehmen Pfizer und Astra-Zeneca mit zusammen fast einer Milliarde Euro zu den Topinvestoren. Die US-Großbank Morgan Stanley will ihre Finanzaktivitäten in Paris ausbauen.

Auch aus Deutschland wandert weiteres Geld nach Frankreich: Thermomix-Hersteller Vorwerk will seinen bestehenden Standort in Châteaudun ausbauen. Die Investitionssumme beträgt 72 Millionen Euro, 50 neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

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Lilium setzt weiterhin auf deutsche Staatshilfen

Lilium will die Hoffnung auf deutsche Hilfen gleichwohl nicht aufgeben. Die Entscheidung in Frankreich ändere nichts an Liliums Plänen in Bayern und am Wachstum der Aktivitäten am Standort Oberpfaffenhofen, sagte ein Sprecher: „Eine Unterstützung Bayerns und Deutschlands bleibt von erheblicher Bedeutung für Lilium, nicht zuletzt als Signal des Vertrauens an die Finanzmärkte.“

Lilium und Volocopter werben unter anderem mit dem Aufbau von Arbeitsplätzen. So will Lilium den Jet in Oberpfaffenhofen und Bordeaux bauen. Sollte es tatsächlich Hilfen aus Paris geben, stellt die Lilium-Führung Investitionen von bis zu 400 Millionen Euro in Aussicht, verteilt auf mehrere Jahre. Zudem könnten bis zu 850 neue Arbeitsplätze entstehen.

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Auch wird auf den Erfolg europäisch ausgerichteter Unternehmen in der Luftfahrt verwiesen – etwa Airbus oder das Rüstungs-Start-up Helsing. „Lilium hat von Anfang an die Strategie eines internationalen und vor allem europäischen Unternehmens verfolgt“, sagte der Sprecher.

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