Alef Aeronautics: Dieses Start-up entwickelt ein fliegendes Auto
Barcelona, Frankfurt. Science-Fiction wirkt. Zahlreiche Erfinder haben sich von Filmen inspirieren lassen, die eine fiktive Zukunft beschreiben. Zu den Resultaten zählt beispielsweise die Sprachassistentin Alexa, die dem Computer in „Star Trek“ nachempfunden ist – Amazon-Chef Jeff Bezos gilt als großer Fan der Serie.
Auch das amerikanische Start-up Alef Aeronautics hat in einer Hollywood-Produktion ein Vorbild gefunden, zumindest konzeptionell: Es entwickelt ein Elektroauto, das fahren und fliegen kann. Ähnlich wie der DeLorean, der in der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie bei seinen Reisen durch die Zeit abhebt.
Der Grund ist sehr gegenwärtig. Der Straßenverkehr sei „ein großes, ungelöstes Problem“, sagt Technikchef Constantine Kisly. Viele Straßen in den USA sind übervoll, besonders zu Stoßzeiten, wenn zahlreiche Menschen aus den Vororten zur Arbeit in den Städten pendeln. Die Luft biete viel Platz zum Ausweichen, sagt der promovierte Chemiker Kisly.
Dazu will das Start-up seine Kombination aus Fahr- und Flugzeug mit neuen Investoren zur Marktreife bringen. Den Traum vom Fliegen verfolgen allerdings mehrere Unternehmen, Konzerne wie Airbus und Hyundai, ebenso Start-ups wie Lilium und Volocopter. Wie sie muss Alef Aeronautics neben der Entwicklung der Technologie noch eine zentrale Frage beantworten: Wie lässt sich daraus ein Geschäftsmodell aufbauen?
Abheben vom Parkplatz
Damit Nutzer den Verkehr umgehen können, entwickelt Alef Aeronautics eine Kombination aus Fahr- und Flugzeug. Das Model A könnte damit – so die Vision – zu einer freien Fläche mit ausreichend Platz rollen, dort mit dem Rotorenantrieb senkrecht abheben, durch die Luft gleiten und in der Nähe des Zielorts wieder landen.
Eine eigene Infrastruktur mit Start- und Landeplätzen sei dafür nicht nötig, hofft Technikchef Kisly: Aufgrund des Senkrechtstarts sei bereits ein überschaubarer abgesperrter Bereich auf einem Parkplatz ausreichend.
„Die Fahrmöglichkeit ist essenziell“, betont Kisly. Sollte das Konzept aufgehen, könnten Pendler nah an ihr Ziel heranfliegen und den Rest der Strecke rollen. Das sei ein Vorteil gegenüber den elektrischen Senkrechtstartern, wie sie beispielsweise das deutsche Start-up Lilium entwickelt. Diese sollen nur von festen Abflugpunkten – zum Beispiel eigenen Flughäfen – verkehren.
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Wenn das Fahrzeug einmal marktreif ist, soll die Reichweite bei gut 300 Kilometer Fahrt- oder knapp 180 Kilometern Flugstrecke liegen. Im Vergleich zu vielen Flugtaxen sind das weite Strecken. Die Kapsel bietet Platz für einen Piloten und einen nicht allzu voluminösen Beifahrer, Kisly spricht plakativ von „1,5 Personen“.
Schwierige Serienproduktion
Das Magazin „Time“ hat das Model A als eine der besten Innovationen 2023 ausgezeichnet. Die Vision ist aber noch ein gutes Stück von der Alltagsnutzung entfernt. Der erste flugfähige Prototyp hob zwar bereits 2018 ab, auch hat das Start-up mittlerweile eine Testlizenz der amerikanischen Flugaufsicht FAA. Für den regulären Betrieb fehlten aber noch Zertifizierungen, berichtet Technikchef Kisly. „Wenn alles gut geht, startet die Massenproduktion 2025.“
Voraussetzung für eine Serienproduktion ist aber die Zertifizierung. Ein Fluggerät darf danach nicht mehr verändert werden. Wie schwierig diese Zulassung zu bekommen ist, zeigt derzeit das Beispiel des deutschen Konkurrenten Volocopter. Das Unternehmen will im Sommer bei den Olympischen Spielen in Paris erstmals einen kommerziellen Flugdienst mit seinem Senkrechtstarter in Europa anbieten.
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Doch die dafür nötige Zulassung durch die europäische Luftfahrtaufsicht EASA verzögert sich nach Unternehmensangaben. Es ist denkbar, dass Volocopter in Paris noch keine Passagiere befördern darf, sondern lediglich Demonstrationsflüge absolvieren kann.
Das Flug-Auto kostet 300.000 Dollar
Beweisen muss Alef Aeronautics zudem, dass es für das fliegende Auto eine ausreichend große Nische gibt, der Transport durch die Luft also auch halbwegs bezahlbar wird. Das Vehikel soll 300.000 Dollar kosten, so viel wie ein Supersportwagen also – worauf sich nach Angaben des Start-ups bislang immerhin 2850 Kunden eingelassen haben.
Mit dem Preis liegt Alef in etwa auf dem Niveau des chinesischen Wettbewerbers Ehang. Das Unternehmen hat in China als erstes Start-up eine Zulassung der Behörden bekommen und will sein Vehikel ab April für umgerechnet rund 300.000 Euro anbieten.
Bei diesem Preis werden sich wohl nur Großverdiener ein privates Flugauto anschaffen können. Die Gefahr ist also groß, dass der Markt klein bleibt. Wettbewerber wie die deutsche Lilium verfolgen deshalb eine andere Strategie. Sie wollen mit ihrem Jet einen Flugdienst anbieten, bei dem sich jeder über ein Ticket einen Platz buchen kann.
Das Gründerteam von Alef Aeronautics hofft, zunächst die Finanzierung für die weitere Entwicklung zu sichern. Bisher hat das Start-up gut fünf Millionen Dollar Risikokapital erhalten, unter anderem vom bekannten Risikokapitalgeber Tim Draper und dem Fonds Impact Venture Capital. Aktuell bemüht es sich um eine neue Finanzierungsrunde über 20 Millionen Dollar.
Die Erfahrung anderer Start-ups, die Drohnen oder fliegende Autos bauen, zeigt: Das Geld dürfte nötig sein. Anders als im Film kann nicht ein verrückter Erfinder das Gerät bauen – dafür braucht es ein ganzes Team mit Ingenieuren.
Erstpublikation: 05.03.2024, 04:06 Uhr