Kommentar: Nicht nur die Investoren, auch Joe Biden zittert vor der US-Inflation

Sehr viel höher hätte man die Zahlen zur US-Inflation für den Monat April nicht einfliegen können. Für die ansonsten eher nüchterne Nachrichtenagentur Bloomberg waren es „die vielleicht wichtigsten Konjunkturdaten des Jahres“.
Diese Aussage bezieht sich vor allem auf die Aktienmärkte. Die Gleichung ist relativ simpel: Einer der wichtigsten Gründe für die jüngste Rally an den Aktienbörsen ist die Hoffnung auf fallende Leitzinsen in den USA. Hartnäckig hohe Teuerungsraten haben die erhoffte geldpolitische Wende zuletzt allerdings verzögert.
Nun ist im April die Inflation in den USA nach drei enttäuschenden Monaten endlich gefallen, wenn auch nur leicht von 3,5 Prozent im März auf 3,4 Prozent. Aber diese Zahl hält die Zinshoffnungen zumindest am Leben und damit auch die Chance auf weiter steigende Aktienkurse.
Aber die Inflationsdaten haben auch eine enorme politische Bedeutung. Die hartnäckige Teuerung hat sich zu einem der größten wirtschaftspolitischen Probleme für US-Präsident Joe Biden im Kampf gegen seinen Konkurrenten Donald Trump entwickelt.
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Eigentlich steht es gar nicht schlecht um die US-Wirtschaft. Die Löhne steigen, die Unternehmensgewinne auch, viele Experten erwarten, dass die Konjunktur trotz massiver Zinserhöhungen weiter gut läuft.
Aber das nutzt Biden im Moment nicht viel, weil die Wähler den zeitweise dramatischen Anstieg der Preise nach der Covid-Pandemie vor allem ihm anlasten. Die Amtszeit seines Vorgängers und erneuten Herausforderers Trump haben die Amerikaner dagegen als Ära der ökonomischen Stabilität in Erinnerung.
Deshalb ist die Frage, ob sich die US-Inflation weiter dem Stabilitätsziel der Notenbank von zwei Prozent annähert, nicht nur für die Aktienkurse entscheidend, sondern auch für den Ausgang der Präsidentschaftswahl im November. Und der ist langfristig vielleicht doch etwas wichtiger als die Frage, ob die Wall Street in den kommenden Tagen oder Wochen neue Rekorde erreicht.