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FamilienunternehmenWerhahn hat 2023 erneut weniger verdient

Der Familienkonzern ordnet seine Führung neu. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass womöglich auch die Strategie grundsätzlich überdacht werden muss. Diversität allein dürfte nicht genügen.Anja Müller 28.08.2024 - 13:32 Uhr Artikel anhören
Werhahn-Beteiligung Zwilling: Der Umsatz des Geschäftsbereichs Konsumgüter, zu dem auch Zwilling gehört, schrumpfte deutlich. Foto: picture-alliance/ dpa

Düsseldorf. Erst im Januar 2025 ist das neue Führungsteam beim traditionsreichen Familienkonzern Werhahn komplett. Doch Zeit, um auf die neue Frau im Werhahn-Vorstand zu warten, haben die drei bereits amtierenden Vorstände nicht, entwickeln sich die betriebswirtschaftlichen Zahlen doch in eine Richtung, die die Gesellschafter kaum erfreuen dürfte.

Werhahn legte am Mittwochmittag Geschäftszahlen vor. Und die offenbaren, dass die aktuellen Herausforderungen auch mit einem breiten Firmenportfolio nur schwerlich zu meistern sein dürften.

Der Umsatz ist zwar um fünf Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gestiegen, allerdings wie bereits im vergangenen Jahr vor allem preis- und inflationsgetrieben. Der operative Gewinn hingegen reduzierte sich um mehr als 60 Prozent von 156 auf 59 Millionen Euro. Unter dem Strich nach Steuern sind es 26 Millionen Euro.

Erst vor drei Wochen hatte Werhahn für das kommende Jahr eine neue Chefin für die Konsumgütersparte präsentiert: Die aktuelle Bogner-Chefin Gerrit Schneider wechselt spätestens im Januar 2025 nach Neuss und zieht zugleich in den Werhahn-Vorstand ein. Damit ist nach sechs Jahren erstmals wieder eine Frau dabei.

Werhahn hatte zuletzt mit mehreren Personalien auf sich aufmerksam gemacht: Im Herbst hatten erst Vorstandssprecher Paolo Dell’Antonio und dann Konsumgüterchef Erich Schiffers das Unternehmen verlassen. Neu verpflichtet wurden bereits Andreas König als Finanzchef und Stephan Kranz als Spartenchef Natursteine.

Die neu bestellten Vorstandsmitglieder haben nun noch mehr Aufgaben als ihre Vorgänger: Sie führen über ihr Vorstandsamt hinaus alle ihre jeweiligen Sparten und werden zudem wechselseitig auch in den Aufsichtsräten sitzen. Ihre Aufgabe umschreibt Alexander Boldyreff, die Konstante im Vorstand und für Finanzdienstleistungen zuständig, so: Sie sollen für Wachstum, Resilienz und Nachhaltigkeit in herausfordernden Zeiten sorgen.

„Die Welt hat sich geändert, die Planbarkeit ist geringer“, ergänzt Finanzvorstand König. Es sei daher konsequent, eine schnellere Entscheidungsstruktur zu installieren: „Jetzt sind superschnelle Entscheidungen gefordert.“

Der 1841 gegründete Familienkonzern, der seit Jahrzehnten als das Vorzeigeunternehmen für den in Familienunternehmerkreisen gern zitierten Spruch steht, dass man nicht alle Eier in einen Korb legen solle, hält weiter an der Strategie der Diversifikation mit drei Geschäftsbereichen fest.

Die Bausparte um die Basalt AG: Sie ist mit ihren zahlreichen Steinbrüchen und dem Schieferabbau vor allem an Infrastrukturprojekten beteiligt. Die Sparte wird von Kranz geführt und wuchs laut Geschäftsbericht vor allem in Polen und Tschechien, während hierzulande die großen Infrastrukturprojekte fehlten. Der Umsatz stieg auf rund 1,6 Milliarden Euro um fünf Prozent, das Spartenergebnis dank eines strengen Kostenmanagements deutlich. Werhahn hält zudem nach wie vor am Geschäft in Russland fest.

Zwilling Küche: Der Geschäftsbereich war während der Pandemie deutlich gewachsen, nun ist der Umsatz deutlich zurück gegangen. Foto: Zwilling

Es trägt weniger als zwei Prozent zum Gesamtumsatz bei, mit sinkender Tendenz. Das dortige lokale Geschäft laufe eigenständig mit einem lokalen Management, das vom Konzern unabhängig agiere. Es flössen weder Geld noch Rohstoffe oder Waren nach Russland oder aus Russland heraus. Erst im Frühjahr hatte sich der Gipshersteller Knauf aus Russland zurückgezogen.

Die Konsumgütersparte ist für die Marke Zwilling sowie Kochgeschirr, Küchengeräte und Grills bekannt. Sie bietet aber auch im Beautybereich Scheren und Nagelpflege an. Der größere Teil – Zwilling Küche – verlor nach dem Coronaboom vor allem im Ausland deutlich. Das Problem: Man hatte viele Jahre erfolgreich auf chinesische Kunden daheim und unterwegs gesetzt, doch auch im zweiten Jahr in Folge springt das Geschäft nicht so recht an. Seit vergangenem Jahr wurde bereits das Sortiment gestrafft und Lagerbestände wurden abgebaut. Ab 2025 ist Schneider dafür zuständig.

Finanzdienstleistungen, die Sparte, in der Werhahn schwerpunktmäßig im Bereich Kfz-Finanzierungen mit der Bank11 sowie im Leasing mit Abcfinance tätig ist. Die Finanzdienstleistungssparte wird von Alexander Boldyreff geführt und konnte neue Kunden gewinnen. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs das Geschäft vor allem bei der Bank11 deutlich.

Dividendenversprechen wird gehalten

Befragt nach den Plänen für die Zukunft des Familienkonzerns erklärt Vorstand Boldyreff: „Der aktuelle Fokus liegt darauf, die Resilienz der Geschäftsbereiche zu steigern. In den Bereichen, in denen wir tätig sind, wollen wir eine führende Rolle spielen.“ Und er fügt hinzu, dass der  Generationsgedanke das Handeln des Vorstandsteam präge. Eine eigene Vision für Werhahn gebe es dagegen nicht, dies sei „kein Thema der Holding, sondern der Geschäftsbereiche“, sagt Boldyreff.

Inzwischen sind fast rund 500 Gesellschafter dividendenberechtigt. Finanzvorstand König betont: Eine Dividende werde es auch für das abgelaufene Jahr 2023 geben, allerdings ohne auf die Summe einzugehen. Laut Geschäftsbericht ist die jährliche Gesamtdividende in den vergangenen beiden Jahren von 41 auf 30 Millionen Euro geschrumpft.

Reicht Diversifikation als Geschäftsmodell?

Familienunternehmensforscher Tom Rüsen, Direktor der Wifu-Stiftung, sieht in diversifizierten Unternehmen einen Vorteil, weil man sich auch trennen könne, wenn ein Unternehmen nicht mehr ins Portfolio passe oder die Zahlen nicht stimmten. Manchmal falle es Unternehmerfamilien aber auch schwer, sich zu trennen. Der Forscher warnt aber davor, Diversifikation als Allheilmittel zu sehen. Familienunternehmen müssten genau austarieren, in welchen Branchen und Segmenten sie investierten, und „ein straffes Beteiligungsmanagement“ durchsetzen.

Werhahn hatte sich zuletzt an weiterer Diversifizierung versucht und 2021 das Unternehmen Fiberlean Technologies (FLT)  übernommen, das im britischen Cornwall ansässig ist. Werhahn-Vorstandssprecher Dell’Antonio sah damals in der Übernahme einen Schritt, den Fokus auf Nachhaltigkeit zu legen.

Das Geschäftsmodell von FLT ist keineswegs trivial. Einfach ausgedrückt geht es darum, mithilfe von aufbereiteter Cellulose aus Pflanzen zum Beispiel Verpackungen oder Baustoffe stabiler zu machen und damit ressourcenschonender einzusetzen. Es sollte für den Familienkonzern der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft sein. Doch die potenziellen Kunden aus der Papierindustrie blieben aus, erklärt Finanzvorstand König. Nun werde das „Engagement nicht fortgesetzt.“

Gerrit Schneider: Die Bogner-Managerin wechselt spätestens zu Beginn 2025 in den Werhahn-Vorstand – und wird in Personalunion auch den Messerhersteller Zwilling führen. Foto: Bogner

Unternehmenskenner glauben, dass die Technologie von FLT  zukunftsfähig ist, doch Werhahn habe nicht genug Managementkapazität auf das Unternehmen verwendet. Solche Zukäufe mit Produktionsstandorten in Frankreich, den USA und Indien müsse man weiterentwickeln und nah begleiten. FLT wurde von der Zentrale in Neuss aus geführt.

Bei FLT sei man nicht mehr der beste Eigentümer für das Unternehmen, sagt Werhahn-Finanzvorstand König. Die Zielkundschaft in der Papierindustrie sei auf das Angebot nicht ausreichend schnell eingestiegen. Was mit dem Unternehmen nun passiert, mögen die Vorstände von Werhahn nicht sagen. Klar ist aber: Allein 2023 verschlang FLT laut Geschäftsbericht 38 Millionen Euro.

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Wie wichtig ist die geografische Diversifikation?

Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz wird daher womöglich noch weiter sinken. Aufgrund des stark rückläufigen Konsumgütergeschäfts  rund um Zwilling in China und den USA lag er 2023 nur noch bei 32 Prozent und damit drei Prozentpunkte niedriger als im Jahr zuvor.

Zum Vergleich: Der fast ebenso große Familienkonzern Haniel hat inzwischen eine Zwei-Säulen-Strategie entwickelt. Das Unternehmen mit rund 750 Gesellschaftern setzt künftig nicht nur auf das Portfolio an Tochterunternehmen und Mehrheitsbeteiligungen, die bei Haniel ähnlich wie bei Werhahn vorwiegend in Deutschland und Europa liegen, sondern künftig auch auf Minderheitsbeteiligungen und andere Investments vor allem im weiter entfernten Ausland. Die Idee: noch mehr geografische und technologische Diversifikation, aber nun als Investor und nicht als Unternehmer.

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