Deepdrive: Start-up für Elektromotoren schließt Finanzierungsrunde ab
München. Das Münchener Elektro-Start-up Deepdrive will nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde nun die Serienproduktion aufnehmen. Das Unternehmen gab bekannt, dass es eine Series-B-Finanzierungsrunde in Höhe von 30 Millionen Euro abgeschlossen hat.
Eine Series-B-Finanzierungsrunde ist eine Finanzierungsphase, in der ein Unternehmen Kapital von Investoren aufnimmt, um seine Geschäftsentwicklung voranzutreiben. Die Finanzierungsrunde wurde vom US-Venture-Capital-Fonds Leitmotif angeführt. Investiert haben auch BMW i Ventures, die Corporate-Venture-Einheit von Continental, UVC Partners und zwei Fonds des Freistaates Bayern.
Mit dem Kapital will Deepdrive im Norden Münchens Produktionslinien für seine selbst entwickelten Elektromotoren aufbauen. Deepdrive hält zahlreiche Patente für die sogenannte Doppelrotor-Motorentechnologie, die in der Autoindustrie eingesetzt werden können.
Deepdrive-Mitgründer: „Bedeutender Meilenstein“
Diese Maschinen versprechen eine Effizienzsteigerung von zwanzig Prozent gegenüber vergleichbaren Antrieben, verspricht das Unternehmen. Zudem ermögliche die Technik das Konzept des Radnabenantriebs, bei dem der Antrieb in die Räder integriert wird. „Mit dieser Finanzierungsrunde können wir nun den Hochlauf für die Serienproduktion beginnen“, sagte Deepdrive-Mitgründer und -Geschäftsführer Felix Pörnbacher dem Handelsblatt.
Deepdrive arbeitet nach eigenen Angaben mit acht der weltweit größten Autohersteller zusammen. Erst im Juli hatte BMW bekannt gegeben, die Deepdrive-Technik im Straßeneinsatz zu testen. Grundsätzlich sollen die Motoren aber für alle Autohersteller offenstehen, sagt Pörnbacher: „Wir glauben an einen kollaborativen Ansatz und arbeiten Hand in Hand mit etablierten Akteuren zusammen, um unsere Motoren auf die Straße zu bringen. Diese Finanzierungsrunde markiert einen bedeutenden Meilenstein, und mit der Unterstützung von Leitmotif und unseren bestehenden Investoren sind wir bereit, die große Nachfrage globaler Automobilhersteller zu erfüllen.“
Pörnbacher hat das Unternehmen mit einer Handvoll Mitstreiter gegründet, die sich im Rennsportteam der TU München kennenlernten, danach aber in unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet haben. Dort stellten die Ingenieure jedoch fest, dass der Spielraum für wirklich durchgreifende neue Ideen zu eng war.
Die Idee, einen ganz neuen Elektromotor zu entwickeln, führte die Gruppe wieder zusammen. Auf der IAA 2021 stellte sie ihr Konzept vor und zog die Aufmerksamkeit der Industrie auf sich. Als einer der ersten Investoren stieg Peter Mertens ein, der zuvor bei Audi und Volvo Technikvorstand war. BMW und Conti zogen mit ihren Venture-Capital-Gesellschaften nach. Seit der Gründung hat Deepdrive knapp 50 Millionen Euro Kapital erhalten.
Innovative Technologie
Mit dem frischen Geld soll ab 2028 mit der Serienproduktion der Elektromotoren begonnen werden. „Deepdrives innovative Technologie hat bereits das Interesse einiger der weltweit größten Automobilhersteller geweckt und wird ihnen helfen, die effizientesten Elektrofahrzeuge zu bauen“, sagt Jens Wiese, Mitgründer und Managing Partner von Leitmotif. Der auf Techniken zur Dekarbonisierung spezialisierte Fonds wird von Volkswagen finanziert.
Für die Autohersteller sind Innovationen in der Elektromobilität entscheidend. In der EU gilt ab 2035 ein Verbot für Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren. Auf der anderen Seite stockt der Verkauf von Elektroautos. Vor allem der VW-Konzern hat erhebliche Probleme beim Hochlauf seiner Strommodelle und hat ein weiteres, umfangreiches Sparpaket angekündigt. Entscheidend sind aus Sicht von Experten nun Innovationen, damit der Preisunterschied zwischen der Batterietechnik und den Verbrennungsmotoren verringert werden kann.
Erste Prototypen getestet
Viel Aufwand wird derzeit in die Weiterentwicklung von Batterien gesteckt, die beispielsweise bei BMW in künftigen Elektromodellen bis zu dreißig Prozent effizienter sein sollen. Doch auch in den Elektromotoren steckt noch viel Potenzial. Mit Innovationen wie von Deepdrive und der Einführung der Radnabentechnik könnten die Kosten sinken und die Reichweiten steigen, hofft die Industrie.
Neben BMW und Conti arbeitet zurzeit vor allem Hyundai an der Einführung des Radnabenmotors. Die Technik gilt als vielversprechend, jedoch stehen die Ingenieure noch vor einigen Herausforderungen, wie etwa der zusätzlichen Masse in den Rädern oder dem Schutz der Radmotoren vor Schmutz und Feuchtigkeit.
Auf der anderen Seite ermöglichen Radnabenmotoren neue Fahreigenschaften, da sich die Räder über die integrierten Motoren direkter ansteuern lassen. Erste Prototypen sind bereits auf Teststrecken getestet worden.
Erstpublikation: 19.09.2024, 11:34 Uhr.
