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KommentarKrise in der deutschen Autoindustrie kann auch eine Chance sein

Stellenabbau bei VW, Massenrückrufe bei BMW und die Zulieferer in Not: Die deutsche Schlüsselindustrie braucht neue Leitplanken – auch von der Politik.Markus Fasse 11.09.2024 - 17:40 Uhr
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Proteste in Wolfsburg: VW-Chef Blume will Stellen streichen und Werke schließen. Foto: via REUTERS

Wenn es so etwas wie eine rabenschwarze Woche gibt, dann steckt die deutsche Autoindustrie mittendrin. Erst kippt VW-Chef Oliver Blume die Beschäftigungssicherung für die deutschen Standorte und will gleich ganze Werke schließen. Dann schockt BMW die Märkte mit einer Gewinnwarnung, weil der Zulieferer Conti potenziell fehlerhafte Bremsen geliefert hat. Bei dem hochverschuldeten Konkurrenten ZF Friedrichshafen gehen die Menschen auf die Straße, hier steht jeder vierte Job auf der Kippe.

Und die Kunden? Sind maximal verunsichert. Die einen wissen nach dem Hin und Her in der Elektroförderung nicht mehr, was sie kaufen sollen. Den anderen fehlt nach vier Jahren Stagnation und Inflation schlicht das Geld für ein neues Auto.

Keine Frage: Die deutsche Autoindustrie steht vor der vielleicht schwersten Krise ihrer Geschichte. Aber diese Krise kann auch eine Chance sein, wenn man sie mutig angeht. Es gibt fünf Punkte, die der Autostandort Deutschland jetzt braucht:

  1. Die Sanierung von Volkswagen ist zentral für die Bundesrepublik und die Branche. VW ist nicht nur der größte Produzent von Autos, sondern auch der größte Abnehmer der Zulieferindustrie.

    Wenn VW aufgrund seiner chronischen Überkapazitäten in die roten Zahlen rutscht, kann das Unternehmen nicht mehr investieren und seine Zulieferer vernünftig bezahlen. Politik, Eigentümer und Arbeitnehmer dürfen VW-Chef Oliver Blume keine Steine für die Sanierung in den Weg legen, auch wenn er Standorte schließt.
  2. Auch die Zulieferer müssen Werke schließen und Jobs abbauen, es wird nicht ohne Zusammenschlüsse und Übernahmen gehen. Aber die Autohersteller müssen helfen und faire Preise und Verträge bieten, damit die Lieferanten investieren können.

    Wer nur seine eigene Marge steigert, darf sich nicht wundern, wenn die Qualität in der Lieferkette nicht mehr stimmt. Das Beispiel BMW und Conti zeigt, dass niemand gewinnt, wenn einer zu viel spart.
  3. Grundlegende Innovationen entstehen selten in Konzernen, dort wird eher das Vorhandene verfeinert. Radnabenmotoren, Feststoffbatterien und KI-Anwendungen liefern Start-ups, auch aus Deutschland. Diese brauchen eine bessere Förderung, mehr privates Kapital und die Offenheit der Industrie, neue Ideen auszuprobieren.
  4. Die Politik muss klare Leitplanken setzen. Es nützt nichts, Elektroautos nach Kassenlage zu fördern, den Diesel steuerlich zu bevorzugen und zugleich ein willkürliches Datum für das Ende des Verbrenners zu setzen. Die Regulierung muss klar am Ausstoß von Kohlendioxid ausgerichtet werden.

    Das heißt auch: Das Fahren von Benzin- und Dieselautos muss schrittweise teurer werden, damit die Industrie in alternative Antriebe investiert und die Verbraucher umsteigen. Elektro wird der wichtigste, aber nicht der einzige Weg sein. Die Industrie muss auch Brennstoffzellen und E-Fuels entwickeln können. Was sich dann durchsetzt, entscheidet der Markt.
  5. Es braucht eine Agenda 2030 für den Standort für Investitionen in Bildung, Bahn und Brücken. Die Regierung pumpte 2023 mehr als 112 Milliarden Euro als Zuschuss in die Rentenkasse, bei der Bildung unserer Kinder sind wir aber nur Mittelmaß. Nur wenn es uns gelingt, die schrumpfende Zahl an Erwerbstätigen produktiver zu beschäftigen, haben wir eine Chance, die Sozialsysteme zu sichern.

    Das gilt nicht nur für die Autoindustrie, aber für die ganz besonders. Die muss in Zukunft mit den Elektroautos von BYD und Tesla konkurrieren können und weniger mit den Pick-ups von General Motors und Ford.
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