Industrie: Metall-Tarifparteien unternehmen Lösungsversuch am 11. November
Berlin. In die Tarifrunde für die knapp vier Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie kommt Bewegung – auch wenn die von Warnstreiks begleitete dritte Verhandlungsrunde noch keinen Durchbruch gebracht hat. Wie die IG Metall am Freitag mitteilte, sollen jetzt die Tarifbezirke Küste und Bayern gemeinsam versuchen, einen Kompromiss mit den Arbeitgebern zu finden. Am 11. November soll es in Hamburg Lösungsbemühungen geben.
„Die Differenzen mit unserem Gegenüber beim Thema Geld sind groß“, sagte IG-Metall-Chefin Christiane Benner. Dagegen seien beim Thema der tariflichen Freistellungszeit Schritte der Annäherung erkennbar. Die Intensität der Gespräche an der Küste und in Bayern bewerte die Gewerkschaft positiv, so Benner weiter. Deshalb solle dort nun weiter nach einer Lösung gesucht werden.
Die IG Metall fordert sieben Prozent mehr Geld für die Beschäftigten und 170 Euro im Monat mehr für Auszubildende bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Außerdem will die Gewerkschaft das bestehende Wahlmodell zwischen Geld und Freizeit ausdehnen.
Die Arbeitgeber hatten bei den auf regionaler Ebene geführten Verhandlungen in der zweiten Runde ein Angebot vorgelegt. Nach ihren Vorstellungen sollen die Entgelte ab Juli 2025 um 1,7 Prozent und ein Jahr später noch einmal um 1,9 Prozent angehoben werden. Als Laufzeit schweben den Arbeitgebern 27 Monate vor. Bei den Ausbildungsvergütungen sind sie zu einer „überproportionalen“ Anhebung bereit.
Warnstreiks werden zunächst fortgesetzt
Die IG Metall lehnt das Arbeitgeberangebot ab, auch weil die Beschäftigten dann neun Monate auf mehr Geld warten müssten. Die angebotene Tariferhöhung komme zu spät und falle viel zu niedrig aus, kritisiert die Gewerkschaft. Außerdem will sie die vorgeschlagene lange Laufzeit nicht akzeptieren.
Auch wenn sich eine Lösung anbahnt, sollen die Warnstreiks zunächst fortgesetzt werden, kündigte das für Tarifpolitik zuständige IG-Metall-Vorstandsmitglied Nadine Boguslawski an. Zwar hätten die Beschäftigten mit ihrem Engagement erste Bewegung in die Gespräche gebracht, sagte Boguslawski. Bei fundamentalen Fragen wie sieben Prozent Plus für mehr Kaufkraft und 170 Euro mehr für Auszubildende blockieren die Arbeitgeber aber noch.“
Nach Gewerkschaftsangaben haben sich von Dienstag bis Freitag bundesweit mehr als 216.000 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. Trotz der regionalen Feiertage seien das an den vier Tagen mehr gewesen als in der ersten Warnstreikwoche der Tarifbewegung vor zwei Jahren.
Die Tarifrunden für die Metall- und Elektroindustrie werden zunächst auf regionaler Ebene geführt, bis beide Seiten dann einen Tarifbezirk für den Einigungsversuch auswählen. In der Vergangenheit waren das traditionell die großen Bezirke Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Bei der IG Metall gibt es aber schon länger Unmut darüber, dass sich die anderen Bezirke dann in eine Art „Zuschauerrolle“ zurückziehen, bis sie den Pilotabschluss ganz oder mit Variationen übernehmen. Die Gewerkschaft will die Tarifbewegung deshalb schon länger auf eine breitere Basis stellen.
Hinzu kommen Besonderheiten der laufenden Tarifrunde. Der Verhandlungsführer der Metallarbeitgeber in Baden-Württemberg, Harald Marquardt, forderte schon eine Nullrunde, noch bevor die Gewerkschaft ihre Forderung vorgelegt hatte. Das disqualifizierte ihn aus Sicht der IG Metall für einen Pilotabschluss. Nordrhein-Westfalen hat seit 2016 schon dreimal den Pilotabschluss ausgehandelt. Bayern war zuletzt 2013 am Zug.
Außerdem ist die Metallindustrie in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen stark von der Automobil- und Zuliefererindustrie geprägt, die aktuell besonders unter der Konjunkturschwäche und der Transformation leidet. Dagegen ist der Bezirk Küste wirtschaftlich heterogener, er hat sich schon in der Vergangenheit durch eine betriebsnahe Tarifpolitik ausgezeichnet.
Im Bezirk Küste liegt die Lösungssuche nun in der Hand von IG-Metall-Bezirksleiter Daniel Friedrich und der Vizepräsidentin des Arbeitgeberverbands Nordmetall, Lena Ströbele. In Bayern verhandeln Angelique Renkhoff-Mücke für die Metallarbeitgeber und IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott.
IG-Metall-Chefin Benner betonte, bis zum 11. November gebe es noch Gelegenheit, zu den Streitthemen zu sondieren. „Es liegt an den Arbeitgebern, sich in Richtung Ziel zu bewegen“, sagte sie. Die Zeit laufe. Gleichzeitig zeigte sich Benner aber auch einigungswillig: „Es ist unsere Verantwortung als Sozialpartner, mit einem zügigen Abschluss für die Planungssicherheit der Beschäftigten und Unternehmen zu sorgen.“