1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Metall- und Elektroindustrie: Arbeitgeber bieten 3,6 Prozent mehr Geld

Metall- und ElektroindustrieArbeitgeber bieten 3,6 Prozent mehr Geld

Die Metall-Arbeitgeber haben ein erstes Tarifangebot vorgelegt, das eine Laufzeit von 27 Monaten vorsieht. Die Gewerkschaft IG Metall weist die Offerte umgehend zurück. Ab Ende Oktober könnte sie zum Streik aufrufen.Frank Specht 15.10.2024 - 18:02 Uhr Artikel anhören
Kundgebung der IG Metall in Nürnberg: Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Foto: Daniel Karmann/dpa

Berlin. In der Tarifrunde für die knapp vier Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot vorgelegt. Die Gewerkschaft IG Metall hat dieses Angebot aber als unzureichend zurückgewiesen.

Das Angebot sieht eine Tariferhöhung in zwei Stufen um insgesamt 3,6 Prozent vor. Den Arbeitgebern schwebt dabei eine lange Laufzeit des Tarifvertrags von 27 Monaten vor. Im Rahmen eines Gesamtpakets könnten auch die Ausbildungsvergütungen einmalig überproportional angehoben werden.

Am Dienstag wurde in vier Tarifbezirken verhandelt, im Bezirk Küste, in Bayern, in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg. Angelique Renkhoff-Mücke, Verhandlungsführerin der bayerischen Metallarbeitgeber, sagte: „Unser Ziel ist es, Planungssicherheit und Flexibilität für die Unternehmen zu gewährleisten sowie gleichzeitig Wertschätzung für die Beschäftigten zu zeigen.“ Nur mit dieser tarifpolitischen Balance sei mitten in der Struktur- und Konjunkturkrise ein zügiger Abschluss möglich.

Enttäuschend.
Daniel Friedrich
Leiter des IG-Metall-Bezirks Küste

Die Gewerkschaft wies das Angebot jedoch umgehend zurück. Es sei „enttäuschend“ sagt der Leiter des IG-Metall-Bezirks Küste, Daniel Friedrich.

Die Laufzeit sei zu lang, die Erhöhung zu niedrig und sie komme viel zu spät. Denn nach den Vorstellungen der Arbeitgeber sollen die Entgelte erst nach neun Nullmonaten angehoben werden – ab Juli 2025 um 1,7 Prozent und ein Jahr später dann um weitere 1,9 Prozent.

Metallindustrie

Ifo-Chef warnt vor hohem Metall-Tarifabschluss

Die IG Metall fordert sieben Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 170 Euro angehoben werden. Die Gewerkschaft argumentiert, dass nur eine Stärkung der Kaufkraft das Land aus dem konjunkturellen Tal führen könne.

Allerdings ist die Inflation seit den ersten Forderungsdiskussionen mit den regionalen Tarifkommissionen deutlich gesunken. Und die Metall- und Elektroindustrie leidet nicht nur unter der konjunkturellen Schwäche, sondern steckt auch mitten in der Transformation und einer strukturellen Krise.

Unternehmen leiden unter schlechten Standortbedingungen

Viele Firmen könnten die schlechten Standortbedingungen wie beispielsweise die hohen Energiepreise nicht mehr kompensieren und die Deindustrialisierung habe begonnen, warnte der Präsident des Metallarbeitgeber-Dachverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf.

„Unsere Kernaufgabe als Tarifpartner muss sein, den Standort zu stärken“, betonte Wolf. Beide Seiten hätten die Verantwortung dafür, die Verhandlungen nicht eskalieren zu lassen und rasch zu einem guten Abschluss zu gelangen.

Stefan Wolf

Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall sieht Deutschland in einer Deindustrialisierung

Selbst die Bundesregierung erkenne an, dass Deutschland das zweite Jahr in Folge in der Rezession verharre, sagte die bayerische Verhandlungsführerin Renkhoff-Mücke. Für die Metall- und Elektroindustrie stelle sich die Lage aber noch viel schlechter dar: Produktion, Auftragseingänge und Auftragsbestände sänken kontinuierlich. Gleichzeitig stiegen die Insolvenzen, die Kurzarbeit und die Arbeitslosigkeit.

Bis zum 28. Oktober herrscht in der Metall- und Elektroindustrie noch die sogenannte Friedenspflicht, danach kann die IG Metall ihren Forderungen dann auch mit Warnstreiks Nachdruck verleihen.

Trotz der Ankündigung, einen schnellen Abschluss anzustreben, hätten sich im Arbeitgeberlager anscheinend die Hardliner durchgesetzt, sagte Bezirksleiter Friedrich. „So wird es schwierig, schnell zu einer guten Lösung zu kommen.“ Die IG-Metall-Bezirksleiterin in Baden-Württemberg, Barbara Resch, erklärte, man bereite jetzt Warnstreiks ab dem 29. Oktober vor.

2
Prozent
beträgt maximal die durchschnittliche Nettorendite bei knapp 40 Prozent der Metallunternehmen in Baden-Württemberg nach Angaben des Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Südwesten.

Allerdings gibt es auch durchaus auch Bewegung. So haben sich beide Seiten verständigt, über die qualitativen Forderungen der Gewerkschaft bis zur dritten Verhandlungsrunde auf Arbeitsebene weiter zu sprechen. Dazu zählt, das Wahlmodell zwischen Geld oder Freizeit für zusätzliche Beschäftigtengruppen zu öffnen.

Interview

„Selbst wenn wir einen Geldsack mitbringen, verkauft VW dadurch keinen einzigen zusätzlichen ID.3“

Die Arbeitgeber pochen darauf, die Möglichkeiten für automatische Abweichungen vom Tarifvertrag zu erweitern, wenn Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Knapp 40 Prozent der Metallunternehmen in Baden-Württemberg hätten eine Nettoumsatzrendite von höchstens zwei Prozent, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Südwesten, Harald Marquardt.

Das sei „zu viel zum Sterben und zu wenig zum Überleben“. Auf jeden Fall sei bei solchen Renditen der Investitionsspielraum im Hochlohnstandort Deutschland äußerst gering, sagte Marquardt.

Verwandte Themen
Tarifpolitik
Deutschland
Baden-Württemberg
IG Metall

Die nächste Verhandlungsrunde findet erst nach Ablauf der Friedenspflicht statt. Bei den regionalen Verhandlungen wird in der Regel ein Pilotbezirk vereinbart, der dann den Abschluss aushandelt, den die übrigen Tarifbezirke übernehmen können. Traditionell lagen die Pilotbezirke in Baden-Württemberg, Bayern oder Nordrhein-Westfalen. In dieser Runde spricht jedoch viel dafür, dass dieses Mal ein anderer Bezirk zum Zuge kommen könnte.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt