The Exploration Company: Rekordsumme für deutsches Raumfahrt-Start-up
Düsseldorf. The Exploration Company (TEC) ist erst drei Jahre alt, sammelt aber mit 150 Millionen Euro so viel ein wie bislang kein anderes Newspace-Unternehmen in Europa. Das Geld stammt vor allem von Risikokapitalgebern wie Balderton Capital und Plural.
Eine beachtliche Leistung, insgesamt geht es aufgrund der schwachen Wirtschaft und von Kürzungen, wie etwa im deutschen nationalen Raumfahrtbudget, der Branche nicht gut. „Das Finanzierungsumfeld ist vergleichsweise schwierig geworden“, sagt TEC-Chefin Helene Huby. „Aber wir konnten das Geld einsammeln, weil wir unsere Ziele wie bei den Kosten eingehalten haben.“
Die Firma mit Sitz in München und Bordeaux baut bislang zwei Prototypen der wiederverwendbaren Raumkapsel Nyx. Sie soll die Fracht und später auch Astronauten transportieren. „Aus meiner Sicht bringt TEC unglaubliche Qualitäten an den Tisch", sagt Khaled Helioui, Partner bei Plural in einem Statement. „So was sehe ich als Investor nicht alle Tage.“
ESA-Auftrag spielt große Rolle
Laut Huby war für den Erfolg der Finanzierungsrunde entscheidend, dass die Europäische Raumfahrtagentur Esa vor wenigen Monaten die Firma auswählte, zusammen mit dem italienisch-französischen Unternehmen Thales Alenia Space eine Frachtkapsel zu entwickeln. „Das ist ein Zeichen des Vertrauens und ein wichtiges Signal an die Investoren und an die Kunden“, so Huby.
Der Auftrag läutet eine Zeitenwende bei der Esa ein, die sich nach dem Vorbild der US-Raumfahrtbehörde Nasa aufstellen will und Innovation und Schnelligkeit durch Wettbewerb in die Raumfahrt bringen will. Eine Auflage der Esa war daher, dass TEC genügend eigenes Kapital aufbringen muss.
Das ist jetzt geschehen. „Mit dem Geld werden wir den finalen Prototyp bauen, der 2028 gestartet wird – vorausgesetzt, die Esa und die Geberländer halten ihre Zusage von 200 Millionen Euro ein“, sagt Huby. „Wir haben von unserer Seite alle Vorbedingungen erfüllt.“
Große technische Herausforderungen
Bislang baute TEC zwei kleinere Prototypen, von denen der größere mit 300 Kilogramm Facht im nächsten Jahr starten soll. Jetzt arbeitet die Firma an einer Kapsel, die bis zu 3000 Kilogramm aus dem All zurück zur Erde bringen kann. Laut der Firma wäre das die weltweit größte verfügbare Nutzlast. Derzeit arbeiten 200 Menschen für das Start-up, 2028 sollen es 380 sein.
Ulrich Walter, ehemaliger Professor für Raumfahrt an der TU München, sieht indes große Schwierigkeiten für TEC voraus. „Einen Weltraumfrachter zu bauen, ist um einiges komplizierter als eine Rakete“, sagt Walter. Das läge zum einen an den Motoren: Ein Servicemodul müsse anders als eine Rakete mehrere verschiedene Antriebe haben, um im Weltall manövrieren zu können, beispielsweise um an einer Station anzudocken. Auch der Dockingmechanismus an sich sei eine große technische Herausforderung, sagt Walter.
Ein weiteres Problem: Damit die Kapsel sicher zurück zur Erde kehren kann, muss sie mit Hyperschall-Fallschirmen ausgebremst werden können. „Das ist bereits eine Herausforderung für gestandene Firmen wie Boeing oder SpaceX“, sagt Walter. Seine Einschätzung für den Flug 2028: „Die Wahrscheinlichkeit für einen vollen Erfolg liegt bei nur zehn bis 20 Prozent.“
Aufträge im Wert von 800 Millionen Euro
Manfred Jaumann, der sich als Chef für „Low Earth Orbit and Suborbital Programs” bei Airbus Defence and Space um die Raumstation Starlab kümmert, hält große Stücke auf die TEC-Chefin. Die beiden kennen sich gut, Huby hatte vor der Gründung des Start-ups acht Jahre bei Airbus und Arianegroup gearbeitet. „Sie kennt sich bestens aus mit der Materie und wird es schaffen“, sagte Jaumann vor einigen Monaten auf der Fachkonferenz ILA.
Das Vertrauen teilen viele Kunden von TEC, wie etwa die US-Firmen Vast und Axiom, die jeweils an einer Nachfolgerin für die internationale Raumfahrtstation ISS arbeiten. „Es half uns sehr, dass wir bereits Aufträge im Wert von 800 Millionen Euro eingesammelt haben“, sagt Huby über die jetzige Finanzierungsrunde. „Die Investoren konnten sehen, dass es einen Markt gibt.“
Insgesamt beläuft sich laut TEC der Weltraumlogistikmarkt auf 300 Milliarden Dollar. Bislang entwickeln nur einige Firmen in den USA sowie in China und Russland Raumkapseln, in Europa fehlt noch ein Angebot. „Wir können es kaum erwarten, Teil dieser Reise in eine neue Ära der europäischen Weltraumsouveränität zu werden – einer Ära, die unser Verständnis dessen, was jenseits der Erde möglich ist, grundlegend verändern wird“, sagt David Thévenon, Partner bei Balderton Capital.
Erstpublikation: 17.11.2024, 19:00 Uhr.