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IPODiese europäischen Firmen gelten als aussichtsreiche Börsenkandidaten

Der Datendienst Pitchbook hat interessante Unternehmen in Europa identifiziert, die den Sprung aufs Parkett wagen wollen. Auch aus Deutschland stammen einige Kandidaten.Nadine Schimroszik, Hannah Krolle 28.01.2025 - 08:20 Uhr Artikel anhören
The Exploration Company: Pitchbook zählt das deutsche Raumfahrt-Start-up zu den vielversprechendsten Börsenanwärtern in Europa. Foto: The Exploration COmpany

Berlin, Frankfurt. Das Börsenjahr dürfte mit einem Paukenschlag starten: Der milliardenschwere schwedische Zahlungsdienstleister Klarna zählt zu den ersten europäischen Firmen, die dieses Jahr an die Börse gehen. Noch im ersten Quartal wird mit dem Aktienmarktdebüt des Fintechs gerechnet – an der Wall Street. Entsprechende Unterlagen hat Klarna im November bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht.

Und Klarna ist nur eine von insgesamt 373 risikokapitalfinanzierten Firmen aus Europa, die der Datendienst Pitchbook inzwischen zu den wahrscheinlichen Börsenkandidaten zählt. Das entspricht einem Zuwachs von fast einem Viertel zum April 2024. Auch aus Deutschland kommen zahlreiche neue Börsenaspiranten, hier beträgt das Plus sogar 28 Prozent.

Zu den neuen deutschen Anwärtern zählen das KI-Verteidigungs-Start-up Helsing, die KI-Übersetzungsfirma DeepL, die Robotik-Start-ups Wandelbots, Robco und Neura Robotics sowie die Raumfahrtfirma The Exploration Company (TEC), die Frankfurter Arzneilieferketten-Überwachungsplattform Qualifyze und der Diensthandyverleiher Everphone

Insgesamt sind 54 Firmen aus Deutschland auf der Liste der 373 europäischen Kandidaten. Sehr viele sind neu auf der Liste, weil es andere laut den Pitchbook-Berechnungen nicht erneut hineinschafften. Dazu gehörte die inzwischen insolvente Flugtaxifirma Volocopter genauso wie der E-Scooter-Verleiher Tier, der fusionieren musste.

32 Kandidaten mit hoher Wahrscheinlichkeit

Bei 32 europäischen Firmen stuft Pitchbook die Wahrscheinlichkeit, dass die Firma an die Börse geht, sogar höher als 90 Prozent ein. Das ist auch bei einigen bekannten deutschen Milliarden-Start-ups der Fall.

Deutschland stellt mit der Softwarefirma Celonis sogar den zweitwertvollsten Börsenkandidaten, nur getoppt vom britischen Fintech Revolut. Der N26-Konkurrent wird aktuell von dem Datendienst mit mehr als 40 Milliarden Euro bewertet, während Celonis auf rund zwölf Milliarden Euro kommt. Jüngst sagte Celonis dazu: „Wir haben sehr langfristige Ambitionen und können uns gut vorstellen, dass Celonis einmal börsennotiert sein wird – es besteht jedoch keine Notwendigkeit, einen Börsengang zu forcieren.“

Das zweitwertvollste Start-up aus Deutschland, die HR-Firma Personio, die ebenfalls aus München kommt, hat zumindest erklärt, den Schritt nicht vor 2026 zu gehen. Weitere besonders aussichtsreiche Kandidaten aus Deutschland sind laut Pitchbook die Berliner Fintechs Sumup und Mambu sowie Helsing.

Warum jetzt?

Die meisten Experten gehen davon aus, dass 2025 ein deutlich besseres Jahr für Börsengänge wird. Das vergangene Jahr ist enttäuschend verlaufen, weil die Zahl der Firmen, die den Schritt aufs Parkett wagten, erneut rückläufig war.

Pitchbook verweist auf gestiegene Firmenbewertungen an den Börsen, mehr Klarheit hinsichtlich der Zinsentwicklung und die gestiegene Zahl an Firmen, die für einen IPO (Initial Public Offering) bereit und groß genug sind. Zudem sei die US-Präsidentschaftswahl entschieden, was ebenfalls die Unsicherheit reduziere. Gleichbleibende Bedingungen für einen längeren Zeitraum sind die Grundlage für die erfolgreiche Öffnung des Zeitfensters für Börsengänge.

Das bestätigt auch Jens Kengelbach, Senior Partner bei der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group: „Das aktuelle Marktumfeld für IPOs ist auf dem Papier positiv: Niedrige Volatilität und hohe Bewertungen sind sehr gute Voraussetzungen für mehr Börsengänge.“

Und genau darauf hofft die gesamte Start-up-Branche in Europa. Denn wegen der fehlenden Börsengänge und ebenfalls vergleichsweise schwachen M&A-Deals mangelt es an Liquidität, was wiederum für Zurückhaltung bei Investoren sorgt, weswegen viele Deals gar nicht zustande kommen.

Wer hat keine Chancen mehr?

Zwar macht Pitchbook inzwischen in Europa deutlich mehr Börsenkandidaten aus, aber einige sehr bekannte Firmen sind auch aus der diesjährigen Auflistung herausgefallen.

Die wohl bekannteste Firma, die nicht mehr zu den Aspiranten gehört, ist der angeschlagene Batteriehersteller Northvolt. Das schwedische Unternehmen galt einst als große Hoffnung für den Aufbau einer eigenständigen Produktion von Batterien für Elektroautos in Europa.

Northvolt: Der angeschlagene Batteriehersteller befindet sich inzwischen in der Restrukturierung. Foto: Northvolt

Nach unerwarteten Qualitätsproblemen in der Fertigung war den Schweden jedoch das Geld ausgegangen, sodass die Firma sich im vergangenen November unter den Schutz des US-Insolvenzrechts flüchtete. Ein Börsengang ist damit in weite Ferne gerückt.

Ebenfalls nicht mehr auf der Liste finden sich das niederländische Fintech Mollie, die inzwischen übernommene Event-Plattform Hopin und die finnische Softwarefirma Relex.

Europa oder Wall Street?

Bei der Auswahl der Börse entscheiden sich inzwischen so wenige europäische Firmen wie noch nie für einen europäischen Handelsplatz. Im vergangenen Jahr fanden demnach nur 84,7 Prozent aller Börsengänge von europäischen Unternehmen an europäischen Börsenplätzen statt. Das ist der tiefste jemals gemessene Wert.

Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht. So steht schon jetzt fest, dass Klarna in den USA an die Börse geht. Zuvor hatten sich schon der schwedische Musikstreaminganbieter Spotify, der französische Onlinemarketingdienst Criteo und der deutsche Impfstoffhersteller Biontech für die USA entschieden und nicht für Stockholm, Paris oder Frankfurt.

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