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WeltraumStart-up baut Frachtkapsel – Historischer Wandel in der europäischen Raumfahrt

Das deutsch-französische Start-up The Exploration Company gewinnt die Ausschreibung der Esa – neben Thales Alenia. Die Esa hofft auf den Space-X-Effekt. Thomas Jahn 24.05.2024 - 11:05 Uhr
Raumkapsel "Nyx" der Firma The Exploration Company: Transport ins All soll 150 Millionen Dollar kosten. Foto: The Exploration Company

Düsseldorf. Eine von einem deutsch-französischen Start-up gebaute Frachtkapsel könnte ab 2028 die Internationale Raumstation (ISS) versorgen. Das Unternehmen The Exploration Company gewann neben Thales Alenia die entsprechende Ausschreibung der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa).

Es ist ein Einschnitt in der europäischen Raumfahrtgeschichte. Bislang wurden solche Projekte in Esa-Regie an erfahrene Anbieter vergeben. Jetzt zählen Wettbewerb und technisches Können. „Der Vertrag zeigt, wie sehr die Esa sich modernisiert hat und die Vorgaben der neuen Ära der Weltraumwirtschaft erfüllt“, sagte Esa-Chef Josef Aschbacher im Interview mit dem Handelsblatt.

The Exploration Company mit Sitz in München und Bordeaux muss sich jetzt bis 2028 gegen den französisch-italienischen Raumfahrtanbieter Thales Alenia durchsetzen. Beide erhalten in der ersten Phase der Ausschreibung jeweils 25 Millionen Euro, um zuerst ein Modell zu bauen. Für die zweite Phase gibt es weiteres Geld, dann müssen die Firmen einen Demonstrationsflug zur ISS durchführen.

„Die Esa als Ankerkunden zu gewinnen ist für uns bei The Exploration Company ein bedeutender strategischer Meilenstein“, sagt Firmenchefin Hélène Huby.

Beide Unternehmen setzten sich bei der Ausschreibung in einem Feld von insgesamt sieben Anbietern durch. Die Vorgaben der Esa waren unter anderem, dass die Firmen drei Tonnen oder mehr zur Raumstation und zwei Tonnen zurückbringen können.

Esa folgt dem Vorbild der Nasa

Ein weiteres Kriterium: Die Kapsel muss sich für eine Mondumkreisung eignen und zu einer bemannten Kapsel ausgebaut werden können. Auch müssen die Firmen nachweisen, dass sie 40 Prozent der gesamten Kosten durch eigene Mittel aufbringen können. Dabei prüft die Esa auch die Plausibilität und Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells, beispielsweise ob es weitere Kunden gibt.

Damit folgt die Esa dem Drehbuch der Nasa. Auf diese Weise entstand die Dragon-Kapsel von SpaceX, die bis heute im Einsatz ist. Die US-Raumfahrtbehörde übertrug SpaceX 2006 die Versorgung der ISS, was für Aufsehen sorgte. Damals war SpaceX ein Start-up, heute ist es eines der wichtigsten Raumfahrtunternehmen und wird mit 180 Milliarden Dollar bewertet.

Matthias Wachter, Raumfahrtexperte des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), sagte: „Die neue Ausrichtung der Esa hin zu mehr Ausschreibungen und Wettbewerb ist sehr zu begrüßen. Sie treibt Innovationen und ist eine Chance für deutsche Newspace-Start-ups.“

Der Wandel der Esa ist nicht zuletzt Generaldirektor Aschbacher zu verdanken. Der Österreicher leitet seit 2021 die Agentur mit Sitz in Paris. Die Agentur setzte die Ausschreibung in Rekordgeschwindigkeit von wenigen Monaten um.

Raumkapsel „Nyx“ kann bis zu vier Tonnen Fracht befördern

Huby, ehemalige Airbus-Managerin und Innovationschefin von Airbus Defence and Space, hat viel Arbeit vor sich. Huby gründete im Juli 2021 das Start-up The Exploration Company. Die Firma entwickelte die Raumkapsel „Nyx“, die acht Tonnen schwer ist und einen Durchmesser von 4,5 Metern hat. Sie soll zunächst Fracht und später auch Menschen ins All transportieren.

Vor einem Jahr unterzeichnete The Exploration Company eine Vorbuchungsvereinbarung mit der US-Firma Axiom Space, um Güter zu deren geplanter kommerzieller Raumstation zu transportieren.

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Die Raumkapsel Nyx kann bis zu vier Tonnen Fracht befördern. Das Start-up will für den Transport ins All insgesamt 150 Millionen Dollar verlangen, was leicht unter den offiziellen Preisen von SpaceX liegt.

Nach Schätzungen der deutsch-französischen Firma gibt es genug Transportnachfrage für zwei bis drei Flüge pro Jahr. Zwar soll die ISS 2030 außer Dienst gestellt werden, dafür planen aber neben Axiom auch Blue Origin und Lockheed Martin, Raumfahrtstationen zu bauen.

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Erstpublikation: 22.05.2024, 18:50 Uhr.

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