Asien: Japans Notenbank beruhigt nervöse Märkte
Japanische Anleger quittierten dies mit Erleichterung – nachdem es kurz zuvor noch einen ungewöhnlich starken Abverkauf an den US-Börsen gegeben hatte, in dessen Verlauf der Dow Jones 2,6 Prozent verlor. Zwar verkündete die US-Notenbank ihre erwartete Zinssenkung auf 4,25 Prozent, deutete aber an, wegen wachsender Risiken die Zinsen im kommenden Jahr nur noch zweimal zu senken. Im September waren die Märkte noch von vier Zinsschritten ausgegangen.
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Nach dem Entscheid der japanischen Notenbank erholten sich die Kurse im Laufe des Handelstags von den Schockwellen aus den USA. Zu Handelsbeginn hatte der Nikkei-225-Index noch mehr als zwei Prozent verloren. Dann stabilisierte er sich jedoch und verzeichnete nur noch ein moderates Minus von deutlich unter einem Prozent. Der breitere Topix-Index lag sogar auf Vortagesniveau.
Ein Grund: Die Notenbank zeigte sich weiterhin optimistisch für die japanische Wirtschaft und stellte eine Fortsetzung der im März dieses Jahres begonnenen Zinswende in Aussicht. Damals hatte die BoJ erstmals seit 17 Jahren die Zinsen angehoben und so die jahrelange Negativzinspolitik beendet.
Warum die BoJ weiter auf Zinsanhebungen setzt
Damit stellt sie sich erneut gegen den globalen Trend. Als die Zentralbanken anderswo die Zinsen im Kampf gegen die Inflation anhoben, hielt die BoJ sie stabil. Nun will sie sie erhöhen, während der Rest der Welt auf sinkende Zinsen hofft.
Die japanische Wirtschaft werde wahrscheinlich weiterhin dynamisch wachsen, prognostiziert die Notenbank in ihrer Begründung für den Zinsentscheid. Gleichzeitig rechnet sie mit einer moderaten Erholung der Weltwirtschaft und einer Wechselwirkung aus steigenden Reallöhnen und höheren Preisen.
James Brady von der Strategieberatung Teneo Intelligence teilt diese Ansicht. „Die jüngsten Wirtschaftsdaten zeichnen ein weitgehend positives Bild der japanischen Wirtschaft.“ Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal wurde zuletzt von 0,9 auf 1,2 Prozent (annualisiert) nach oben korrigiert. Die privaten Investitionen und die Exporte wuchsen stärker als zunächst angenommen.
Auch der Ausblick ist positiv, während die Inflation nur knapp über dem Preisstabilitätsziel der BoJ von zwei Prozent liegt. Der Verbraucherpreisindex ohne frische Lebensmittel stieg im Jahresvergleich um 2,3 Prozent, die Löhne lagen im Oktober mit 2,8 Prozent über der Inflationsrate.
Allerdings schlagen sich die gestiegenen Gehälter noch nicht in einem stärkeren privaten Konsum nieder. Die Ausgaben der privaten Haushalte sanken im Oktober um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch sagte Notenbankchef Kazuo Ueda Ende November in einem Interview mit der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“, dass die Wirtschaftsdaten den Prognosen der BoJ entsprächen und der Zeitpunkt für die nächste Zinserhöhung „näher rückt“.
Durchwachsene Ergebnisse von 30 Jahren Nullzinspolitik
Auch das Ergebnis einer Analyse stützt den derzeitigen Kurs der Notenbank. Die BoJ hatte kürzlich eine grundsätzliche Bewertung von fast 30 Jahren Null- und Negativzinspolitik vorgenommen. Danach stimulierte die groß angelegte monetäre Lockerung zwar nachweislich die Wirtschaftsaktivität und das Preisniveau, die Wirkung blieb aber hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Zudem hätten die niedrigen Erträge aus Kreditzinsen die Margen der Banken geschwächt, auch seien die Risiken für Finanzkrisen gewachsen.
Die BoJ hält es daher für „angemessen“, ihre Geldpolitik auch künftig flexibel an dem zweiprozentigen Inflationsziel auszurichten. Stefan Angrick, Volkswirt von Moody’s Analytics in Tokio, prognostiziert: „Wir erwarten zwei Zinsanhebungen im Jahr 2025.“