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KI-BriefingWie ein KI-Avatar in fünf Minuten lernte, mich zu imitieren

Synthesias Avatare überzeugen Kunden und Investoren, ein Münchener Ethik-Professor unterstützt Elon Musk und ein Gründer spendiert Finnland 13 Professoren für KI. Die KI-News der Woche.Larissa Holzki 17.01.2025 - 15:14 Uhr Artikel anhören
Eine KI entdeckt ihren Klon Foto: Larissa Holzki | Dall-E

Wenn Sie nur wenig Zeit haben, liebe Leserinnen und Leser, 

dann erstellen Sie sich einen KI-Avatar und lassen Sie sich von ihm vertreten. Wenn Sie zum Beispiel Schulungen geben, Produkte präsentieren oder neue Kolleginnen und Kollegen einarbeiten, ist das eine Überlegung wert. Vielleicht kann Ihr digitaler Klon das fast genauso gut. Europas wohl bekanntester Anbieter für KI-Avatare, Synthesia, hat jedenfalls nach eigenen Angaben bereits 60.000 Kunden.

Warum das wichtig ist? Durch Künstliche Intelligenz und KI-Avatare wird die Videoproduktion so einfach und günstig wie nie zuvor. Auf der Plattform von Synthesia können Sie einen eigenen Avatar erstellen oder auswählen und ihn sagen lassen, was Sie wollen. Früher brauchten Sie für die Videoproduktion eine Kamera, heute reicht ein Sprachbefehl.

KI-Briefing

Wie ein KI-Avatar in fünf Minuten lernte, mich zu imitieren

17.01.2025
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Wenn etwas günstiger wird, wird es häufiger eingesetzt. Für Ökonomen ist das das Geheimnis hinter jeder Innovation. Ja, die Filmchen sehen noch nicht aus wie Hollywood-Produktionen. Und ja, natürlich machen Sie persönlich die Schulung noch besser als Ihr digitaler Klon. Aber plötzlich lohnt sich für Unternehmen der Einsatz von Videos, wo er bis jetzt zu aufwendig oder teuer war. Dass Unternehmen darauf längst reagieren und immer mehr Videos einsetzen, zeigt der Erfolg von Synthesia.

Laut dem Technologiemagazin „The Information“ macht das 2017 gegründete Unternehmen inzwischen gut sechs Millionen Dollar Umsatz pro Monat mit Softwareabos. Das sind aufs Jahr gerechnet etwa 70 Millionen Dollar.

Ob die Zahlen stimmen, lässt sich bei Synthesia nicht in Erfahrung bringen. Aber das Geschäft läuft gut genug, um Investoren zu überzeugen, dass der Firma großes Wachstum bevorsteht: In einer vierten Finanzierungsrunde hat Synthesia gerade 180 Millionen Dollar eingesammelt und zählt mit einer Bewertung von 2,1 Milliarden Dollar jetzt zu den wertvollsten KI-Start-ups Europas.

Victor Riparbelli, CEO von Synthesia Foto: Synthesia

Wer dahinter steckt? Die Firma mit Sitz in London wurde 2017 von vier Forschern und Entwicklern gegründet. Darunter sind Unternehmenschef Victor Riparbelli und Matthias Nießner, der an der Technischen Universität München zu Visuellem Computing forscht.

Wie einfach es ist, mit Synthesia einen digitalen Klon zu erstellen, davon habe ich mich in der vergangenen Woche selbst überzeugt: Mit meinem Kollegen Lukas Teppler habe ich im Podcast-Studio fünf Minuten Videomaterial aufgenommen. Das reichte Synthesias KI, um zu lernen, meine Lippenbewegungen und Gesten zu imitieren. Und so sieht das dann aus:

Mehr zur Finanzierungsrunde von Synthesia und was Victor Riparbelli mit dem frischen Kapital vorhat, lesen Sie hier.

Worüber die Szene spricht

Christoph Lütge, Direktor des Institute for Ethics in AI an der TU München Foto: Astrid Eckert (TUM

Über eine Äußerung des Direktors am Institut für Ethik in der Künstlichen Intelligenz an der Technischen Universität München. In einem Beitrag auf der Karriereplattform LinkedIn unterstützte Christoph Lütge die Entscheidung von Meta-Chef Mark Zuckerberg, die Faktenchecks auf seinen Plattformen Instagram und Facebook abzuschaffen. Nach der Ankündigung schrieb Lütge, es sei ein „guter Tag für die Meinungsfreiheit“.

Dazu sollte man wissen, dass das Ethik-Institut der TU München 2019 mit Unterstützung von Zuckerbergs Konzern gegründet wurde, um die Fairness von Künstlicher Intelligenz zu erforschen. Dafür hat Meta eine Erstfinanzierung von 6,5 Millionen Dollar für fünf Jahre bereitgestellt. Deshalb steht jetzt die Befangenheit von Lütge in Frage. Ein LinkedIn-Nutzer schreibt: „Da nehmen wir's mit der Ethik nicht mehr so genau, gell Herr Lütge?“

Meine Kollegin Lina Knees hat den Institutsleiter angerufen. Lütge selbst sagt zu den Vorwürfen: „Nach der Logik hätte ich die Politik von Meta durchweg unterstützen müssen. Das habe ich nicht.“ Außerdem habe er in der Debatte um Faktenprüfung schon immer die Position von Elon Musk unterstützt, der die Checks auf seiner Plattform längst abgeschafft hat. Mehr dazu lesen Sie bei meinen Kolleginnen Lina Knees und Luisa Bomke.

Was Sie sonst noch wissen sollten

SiloAI-Chef Peter Sarlin finanziert 13 KI-Professuren in Finnland. Foto: Ari-Matti Ruuska

1. Er machte mit seiner KI-Firma Millionen – jetzt sponsort er 13 Professoren in seinem Land: SiloAI-Chef Peter Sarlin finanziert fast jeder Uni in Finnland eine neue KI-Professur. Mehr als ein Dutzend Rektoren suchen deshalb seit Jahresbeginn nach einem Top-Wissenschaftler oder einer Top-Wissenschaftlerin. Denn Sarlin hat den Unis zwei Bedingungen gestellt: Sie müssen exzellente Forscher finden und die Stellen immer wieder nachbesetzen.

Unser Vize-Chefredakteur Martin Knobbe bezeichnet Peter Sarlin in seinem Editorial heute als „Role Model“ – und als Gegenmodell zu Elon Musk, um den es in unserer Titelgeschichte für das Wochenende geht. Beide nutzten die Macht und den gesellschaftlichen Einfluss, den viele Unternehmer hätten. Der eine so, der andere so.

2. Nvidia fürchtet wegen neuen US-Ausfuhrregeln um sein Geschäft. Kurz vor dem Ende seiner Präsidentschaft hat US-Präsident Joe Biden komplexe Exportbeschränkungen beschlossen: Ab dem kommenden Jahr sollen nur noch enge Verbündete der USA uneingeschränkt mit KI-Chips beliefert werden. Denn die US-Regierung befürchtet, dass Länder wie China und Russland die Hochleistungsprozessoren für militärische Zwecke nutzen könnten. Joachim Hofer berichtet, wie deutsche Unternehmen betroffen sein könnten – wenn Trump nicht eingreift.

David Reger, Chef von Neura Robotics Foto: Neura Robotics

3. Deutsches Robotik-Start-up sammelt 120 Millionen Euro ein.  Neura Robotics hat seine Produktion komplett von China zurück nach Deutschland verlagert, um humanoide, kognitive Roboter zu bauen. Sie sollen in der Fertigung, in der Logistik und im Gesundheitswesen direkt mit Menschen zusammenarbeiten können. CEO David Reger sieht in dem Geschäft mehr Marktpotenzial als für Smartphones: Aufträge im Wert von einer Milliarde Euro soll seine Firma bereits erhalten haben. Martin-Werner Buchenau und Nadine Schimroszik berichten, warum auch Investoren von Neura Robotics überzeugt sind.

4. Analysten loben die neue Robotik-Plattform von Nvidia. Der Chipkonzern hatte auf der Consumer Electronics Show (CES) eine Art digitalen Raum vorgestellt, in dem KI für Roboter trainiert werden kann. Drei Forscher des Fraunhofer Instituts haben sich die Plattform nun genauer angesehen. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt analysieren sie, wie deutsche Unternehmen damit wettbewerbsfähig werden können.

Kenza Ait Si Abbou, Technologievorständin bei Fiege Foto: Fiege

5. KI-Anwendungen bieten in der Logistik besonders großes Potenzial. Das sagen jedenfalls die Technologievorständin Kenza Ait Si Abbou und Daten- und KI-Direktorin Claudia Pohlink beim Logistikdienstleister Fiege. In dem Unternehmen wird Künstliche Intelligenz bereits eingesetzt, zum Beispiel um Lager optimal auszunutzen und Routen zu optimieren. In unserer Serie „KI für den Mittelstand“ hat Anja Müller die Managerinnen auch gefragt, welche Tipps sie anderen Mittelständlern geben.

Grafik der Woche

Unternehmen weltweit wollen ihre Investitionen in Künstliche Intelligenz um 60 Prozent steigern. Das ist das Ergebnis einer Umfrage aus dem AI Radar der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Demnach plant ein Drittel der befragten 1800 Unternehmen, dieses Jahr mehr als 25 Millionen Dollar in KI zu investieren, sechs Prozent sogar mehr als 100 Millionen Dollar.

Bemerkenswert ist auch, dass 60 Prozent der Unternehmen sich noch nicht konkret überlegt haben, welche finanziellen Ziele sie mit dem KI-Einsatz überhaupt erreichen wollen. Mehr dazu lesen Sie im Bericht von Luisa Bomke.

Was wir lesen

Wegen KI könnten 200.000 Stellen an der Wall Street wegfallen. Das ergab eine Umfrage von Bloomberg Intelligence unter IT-Vorständen. (Bloomberg)

OpenAI umwirbt Trump und veröffentlicht eine KI-Vision für Amerika. Der ChatGPT-Entwickler will, dass KI wenig reguliert wird. (New York Times)

KI bringt die Klimaziele in Gefahr. Die großen Tech-Konzerne setzen auf fossile Brennstoffe, um den Energiebedarf zu decken. (Financial Times)

Großbritannien will mit KI ökonomisch an die Weltspitze. Premierminister Keir Starmer hat dafür Milliardeninvestitionen angekündigt. (dpa/Handelsblatt)

OpenAIs KI-Agent „Operator“ soll noch im Januar starten. Der Agent soll etwa eigenständig Reisen buchen und Code schreiben können. (Decoder)

MistralAI will seinen Chatbot mit 2000 auf Fakten geprüfte Nachrichten füttern. Das Pariser Start-up hat dazu einen Deal mit der Presseagentur AFP geschlossen. (Financial Times)

RaspberryAI sammelt 24 Millionen Dollar bei Andreessen Horowitz ein. Das Fashion-Start-up designt Mode mithilfe von generativer KI. (Techcrunch)

Kennen Sie schon...?

Dennis Dickmann (l.) und Kai Kölsch Foto: Seedbox.AI

Wer sind Dennis Dickmann und Kai Kölsch? Die beiden Gründer des KI-Start-ups Seedbox.AI hätten mit dieser lustigen Namenskombination wohl auch Comedy machen können. Tatsächlich entwickeln sie KI-Lösungen für den Mittelstand.

Wo kommen sie her? Kölsch wurde in Stuttgart geboren, Dickmann stammt aus Bremen. Getroffen haben sie sich schließlich als Mitarbeiter bei Mercedes, bevor sie 2020 gemeinsam gründeten.

Was haben sie vor? Die Unternehmer wollen den neuen Supercomputer „Hunter“ nutzen, der Donnerstag in Stuttgart in Betrieb gegangen ist. Die Seedbox-Gründer haben dabei ihr erstes Sprachmodell vorgestellt, das auf Llama von Meta beruht. Künftig wollen sie weitere Modelle speziell für den deutschen Markt anpassen.

Das sollten Sie ausprobieren

Mit ChatGPT Task können Nutzer sich an Aufgaben erinnern lassen. Foto: Screenshot/Lina Knees

Die neue ChatGPT-Funktion „Task“ klingt verheißungsvoll: Laut OpenAI soll sie Aufgaben autonom ausführen. Zahlende Nutzer können ChatGPT wiederkehrende Aufträge geben. Meine Kollegin Lina Knees empfiehlt das nach ihrem Test allerdings nur eingeschränkt.

Um die Funktion zu testen, hat Lina ChatGPT zwei Aufgaben gestellt: „Übe jeden Tag um 11 Uhr Französischvokabeln mit mir“ und „Erstelle eine KI-Nachrichtenzusammenfassung um 8 Uhr morgens“.

Das Vokabeltraining hat gut funktioniert, sagt Lina, für diese Art von Aufgabe sei die Funktion praktisch. Mit der Nachrichtenzusammenfassung war sie jedoch nicht zufrieden. Denn erstens lässt sich die Task-Funktion noch nicht mit der Websuche verbinden – ob die News aktuell sind, ist daher schwer nachzuvollziehen. Zweitens machte ChatGPT anders als bei der Websuche-Funktion keine Quellenangaben. Ihr Fazit: Momentan ist Task noch ein etwas besserer Wecker, mit dem Sie sich an Aufgaben erinnern lassen können. Und diese Einschätzung teilen auch andere Nutzer auf LinkedIn.

Wenn Sie die Funktion dennoch testen wollen, gehen Sie so vor: Öffnen Sie ein neues ChatGPT-Fenster und wählen Sie im Drop-Down-Menü oben links „GPT-4 mit geplanten Aufgaben“. Formulieren Sie dann Ihre Aufgabe wie gewohnt im Chatfenster. Sobald Sie selbst Aufgaben gespeichert haben, finden Sie diese über Ihr Profil-Symbol unter „Aufgaben“. Und wenn Sie eine gute Idee für eine Anwendung haben, berichten Sie uns doch davon.

Wo Sie uns nächste Woche treffen

In Davos findet vom 20. bis 24. Januar das World Economic Forum statt. Foto: Bloomberg

Auch in diesem Jahr reist ein Handelsblatt-Team zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Am Dienstagabend, 21. Januar, laden wir dort mit der Unternehmensberatung Accenture zu einem Empfang an der Promenade ein.

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Zu Gast sind Merck-Chefin Belén Garijo und Wolfgang Ischinger, ehemaliger deutsche Botschafter in Washington und zuletzt Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Mit Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes werden sie diskutieren, wie Europa innovativer und technologisch souveräner werden kann. Wenn Sie in Davos sind und gern dabei wären, schreiben Sie uns eine Mail an newsletter@handelsblatt.com.

Das war das KI-Briefing Nummer 73. Mitarbeit: Luisa Bomke, Lina Knees, Hendrik Wünsche (Grafik). Wenn Sie auch nächste Woche wieder mitlesen wollen, abonnieren Sie das KI-Briefing am besten als Newsletter.

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