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QuartalszahlenCommerzbank überrascht positiv – höchster Gewinn seit 2011

Die zweitgrößte deutsche Privatbank übertrifft im ersten Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich. Dafür ist auch eine Tochtergesellschaft verantwortlich, die dem Institut lange Kummer bereitet hatte.Andreas Kröner 09.05.2025 - 15:12 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Der Schriftzug „Commerzbank“ an der Commerzbank-Zentrale im Zentrum Frankfurts: Die Bank sendet ein Zeichen mit ihren starken Geschäftszahlen. Foto: Helmut Fricke/dpa

Frankfurt. Die Commerzbank hat ihren Gewinn im Übernahmekampf mit Unicredit überraschend ausgebaut. Das Konzernergebnis stieg dank eines florierenden Wertpapiergeschäfts und einer positiven Entwicklung der polnischen Tochter M-Bank um zwölf Prozent auf 834 Millionen Euro, wie Deutschlands zweitgrößte Privatbank am Freitag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinnrückgang auf 698 Millionen Euro gerechnet.

„Wir haben den höchsten Quartalsgewinn seit 2011 erzielt und zeigen damit, dass wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wachsen können“, sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp. Die Commerzbank-Aktie legte bis zum Mittag 2,5 Prozent zu auf 24,90 Euro.

Die Erträge der Commerzbank stiegen im ersten Quartal um zwölf Prozent auf 3,1 Milliarden Euro und lagen damit wie der Gewinn über den Markterwartungen. Maßgeblich dazu beigetragen hat der Provisionsüberschuss, der um sechs Prozent auf eine Milliarde Euro kletterte – vor allem dank eines starken Wertpapiergeschäfts mit Privatkunden.

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Besonders die Kundinnen und Kunden der Onlinetochter Comdirect hätten aufgrund der hohen Schwankungen an den Börsen mehr als üblich gehandelt, sagte Finanzchef Carsten Schmitt. „Natürlich profitieren wir in einem Quartal, in dem wir so starke Marktbewegungen sehen, außerordentlich.“

Darüber hinaus habe es wegen des stärkeren Fokus auf die Vermögensverwaltung aber auch einen strukturellen Zuwachs beim Provisionsüberschuss gegeben. Dabei handelt es sich um Gebühreneinnahmen, die unabhängig von der Zinsentwicklung sind. Die Commerzbank will ihn im Rahmen ihrer Strategie „Momentum“ bis 2028 pro Jahr um sieben Prozent steigern.

Der Zinsüberschuss ging im ersten Quartal dagegen leicht zurück auf 2,1 Milliarden Euro. Grund dafür ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Sie zahlt Finanzinstituten mittlerweile nur noch 2,25 Prozent Zinsen, wenn diese über Nacht überschüssige Liquidität bei ihr parkten. Anfang 2024 waren es noch vier Prozent.

Institut will bald weitere Aktien zurückkaufen

Für das Gesamtjahr bekräftigte die Commerzbank den Großteil ihrer Ziele und strebt weiterhin einen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro an. Bei der Kernkapitalquote erwartet sie nun einen Wert von mindestens 14,5 Prozent statt wie bisher von mehr als 14 Prozent. Die Kernkapitalquote ist eine zentrale Kennzahl für die Robustheit von Geldhäusern.

Der italienische Konkurrent Unicredit ist im September 2024 mit neun Prozent bei der Commerzbank eingestiegen und hat sich über Finanzinstrumente mittlerweile Zugriff auf 28 Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert. Das italienische Geldhaus legt seine Zahlen für das erste Quartal am Montag vor.

Unicredit-Chef Andrea Orcel hat angekündigt, dass er vor einem möglichen Übernahmeangebot für die Commerzbank zunächst Gespräche mit der neuen Bundesregierung führen will, die mit zwölf Prozent größter Aktionär ist. Der neue Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich vor der Wahl gegen eine Übernahme ausgesprochen.

Orlopp betonte, die Commerzbank stehe mit dem Großaktionär Bund regelmäßig in Kontakt. Die neue Regierung sei jedoch gerade erst gestartet. Die Commerzbank gebe ihr die Zeit, „sich da zurechtzufinden und vorzubereiten, und dann werden wir alles Weitere sehen“.

Allerdings meldete sich am Freitag auch Finanzminister Lars Klingbeil erstmals zu Wort: „Wir setzen auf die Eigenständigkeit der Commerzbank“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Ein unfreundliches Vorgehen wie das der Unicredit ist inakzeptabel. Das gilt besonders, wenn es sich um eine systemrelevante Bank wie die Commerzbank handelt.“

Neben den Gesprächen mit der Bundesregierung will Orcel auch abwarten, ob der jüngste Kursanstieg der Commerzbank nachhaltig ist. Die Commerzbank-Aktie hat seit Jahresanfang mehr als 50 Prozent zugelegt. Eine Übernahme des Instituts würde für die Italiener damit teurer.

Der Chef der italienischen Unicredit Andrea Orcel: Er will erst einmal abwarten. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die Commerzbank steht einer Übernahme kritisch gegenüber und will ihren Aktionären mit steigenden Gewinnen und hohen Ausschüttungen eine eigenständige Zukunft des Instituts schmackhaft machen.

Im laufenden Jahr will das Institut 100 Prozent seines Gewinns vor Restrukturierungsaufwendungen von rund 700 Millionen Euro an seine Aktionäre ausschütten in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen. Seinen nächsten Aktienrückkauf wolle das Institut zu Beginn des dritten Quartals bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beantragen, kündigte es an.

M-Bank hat Gewinn mehr als verdoppelt

Im operativen Geschäft entwickelte sich im ersten Quartal besonders die polnische Tochter M-Bank gut, die den Frankfurtern in den vergangenen Jahren immer wieder Kummer bereitet hatte. Von Januar bis Ende März hat sie ihr operatives Ergebnis nun aber mehr als verdoppelt auf 204 Millionen Euro.

Grund dafür waren gestiegene Zinseinnahmen sowie Fortschritte bei der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten wegen Schweizer-Franken-Krediten. Zahlreiche Polen haben diese vor vielen Jahren für Baufinanzierungen aufgenommen.

Anschließend verlor allerdings die Landeswährung Zloty gegenüber dem Franken an Wert, weshalb die Belastungen für Kreditnehmer stiegen. Viele von ihnen gingen daraufhin wegen möglicherweise unrechtmäßiger Klauseln gerichtlich gegen polnische Geldhäuser vor.

Die M-Bank musste ihre Risikovorsorge deshalb mehrfach aufstocken. Mittlerweile hat sich das Institut aber mit zahlreichen Klägern auf Vergleiche verständigt. Im ersten Quartal beliefen sich die Belastungen deshalb nur noch auf 158 Millionen Euro nach 318 Millionen Euro im Vorjahr.

Vorsorge für Kreditausfälle steigt kräftig

In Deutschland bekam die Commerzbank von Januar bis Ende März die schwache Wirtschaftsentwicklung und die steigende Zahl von Insolvenzen zu spüren. Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite legte um 63 Prozent auf 123 Millionen Euro zu. Der Anstieg fällt damit deutlich stärker aus als bei der Deutschen Bank, bei der die Risikovorsorge im ersten Quartal lediglich sieben Prozent höher ausfiel.

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Analysten hatten bei der Commerzbank im Schnitt mit einem noch deutlicheren Anstieg der Risikovorsorge auf 151 Millionen Euro gerechnet. Im Gesamtjahr geht das Institut weiter von rund 850 Millionen Euro aus.

Orlopp sieht trotz der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump keinen Bedarf, die Prognose für die Risikovorsorge anzuheben. „In Summe sehen sie uns hier sehr gut gewappnet“, sagte die Vorstandschefin. „Wir sind da jetzt nicht besonders besorgt.“

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