Wagniskapital: Französischer Investor sammelt eine Milliarde Dollar ein
Berlin. Der Pariser Investor Cathay Innovation hat seinen dritten Fonds von mehr als einer Milliarde Dollar geschlossen. „Das ist unser bisher größter Fonds“, sagte der Mitgründer von Cathay Innovation, Denis Barrier, dem Handelsblatt. Das Geld will er ausschließlich in Start-ups investieren, die Künstliche Intelligenz (KI) anwenden, und zwar in Bereichen wie Maschinenbau, Gesundheit und Energie.
Der neue Fonds dürfte das Rennen um die aussichtsreichsten KI-Start-ups weiter anheizen. In Europa sticht Cathay Innovation mit seinem Megafonds in diesem Jahr deutlich hervor. Laut dem Datendienst Pitchbook wurden im ersten Quartal in ganz Europa lediglich insgesamt 2,3 Milliarden Dollar von 24 Risikokapitalgebern (VCs) eingesammelt.
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Cathay Innovation dürfte von seinem direkten Draht in die Wirtschaft profitiert haben, um die im europäischen Vergleich große Summe einzusammeln. Zudem hat der Investor in der Vergangenheit schon Börsengänge und Verkäufe gestemmt.
In Deutschland hat sich Cathay Innovation bereits an dem Gesundheits-Fintech Nelly beteiligt, das Ärzten bei der Digitalisierung ihrer Praxen hilft. Durch den Einsatz von KI automatisiert Nelly Prozesse von der Patientendokumentation bis hin zur Bezahlung und Abrechnung.
„Ungeachtet der makroökonomischen Unsicherheiten wird sich der KI-getriebene Wandel der globalen Industrie ebenso wie die Reindustrialisierung in Europa fortsetzen“, ist sich der Gründer von Cathay Capital, MingPo Cai, sicher. Die Private-Equity-Gesellschaft Cathay Capital ist die Muttergesellschaft von Cathay Innovation.
Brücke zwischen Start-up- und Geschäftswelt
„Wir vernetzen beide Seiten miteinander und agieren als Plattform, um bei der Transformation von Industrien zu helfen“, sagte Barrier. Als ein Beispiel nennt er das Pariser Biotech-Start-up Aqemia, das mithilfe von KI und Quantentechnologie nach neuen Medikamenten sucht. Die Firma ist inzwischen Partner von Sanofi. Der Wert des Deals, den beide Unternehmen geschlossen haben, wird mit 140 Millionen Dollar veranschlagt.
„Wir investieren rund 50 Prozent in Europa, ein Viertel in den USA und ein Viertel in Asien“, erklärte Barrier. Er sieht in der internationalen Ausrichtung den Vorteil, Marktschwankungen besser ausgleichen zu können. In der Vergangenheit hat Cathay Innovation Firmen wie den chinesischen Onlinehändler Pinduoduo und den spanischen Elektroauto-Ladegeräte-Anbieter Wallbox an die Börse gebracht sowie den spanischen Restaurantlieferdienst Glovo an Delivery Hero verkauft.
Cathay Innovation verfügt weltweit über Büros. In Deutschland ist Costanza Carissimo für die Investments verantwortlich. Sie gibt den hiesigen Start-ups auch gleich eine Aufgabe mit: „Ich würde gerne mehr Pitches von Firmen sehen, die nicht nur großartige lokale Unternehmen sind, sondern eine kühne, grenzüberschreitende Vision haben.“ Sie sei an Teams interessiert, die globale Ambitionen hätten.