Sicherheit: Wie sich Island ohne eigene Armee verteidigen möchte
Reykjavík. Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir hat arbeitsintensive Monate hinter sich. Die 59 Jahre alte Außenministerin Islands sitzt im Mai in ihrem Büro in Reykjavík, vor dem Fenster pfeift der Wind, es sind ein paar Grad über Null. Ein klassischer isländischer Frühling.
Seit dem Winter ist das Gunnarsdóttirs Arbeitsplatz. Die liberale Politikerin ist oberste Diplomatin des 400.000 Einwohner zählenden Landes mitten im Nordatlantik, allein im Berliner Bezirk Pankow leben mehr Menschen. Und doch muss die Chefin der Viðreisn-Partei weltweit immer wieder mit den ganz Großen verhandeln.
Die Spannungen in der Arktis haben zuletzt wieder zugenommen, die Großmächte USA, Russland und China kämpfen immer intensiver um die Vormachtstellung im Nordpolarmeer. „Deshalb müssen wir uns ein wenig umorientieren, wenn es um Island und die Isländer geht“, sagt Gunnarsdóttir dem Tagesspiegel.
EU-Referendum bis 2027
Obwohl Island Nato-Gründungsmitglied ist, verfügt es über keine eigene Armee. Einer militärischen Auseinandersetzung vor der fast 5000 Kilometer langen Küste wäre das Land trotz zahlreicher Abkommen und Verträge erst einmal nahezu schutzlos ausgeliefert.