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Trumps Mauer zu Mexiko„Eine Lösung aus dem 14. Jahrhundert“

Mit einer Mauer sollen illegale Einwanderer aus Mexiko ferngehalten werden – so hat es der designierte US-Präsident Donald Trump den Wählern versprochen. Nach dem Urteil vieler Experten könnte das voreilig gewesen sein.Klaus Ehringfeld 28.12.2016 - 20:45 Uhr Artikel anhören

Rund ein Drittel der gesamten Grenze Mexiko-USA ist bereits mit Zäunen oder Metallabsperrungen gesichert. Im Wahlkampf forderte Trump eine durchgehende Mauer. Experten raten ihm jedoch davon ab.

Foto: dpa - picture-alliance

Mexiko-Stadt. Kaum ein Thema nahm bei Donald Trumps Wahlkampfauftritten so viel Platz ein wie Mexiko und die Mauer, die er zum südlichen Nachbarn bauen lassen will. Der Kandidat versprach den Grenzwall, um „Drogendealer und Vergewaltiger“ abzuschrecken. Zahlen soll die Mauer Mexiko. Wie, das ließ Trump stets unbeantwortet.

Als gewählter Präsident macht er nun offenbar ernst mit seinen Plänen. Sein Übergangsteam lässt derzeit prüfen, wie machbar eine stärker befestigte Demarkationslinie zwischen beiden Staaten ist, wo überhaupt eine Mauer sinnvoll wäre und wo andere Befestigungen denkbar sind. Dies berichten mehrere Medien in den USA und Mexiko unter Berufung auf Politiker der US-Demokraten. Und offenbar melden die Grenzexperten zurück: eine durchgehende Mauer mache wenig Sinn.

Man brauche eher einen Zaun an ausgewählten Stellen der 3200 Kilometer langen Division zwischen beiden Staaten. Denn auf rund einem Drittel der Grenze stehen bereits Zäune oder Metallabsperrungen. Im US-Bundesstaat Texas, der alleine rund 1500 Kilometer Grenze mit Mexiko teilt, sind aber nur 160 Kilometer gesichert, wie die Nachrichtenagentur AP schreibt. An den übrigen Stellen bilden der Rio Grande, die Wüste und Berge eine natürliche Grenze.

Trumps Einwanderungspläne in Zahlen
Rund 11 Millionen
2012 schätzte die US-Regierung, dass 1,9 Millionen Einwanderer verurteilte Kriminelle seien und abgeschoben werden könnten.
Die Washingtoner Denkfabrik Migration Policy Institute schätzt, dass rund 820.000 der kriminellen Immigranten illegal ins Land kamen.
Mehr als 2,5 Millionen.
Jede Abschiebung kostet im Durchschnitt etwa 12.500 Dollar (rund 11.600 Euro), wie aus einer Schätzung der Regierung aus dem Jahr 2011 hervorgeht.
Vor dem Bundeseinwanderungsgericht sind mehr als 521.000 Fälle noch nicht entschieden, wie aus Angaben des Transactional Records Access Clearinghouse an der Syracuse University hervorgeht.
88.128 (Stand 2015), wie aus Angaben des Exekutivbüros für Immigrationsprüfung am US-Justizministerium hervorgeht.
Mehr als 741.000. Diese werden nicht abgeschoben und sollen legal in den USA arbeiten dürfen.
Entlang der Grenze der USA zu Mexiko steht bereits ein etwa 1.000 Kilometer langer Zaun. Er befindet sich in Teilen der US-Staaten Texas, New Mexico, Arizona und Kalifornien.
Rund 3.200 Kilometer.
18.321 patrouillieren an der Grenze der USA zu Mexiko.
Im Haushaltsjahr 2016, das am 30. September zu Ende ging, wurden 408.870 Personen festgenommen, als sie versuchten, die Grenze illegal zu überqueren.

Daher konzentriert Trump seine Pläne auf Texas. Die US-Grenzpolizei kontaktierte Mitte Dezember den demokratischen Abgeordneten im Repräsentantenhaus, Henry Cuellar, um seine Meinung zu einer Mauer zu hören. Die Grenzschützer wiederum seien von Trumps Team um konkrete Vorschläge gebeten worden.

Cuellar, zu dessen Wahlkreis Laredo gehört, hält es für kompliziert, die Division in der 255.000-Einwohner-Stadt stärker abzusichern. In einem der wichtigsten Umschlagplätze zwischen den beiden eng verzahnten Wirtschaftspartnern Mexiko und USA seien schwerere Grenzanlagen wenig sinnvoll. Aber die Vertreter des künftigen US-Präsidenten wollten sich mit einer negativen Aussage nicht zufrieden geben.

„Die Trump-Headquarters haben insistiert und wollten wissen, wo in der Stadt ein Zaun oder eine Mauer gebaut werden könnte“, sagte Cuellar US-Medien. Aber das Einmauern der Stadt würde die Handelsströme stark bremsen, warnte der Abgeordnete. „Es ist eine Lösung aus dem 14. Jahrhundert für ein Problem des 21. Jahrhunderts“.

Trumps fünf Ankündigungen
Trump will per Erlass das bereits unterzeichnete transpazifische Handelsabkommen TPP mit asiatischen, pazifischen und lateinamerikanischen Staaten stoppen. An dessen Stelle sollen bilaterale Handelsabkommen treten, deren Ziel die „Rückkehr von Arbeitsplätzen und Industrien“ in die USA sein müssten.
Trump will Umweltschutzbestimmungen und andere Regeln streichen, die die Ausbeutung heimischer Energiereserven behindern. Dabei gehe es auch um das Fracking-Verfahren zur Gewinnung von Schieferöl und um die Nutzung der Kohle. Damit würden „viele Millionen hoch bezahlter Arbeitsplätze“ geschaffen.
Trump will die Geheimdienste anweisen, der Bekämpfung von Cyberattacken und anderer Angriffe auf wichtige US-Infrastruktur Priorität einzuräumen.
Trump will das Arbeitsministerium anweisen, Visa-Missbrauch zu bekämpfen, um gegen die illegale Beschäftigung von Ausländern vorzugehen, die amerikanische Beschäftigte benachteiligten.
Trump will, dass Mitarbeiter der öffentlichen Hand nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst fünf Jahre lang nicht als Lobbyisten tätig werden dürfen. Lobbyarbeit für ausländische Regierungen soll früheren öffentlichen Angestellten lebenslang verboten werden.

Ähnliches berichtet der Bürgermeister von Laredo, Pete Saenz. Nach dessen Angaben will Trumps Übergangsteam in der Stadt die Grünstreifen durch Zäune, mehr Überwachungstechnologie, mehr Licht und Wege ersetzen, über welche die Grenzschützer patrouillieren können. Bisher gibt es in Laredo nur einen kleinen Zaun an einer Stelle. Die wirkliche Grenze zu der mexikanischen Nachbarstadt Nuevo Laredo im Bundesstaat Tamaulipas ist der Rio Grande. An vielen Stellen sei es unmöglich, eine Mauer zu bauen, zumal auch Naturschutzgebiete betroffen seien, betont Cuellar und erinnert auch an den ökonomischen Aspekt. Eine Meile Zaun koste rund 6,5 Millionen Dollar, sagt der Politiker. Die technische Überwachung zu verbessern, koste kaum eine Million pro Meile.

Es ist überhaupt eine absurde Diskussion. Die USA und Mexiko sind über die Nordamerikanische Freihandelszone Nafta enge Partner. Auf fast 550 Milliarden Dollar beläuft sich der legale Handel jährlich. Hinzu kommen Drogen im Wert von Hunderten von Millionen die von Mexiko Richtung Norden die Grenze passieren. Umgekehrt werden Waffen und Geld geschmuggelt. Vieles geht dabei über die Grenzübergänge in Laredo/Nuevo Laredo, Tijuana/San Diego und Ciudad Juárez/El Paso. Sie gehören zu den am stärksten frequentierten Grenzpunkten der Welt.

Aber während Waren ungehindert und ohne Zölle zwischen beiden Ländern passieren können, bleibt den Menschen, die von Süd nach Nord wollen, die Grenze verschlossen, wenn sie kein Visum besitzen. Inzwischen ist allerdings die Migration aus Mexiko im Saldo negativ. Es kehrten jährlich mehr Mexikaner in ihre Heimat zurück, als den Weg in die USA suchten, schreibt das Pew Reserach Center in Washington. Derzeit drängten vor allem Migranten aus Zentralamerika in die USA, weil sie vor der Gewalt in Staaten wie Honduras, El Salvador und Guatemala flüchteten.

Trotz alledem will Trump den Bau der Grenzmauer den Mexikanern in Rechnung stellen und kalkuliert die Kosten auf fünf bis zehn Milliarden Dollar. Da die Regierung in Mexiko-Stadt dafür nicht aufkommen wird, will Trump das Geld über die Auslandsüberweisungen der Migranten reinholen. „Die US-Regierung könnte die Überweisungen konfiszieren oder sie besteuern“, sagt Alfredo Coutiño, Lateinamerikadirektor bei der US-Ratingagentur Moody’s Analytics.

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Erhöbe Trump Steuern von fünf Prozent nur auf die Überweisungen der Migranten ohne gültige Papiere, würde er so nach Berechnungen von BBVA Bancomer pro Jahr 1,3 Milliarden Dollar zurückstellen können. Damit könnte man schon ein beträchtliches Stück Zaun oder Mauer errichten.

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