BWL-Professor Christian Scholz: „Der MBA muss sich neu erfinden“
Als erste deutsche Hochschule einen MBA-Titel verliehen.
Foto: ullstein bild - Becker & BredelSaarbrücken. Der Vater des deutschen MBA hat gute Laune. Gleich wird er bei der Gewerkschaft Verdi einen Vortrag zum Thema Work-Life-Blending halten, also der Verschmelzung von Arbeitszeit und Freizeit durch die Digitalisierung. Es ist Christian Scholz’ Lieblingsthema.
In der Wissenschaftsszene hat sich der 65-Jährige vor allem als Organisations- und Personalexperte einen Namen gemacht. Nach dem Master of Business Administration hat ihn schon länger niemand mehr gefragt. Dabei war er es, der vor fast 30 Jahren den MBA nach Deutschland brachte.
Die Universität des Saarlandes, an der Scholz Betriebswirtschaft lehrt, war die erste Hochschule hierzulande, die den Titel verlieh. Diesen Sommer geht Scholz in Pension. Auf den MBA ist er stolz. Zufrieden ist er jedoch nicht.
Wir dürfen Lernen nicht als rausgeschmissene Zeit ansehen, sondern als Notwendigkeit, um im digitalen Zeitalter zu bestehen.
Foto: imago/Becker&BredelProfessor Scholz, 1989 haben Sie das erste deutsche MBA-Studium ins Leben gerufen. Brauchte es wirklich einen weiteren Wirtschaftsabschluss?
Ich hatte damals in Harvard studiert und damit geliebäugelt, ganz nach Amerika zu gehen. Insbesondere die Business Schools in Harvard und Stanford fand ich spannend, weil sie eine große Industrienähe hatten, praxisnahe Forschung betrieben und weil dort Manager mit Erfahrung studierten. Deren Wissen und deren Kontakte sind für Forschung und Lehre unbezahlbar. Das war ganz anders als die klassische Weiterbildung in Deutschland.