Dax-Ausblick: Das Coronavirus hat den Dax im Griff
Die Corona-Epidemie hat massive Auswirkungen auf die Märkte.
Foto: dpaFrankfurt. Momentan bestimmen die täglichen Nachrichten aus China die Kurse an den Finanzmärkten. Die Sorgen um die Ausbreitung des Coronavirus halten an und haben das bekannte Verhaltensschema aktiviert: Anleger verkaufen Risikopapiere und schwenken auf sogenannte sichere Häfen um. Daher bleiben Aktienkurse und Rohstoffpreise im Rückwärtsgang, während die Notierungen erstklassiger Anleihen und der Goldpreis steigen.
Im Kern geht es um die Frage, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in eine anhaltende Konjunkturdelle münden könnten. Insgesamt betrachtet strahlen die Ängste bisher allerdings nur moderat auf die Aktienmärkte aus. Die Wall Street ist noch nahe an ihren Rekordständen. Der Dax dagegen, der von vielen exportabhängigen Firmen abhängt, liegt mehr als vier Prozent unter seinem Januar-Hoch. Am Freitag fiel er unter das Niveau von 13.000 Punkten.
Konjunktursensible Werte wie Lufthansa und Daimler haben im ersten Monat des neuen Jahres zwar zweistellige prozentuale Verluste hinnehmen müssen. Starke Kursgewinne etwa bei der Deutschen Bank, Wirecard und RWE begrenzten jedoch die Dax-Talfahrt.
In den aktuellen Börsenvorschauen dominieren die beruhigenden Stimmen. Die Analysten der DZ Bank halten das Risiko einer weltweiten Pandemie für begrenzt. Ihre Prognose: „Insgesamt wird die Unsicherheit zunächst sicherlich weiter steigen. Spätestens im März dürfte sich dies aber wieder legen, wenn die Grippesaison langsam ausläuft.“ Dann dürfte auch die Phase hoher Schwankungen an den Märkten wieder auslaufen.
Martin Stürner, Chef des Vermögensverwalter PEH Wertpapier, zieht seine Zuversicht aus der historischen Rückschau. Er erinnert an die bisherigen Virenepidemien dieses Jahrtausends, angefangen von Sars im Jahr 2002/2003 über die erste Vogelgrippe einige Jahre später bis zum zweiten Ausbruch vor etwa sieben Jahren. Die Kursrückschläge seien immer geringer ausgefallen. Stürner beobachtet einen Gewöhnungseffekt. „Es wäre deshalb fatal, jetzt übereilt auf die Verkäuferseite zu wechseln“, glaubt er.
Bestimmte Branchen leiden unter den Folgen des Coronavirus'
Nach Ansicht des PEH-Chefs besteht die gute Chance, dass die Märkte mit einem kurzen Schock davon kommen. Stürner erkennt jedoch ähnlich wie andere Experten Branchen, die durch die Folgen der Bekämpfung des Coronavirus überdurchschnittlich leiden könnten. Dazu zählt er Firmen aus konjunktursensiblen Bereichen, etwa Luxus-Konsumgüter, aber auch die Luftfahrt- und Tourismusbranche. Relativ sicher seien dagegen Technologietitel: „In der digitalen Welt spielen medizinische Viren keine wirkliche Rolle.“
Hier und da melden sich allerdings auch kritische Stimmen zu Wort. Die Analysten des Bankhauses Metzler fragen, „ob die Folgen des Coronavirus nicht unterschätzt würden“. Sie erinnern auch an eine mögliche Veränderung der US-Zinskurve. Diese drohe wieder invers zu werden.
Tiefere langfristige als kurzfristige Zinsen gelten als Signal für einen bevorstehenden Konjunkturrückschlag. Damit zeige sich, dass zumindest der Optimismus an der Wall Street „mehr und mehr bröckelt“. Andere Skeptiker argumentieren mit den fallenden Rohstoffpreisen, etwa denen von Kupfer und Öl.
Die am Freitag veröffentlichten Daten für das Wachstum im Euroraum fielen ebenfalls schwach aus. Sie zeigten für das vierte Quartal des vergangenen Jahres ein Plus von nur 0,1 Prozent. Das war noch vor dem Ausbruch des Coronavirus.
Die Analysten der VP Bank kommentieren: „Es klemmt an der einen oder anderen Stelle. Eine davon ist die Industrie. Sie leidet unter den Handelskonflikten und dem Strukturwandel in der Autoindustrie.“ Anschließend kamen schlechte Wirtschaftsdaten aus den USA dazu.
Trotz des heiß diskutierten Virenthemas rücken bereits in der kommenden Woche die US-Präsidentschaftswahlen in den Fokus. Mit den Vorwahlen in Iowa fällt der Startschuss. Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck, erwartet ein turbulentes Rennen um das Weiße Haus: „Nicht zuletzt aufgrund dieses Faktors ist mit stärkeren Kursschwankungen als im Vorjahr zu rechnen.“
Außerdem werden in der kommenden Woche Unternehmensdaten und insbesondere die Firmenausblicke genau analysiert werden. An der Wall Street läuft die Berichterstattungs-Saison der Quartalszahlen auf Hochtouren.
Unabhängig davon werden die Anleger in der nächsten Woche auch einen Blick auf die vielen anstehenden Wirtschaftsdaten werfen. Hier dürfte die Börsianer vor allem interessieren, inwieweit die Zahlen Rückschlüsse auf eine Eintrübung des Konjunkturklimas zulassen.
In den USA stehen am Montag der Stimmungsbericht für das verarbeitende Gewerbe an. Am Dienstag folgen die Auftragseingänge der Industrie, am Mittwoch Daten für die Stimmung im Dienstleistungsbereich. Ein Arbeitsmarktmarktbericht wird am Freitag veröffentlicht.
Dazu kommen am Montag und Mittwoch Ergebnisse verschiedener Einkaufsmanager-Indizes aus den USA, aus Europa und China. In Deutschland werden am Donnerstag außerdem Auftragszahlen für die Industrie veröffentlicht. Am Freitag rücken die nationalen Zahlen zur Industrieproduktion in den Mittelpunkt. Angaben zum gesamten Euroraum sind für Dienstag vorgesehen: Produzentenpreise und Einzelhandelsumsätze.