Rohstoffe: Preise für Gold und Silber stabilisieren sich: Investoren kehren zurück auf die Käuferseite
Der Goldpreis ist zu Wochenbeginn deutlich gefallen, hat sich jedoch inzwischen erholt.
Foto: AFPFrankfurt. Nach einem Einbruch von fast zehn Prozent innerhalb von nur zwei Tagen hat sich der Goldpreis stabilisiert. Er notierte am Mittwoch im Handelsverlauf rund ein Prozent im Plus bei 1935 Dollar pro Unze (rund 31 Gramm). Damit hat Gold die technisch wichtige Marke oberhalb des langjährigen Hochs von 1920 Dollar zurückerobert.
Am Dienstag war das Edelmetall zwischenzeitlich unter die Marke von 1900 Dollar pro Unze gefallen. „Der Ausverkauf hat charttechnisch viel Schaden angerichtet und Anleger verschreckt“, kommentiert Carsten Fritsch, Edelmetallexperte der Commerzbank.
David Iusow, Analyst beim Broker IG Markets, ergänzt, der Ausverkauf zeige erneut: Panikkäufe, um eine Rally nicht zu verpassen „werden hart abgestraft, wenn die Positionierung nahe einem Allzeithoch erfolgt.“ Noch härter traf es Silber: Der Preis gab in der Spitze um 15 Prozent nach, stabilisierte sich am Mittwoch jedoch oberhalb der Marke von 25 Dollar pro Unze.
Aus Sicht von Commerzbank-Experte Fritsch könnte es nun etwas dauern, bis die Edelmetallpreise an ihre Rally der vergangenen Wochen anknüpfen können. Zwar bleibe das fundamentale Umfeld für Gold und Silber dank negativer Realzinsen und hoher Staatsverschuldung ausgesprochen positiv. Auch Zinserhöhungen im Dollar- oder Euro-Währungsraum seien nicht absehbar. Dennoch hätten insbesondere Profi-Anleger ihre Gewinne mit Investments in goldgedeckten Indexfonds realisiert. Daten des Finanzdienstes Bloomberg zeigten drei Tage in Folge Nettoabflüsse. „Wir rechnen daher mit einer Konsolidierung, die durchaus einige Wochen andauern kann“, so Fritsch.
Michael Salden, Leiter Rohstoffe bei Vontobel Asset Management, erwartet, dass besonders kurzfristig orientierte und spekulative Investoren vorsichtiger werden. „Die Abwertung des US-Dollars ist ins Stocken geraten, und die US-Realzinsen sind in einer kurzfristigen zyklischen Erholung leicht gestiegen.“ Beide Faktoren werden von Analysten immer wieder als die wichtigsten Treiber der Edelmetallrally genannt. „Daher erwarten wir, dass Momentum- und kurzfristig orientierte Makro-Händler beide Signale nutzen werden, um sowohl bei Silber als auch bei Gold Gewinne einzustreichen“, so Salden.
Silber-Wette verliert an Schwung
Trotz des Einbruchs gehören Gold und Silber zu den erfolgreichsten Vermögensklassen im Jahr 2020. Gold notiert auf Jahressicht 28 Prozent im Plus, bei Silber sind es knapp 45 Prozent. Das Edelmetall hat nach Ansicht zahlreicher Analysten zuletzt von rekordtiefen Zinsen profitiert. So fiel die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen Anfang August auf ein Allzeittief von 0,5 Prozent. Nach Abzug der Inflation lag die Rendite für die Papiere bei minus 1,1 Prozent – so tief wie noch nie in der Geschichte der USA.
Gold, das keine Zinsen abwirft, wird in diesem Umfeld attraktiver, zumal beide Anlageklassen in vielen Portfolios als Absicherung gegen Kursverluste am Aktienmarkt gehalten werden. Der Preisanstieg bei Silber dürfte hingegen deutlich spekulativer getrieben sein. Zu Jahresbeginn war Silber im Vergleich zu Gold deutlich unterbewertet. Eine Unze Gold war so viel wert wie 120 Unzen Silber.
Dieses Verhältnis hatte sich in den vergangenen Wochen deutlich reduziert. Anfang August erhielten Anleger für eine Unze Gold nur noch 70 Unzen Silber. Doch die Wette auf eine stärkere Silber-Performance dürfte an Schwung verlieren, erwartet Vontobel-Stratege Salden. Er rechnet mit einer „Neupositionierung weg von Silber und zurück zu Gold“. Er glaubt: „Angesichts der Kombination der massiven Outperformance von Silber und seiner vergleichsweise geringeren Liquidität werden sich die Silbermärkte in den kommenden Tagen unruhig zeigen.“
Das größte Potenzial sieht Salden im Edelmetallsektor bei Platin und Palladium. Beide Edelmetalle werden überwiegend von der Autoindustrie genutzt, wo sie als Katalysatoren in der Abgasreinigung eingesetzt werden. Die starke Abhängigkeit von der Industrie sorgte dafür, dass Platin und Palladium nicht im gleichen Umfang von der Edelmetallrally profitieren konnten.
Platin notiert auf Jahressicht 1,7 Prozent im Plus bei 950 Dollar pro Unze. Palladium hängt mit einem Plus von rund 14 Prozent auf 2100 Dollar pro Unze auch deutlich hinter der Entwicklung des Goldpreises hinter her. Doch das könnte sich nach Einschätzung von Salden ändern. „Im Moment sehen Platin und Palladium attraktiv aus, da beide Edelmetalle stärker vom zyklischen Aufschwung im globalen Automobilbau profitieren.“