Edelmetall: Goldpreis steigt erstmals über 2000 Dollar pro Unze
An den Terminbörsen wird jeden Tag ein Vielfaches der gesamten tatsächlichen Jahresproduktion des Rohstoffs gehandelt.
Foto: BloombergFrankfurt. Der Goldpreis erreicht immer neue, nie da gewesene Höhen. Am Dienstagabend stieg der Preis in der Spitze um mehr als ein Prozent auf 2000 Dollar pro Unze (rund 31 Gramm). Nachdem Gold Anfang vergangener Woche erstmals ein neues Allzeithoch markierte, fällt nun erneut eine historische Preismarke. Innerhalb von vier Wochen hat sich das Edelmetall von 1750 Dollar auf 2000 Dollar verteuert.
Damit gehört Gold zu den erfolgreichsten Anlageklassen 2020. Unter den Edelmetallen wurde Gold lediglich von Silber übertrumpft, das seit Jahresbeginn rund 42 Prozent zugelegt hat.
Der schwächelnde US-Dollar und die zuletzt weiter gesunkenen Realzinsen in den USA dürften die Rally weiter angeheizt haben, glaubt etwa David Iusow, Analyst beim Brokerhaus IG. Und die Rally könnte vorerst weitergehen: „Inflationsbereinigt hat der Goldpreis allerdings die Bestmarke aus dem Jahr 2011 noch nicht geknackt. Real liegt er aktuell circa 200 Dollar unterhalb des Hochs von 2011.“
Hans-Günther Ritter, Leiter des Edelmetallhandels bei Heraeus bestätigt: „Die Motivation, Liquidität in Gold zu schieben, bleibt für Anleger hoch.“ Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise und den milliardenschweren staatlichen Konjunkturpaketen förderten zudem die Umschichtung von Vermögen in sichere Anlagen. Ritter warnt jedoch: „Nach dem ungewöhnlich starken Anstieg steigt allerdings die Gefahr von größeren Korrekturbewegungen.“
Einige Marktbewegungen nähren den Verdacht, dass es vor allem spekulative Investoren waren, die Gold über die Marke von 2000 Dollar gehievt haben. So haben die Rohstoffterminbörsen den Sprung über die runde Marke vorweggenommen. Der viel gehandelte Dezember-Future an der US-Rohstoffbörse in New York kletterte am Dienstag in der Spitze um 1,3 Prozent auf 2013 Dollar pro Unze.
Mögliche Hinweise auf bevorstehende Korrektur
An der Rohstoffbörse werden Lieferverpflichtungen über 100 Unzen Gold gehandelt. Um am Handel teilzunehmen, müssen Investoren jedoch nur eine Sicherheitsleistung von etwa zehn Prozent des investierten Kapitals hinterlegen. Daher wird an den Terminbörsen jeden Tag ein Vielfaches der gesamten Jahresproduktion gehandelt. Spekulative Übertreibungen können daher ein Hinweis auf eine bevorstehende Korrektur am Goldmarkt sein.
Allerdings kann der Handel an der New Yorker Rohstoffbörse auch massiven Einfluss auf den in London festgesetzten Preis für physisches Gold haben – etwa wenn Investoren auf eine Gold-Lieferung bestehen, anstatt auslaufende Kontrakte durch länger laufende Papiere zu ersetzen. Ende Juli stieg die Zahl der physischen Auslieferung an der New Yorker Rohstoffbörse auf ein Rekordhoch.
Christian Brenner Co-Chef beim Goldhändler Philoro sieht darin eine wachsende Risikoscheu bei Profi-Investoren. „In dieser Phase zählt nur, was man physisch bekommt. Für Lieferverpflichtungen kann man sich nichts kaufen, wenn es hart auf hart kommt. Daher wollen viele Investoren das Gold in ihrem Besitz wissen.“
Bereits im März mussten US-Investoren hohe Aufschläge hinnehmen, um an Gold zu kommen. Damals hatten Betriebsschließungen bei Schweizer Goldbarrenproduzenten für eine Knappheit bei dem Edelmetall gesorgt. Die hohe Nachfrage nach Auslieferungen an der New Yorker Rohstoffbörse könnte eine ähnliche Situation herbeiführen, so Brenner: „Sollten viel mehr Investoren an der Rohstoffbörse auf die Auslieferung bestehen, käme das einem Bankrun gleich.“
Der größte Teil der Transaktionen beinhalte Gold, das lediglich auf dem Papier existiert. Daher warnt der Philoro-Chef: „Sollte es wirklich zu einem Versorgungsengpass kommen, könnte der Goldpreis förmlich explodieren.“