Familienunternehmen: Friseurkette Klier soll nach Corona-Einbruch rasch saniert werden
Die nach eigenen Angaben größte deutsche Friseurkette beschäftigt derzeit rund 9200 Mitarbeiter.
Foto: dpaWolfsburg/Hannover. Die in der Coronakrise stark unter Druck geratene Friseurkette Klier soll so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone kommen. Die Chancen seien nach derzeitiger Einschätzung recht gut, hieß es am Dienstag aus der Firmenzentrale in Wolfsburg: „Unser Fokus ist jetzt ganz klar auf eine Sanierung ausgerichtet.“
Klier hat ein Schutzschirmverfahren beantragt, nachdem auch Überbrückungshilfen die hohen Umsatzeinbußen vor allem während des Lockdowns im Frühjahr nicht hatten ausgleichen können. Friseurbetriebe hatten damals zeitweise komplett schließen müssen.
Der vorläufige Sachverwalter Silvio Höfer wollte sich noch nicht zu den konkreten Aussichten äußern. Nach Angaben von Klier können alle Filialen dank der Hygienemaßnahmen geöffnet bleiben. Gespräche über einen Sanierungsplan sollen in Kürze beginnen. „Alle Geschäftsprozesse und Kostenstrukturen stehen dabei auf dem Prüfstand. Dazu zählt auch das Filialnetz.“
Verdi-Vizechefin Christine Behle hatte betont, bei den anstehenden Verhandlungen müssten die Interessen der rund 9.200 Mitarbeiter berücksichtigt werden: „Wir hoffen, dass das Unternehmen die Chance nutzt, sich eine sichere Zukunft aufzubauen. Diese kann aber sicher nicht durch den massiven Abbau von Arbeitsplätzen gesichert werden.“
Klier ist die nach eigenen Angaben größte deutsche Friseurkette. Neben rund 1.400 Niederlassungen im Inland gibt es zahlreiche Filialen in weiteren Ländern Europas. Auch Marken wie Essanelle oder Super Cut gehören zur Gruppe. Das Amtsgericht Wolfsburg hatte am Freitag den Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens angenommen.
Anhaltende Zurückhaltung der Kunden trifft Klier
Ziel ist dabei, in Zahlungsschwierigkeiten geratene Firmen vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen, ohne dass bereits Insolvenz angemeldet werden muss. Die Geschäftsleitung bleibt im Amt, ihr wird allerdings der Sachwalter zur Seite gestellt.
Klier erklärte, man wolle sich „in eigener Verantwortung nachhaltig sanieren und zukunftsfähig aufstellen“. Nicht nur der Lockdown selbst, sondern auch die anhaltende Zurückhaltung der Verbraucher habe das Unternehmen hart getroffen.
„Da die in der Folge beantragte Überbrückungsfinanzierung bereits wieder aufgebraucht ist, hat die Klier Hair Group auf der Grundlage einer intensiven Überprüfung der Gesamtsituation beschlossen, sich aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit unter den gerichtlichen Schutzschirm zu begeben.“
Die geschäftsführenden Gesellschafter Michael und Robert Klier zeigten sich zuversichtlich, dass ein Neustart gelingt. Der Insolvenzrechtler Detlef Specovius trat ebenfalls in die Leitung ein. Geführt wird Klier nun von dem Manager Michael Melzer.