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Morning BriefingVor dem Tankwart hilft Christian Lindner

Hans-Jürgen Jakobs 14.03.2022 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

im Kampf gegen hohe Benzinpreise lehnt Finanzminister Christian Lindner (FDP) eine Senkung der Mehrwertsteuer oder der Mineralölsteuer ab. Der Vorwurf an Lindner lautet: Der Staat wird automatisch zum Profiteur der Ukrainekrise, da er an steigenden Rohstoffpreisen mit verdient. Dafür fiel dem 43-Jährigen nach „Bild“-Informationen nun ein anderer Trick ein, um den Benzinpreis unter zwei Euro zu drücken. Ein „Tank-Rabatt“ für Auto- und Lkw-Fahrer soll Erleichterung bringen. Das Modell: An der Kasse wird dem Kunden von der Rechnung ein Discount von mindestens 20 Cent je Liter abgezogen. Wer 40 Liter für 80 Euro tankt, spart acht Euro. Der Tankwart soll die Quittung später beim Finanzministerium einreichen.


Foto: IMAGO/photothek

Auf dem Maßnahmen-Zettel der Bundesregierung steht nach unseren Informationen auch die Installation eines „Russland-Schutzschirms“: Dabei ersetzt der Staat Firmen erlittene Schäden oder gewährt direkte Hilfen. Auch die Energiefirma VNG, eine Tochter des EnBW-Konzerns, beantragt nach Uniper bei der staatlichen KfW-Bankengruppe ein Milliarden-Darlehen – nur so könne man einen Gaslieferstopp aus Russland gut überleben. Jetzt Artikel lesen...

Foto: dpa

Viele Menschen ahnen, dass die Politiker in Berlin derzeit eine Illusion verkaufen: dass unser Leben und unsere Wirtschaftsproduktion weitestgehend wie gehabt weiterlaufen können – auch nach der Kriegserklärung Wladimir Putins an die Ukraine, an den Westen und an die Weltwirtschaft. Die stets propagierte, aber nur schwach praktizierte Energiewende müssen wir, realistisch betrachtet, einsargen.

Zehn „unbequeme Wahrheiten“ benennt unser Energieexperte Jürgen Flauger in seinem Leitartikel. Dazu gehören seine Empfehlungen, das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich zu erhöhen, den Kohleausstieg zu strecken, die Gespensterdebatte um Atomkraft zu beenden, die Wirtschaft nicht zu überfordern und mehr Atom- und Kohlestrom zu importieren. Mehr Energieeffizienz ist auch ein Weg – einer, den unsere Gastkommentatoren Veronika Grimm und Andreas Kuhlmann vorschlagen. Jetzt Artikel lesen...

Foto: dpa

Informationen machen die Runde, wonach es Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine gäbe. Das ist die Sprache der Spekulation. Die Sprache der Realität ist eine andere. Da trägt die russische Armee den Krieg mit dem Bombardement eines Militärstandorts bis sechs Kilometer vor die polnische Grenze, also sehr nahe an das Nato-Territorium. Da hat Wladimir Putin, so die „Financial Times“ und „New York Times“, China um militärische und wirtschaftliche Hilfe gebeten. Da fiel mit Brent Renaud der erste US-Journalist in diesem Krieg.

All diese Friedens- und Waffenstillstandsgerüchte könnten die Qualität jener Nachrichten haben, die kurz vor der Ukraine-Invasion zirkulierten. Danach zog sich ein Teil von Putins Truppen gerade zurück. Wahrscheinlich ist doch eher: Der Autokrat im Kreml tut alles, um diesen Krieg nicht dem Ende, sondern einer höheren Ebene entgegenzuführen. Er will möglichst viel erobertes Land, möglichst viele kaputte Städte, wenn es zu ukrainischen Kapitulationsgesprächen nach seinem Gusto kommt. Jedes Fitzelchen Vertrauen ist hier fehl am Platz. 

Wir erinnern an George Bernard Shaw: „Die Strafe des Lügners ist nicht, dass ihm niemand mehr glaubt, sondern dass er selbst niemandem mehr glauben kann.“ Jetzt Artikel lesen...


Foto: dpa

Die gegen Russland agierende Hacker-Gruppe „Anonymous“ hat offenbar folgenreich die deutsche Tochter des Öl-Staatskonzerns Rosneft attackiert. Dabei sollen 20 Terabyte an Daten erbeutet worden sein. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik berät sich mit dem russischen Unternehmen, das den IT-Sicherheitsvorfall gemeldet hat. Auch habe die Behörde eine Cyber-Sicherheitswarnung herausgegeben. Der Betrieb von Rosneft Deutschland – für 25 Prozent aller Rohölimporte verantwortlich – soll gestört sein.

Rosneft-Aufsichtsratschef ist im Übrigen Altkanzler Gerhard Schröder. Der Sozialdemokrat ist nach einer Stippvisite in Moskau bei seinem Freund und Finanzier Putin wieder in Deutschland angekommen. Jetzt Artikel lesen...

Sie nennen ihn den „CEO-Flüsterer“, jenen einflussreichen Management-Professor der US-Eliteuniversität Yale, der sich auf einer Mission befindet. Jeffrey Sonnenfeld will die Wirtschaftselite vom Prinzip der sozialen Verantwortung überzeugen, von der Abkehr vom plumpen „Shareholder-Value-Kapitalismus“. Derzeit ist der 67-Jährige stolz darauf, dass schon mehr als 330 US-Firmen auf seiner Raus-aus-Russland-Liste stehen: unter anderem BP, Shell, Exxon, McKinsey, Bain, Boston Consulting, IBM, Meta, Apple, Alphabet. „Viele CEOs wollten als jemand angesehen werden, der das Richtige tut“, sagte er der „Washington Post“.

Diese Listen gäben mutigen Vorstandschefs Selbstvertrauen und Möchtegern-Mutigen Bestätigung, in ihren Gremien etwas zu wagen. Da inzwischen nicht mehr klar ist, wer es ernst meine und wer nur PR wolle, schlägt der Yale-Professor eine Unterteilung in drei Kategorien vor: Eine für Firmen, die ihre russischen Aktivitäten einstellten, eine für jene, die zeitweise den Betrieb einstellen, und schließlich eine für Chefs, die nur ein bisschen Anti-Putin-Kosmetik auflegen. Die deutsche Variante einer solchen Liste würde man nur zu gerne studieren.
Am heutigen Montag wird der europäische Ministerrat den Weg frei machen für eine Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Firmen. Die Regelung übertrifft die bisherigen deutschen Usancen, die nur 30 Prozent für paritätisch mitbestimmte Börsenkonzerne vorsahen. Nun müssen durch und durch maskulin geprägte Firmen wie Porsche SE, Siemens Healthineers und Qiagen ihre Headhunter zur Frauensuche losschicken. Noch gibt es sogar im MDax fünf Unternehmen ohne eine einzige Aufsichtsrätin: Sixt, Nemetschek, Hypoport, Rational und Varta. Jetzt Artikel lesen...

Und dann ist da noch Investor Lars Windhorst, 45. Der steckte 375 Millionen Euro in seinen Fußball-Traum vom „Big-City-Klub“ und muss erleben, wie die von ihm in Berlin gefütterte Hertha BSC nach vielen Niederlagen der Zweitklassigkeit entgegen strauchelt. Windhorst verspricht, nie aufzugeben, wovon er gestern eine Kostprobe in einem heftigen Dialog auf Twitter mit einem ihn kritisierenden Fanklub ablieferte: „...entsetzt über den Schwachsinn, den Sie hier verbreiten“.

Am selben Tag war Trainer Tayfun Korkut nach wenigen Monaten durch Oldie Felix Magath, 68, ersetzt worden. Der feierte seine großen Erfolge mit FC Bayern München und Volkswagen Wolfsburg in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre. Letzte Trainer-Station 2016/17 war der chinesische Klub Shandong Taishan. 2020 dann dilettierte der Mann, den sie wegen seiner Liebe zu Medizinbällen „Quälix“ nennen, als Fußballchef des zeitweiligen Zweitligisten Würzburger Kickers. In Berlin hoffen sie im Windhorst-Lager auf ein altes Sprichwort: „Wunder kommen nur zu denen, die daran glauben.“

Ich wünsche Ihnen, natürlich, einen ganz wunderbaren Start in die Woche.

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Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Hans-Jürgen Jakobs

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