Stephan Winkelmeier: „Brach liegende Grundstücke“: BayernLB spürt Ende des Immobilienbooms
Die Münchener Landesbank tauscht sich wegen der Folgen des Ukrainekriegs und der hohen Inflation derzeit „so intensiv wie nie zuvor“ mit ihren Firmenkunden aus.
Foto: dpaMünchen. Die BayernLB hat in einem ihrer wichtigsten Geschäftsfelder mit Gegenwind zu kämpfen. Wegen gestiegener Kreditzinsen und Baukosten schwächt sich bei den Münchenern das Geschäft mit der Finanzierung von Bürogebäuden, Wohnimmobilien und Logistikzentren ab.
„Wir spüren, dass sich Kunden in der gewerblichen Immobilienfinanzierung mehr zurückhalten“, sagte BayernLB-Chef Stephan Winkelmeier dem Handelsblatt. „Einige Investoren lassen aufgrund der gestiegenen Finanzierungskosten erworbene Grundstücke brach liegen.“
Die BayernLB gehört mit einem Engagement von rund 70 Milliarden Euro zu den größten deutschen Finanzierern von Gewerbeimmobilien – und sie hat das Ziel ausgegeben, in diesem Bereich weiter zu wachsen. Neben dem Privatkundengeschäft der Onlinetochter DKB und dem Firmenkundengeschäft ist die gewerbliche Immobilienfinanzierung eine zentrale Säule im Geschäftsmodell der zweitgrößten deutschen Landesbank.
Das Ende des Immobilienbooms hat auch an anderer Stelle Auswirkungen auf die BayernLB. Die Pläne für den Verkauf der Firmenzentrale im Zentrum Münchens und den Umzug in ein kleineres Gebäude im Südwesten der Stadt hat Winkelmeier wegen der Unsicherheiten am Immobilienmarkt auf Eis gelegt.
Immobilieninvestoren sind wegen des Kriegs in der Ukraine, des anhaltenden Inflationsschubs und deutlich gestiegener Finanzierungskosten ebenfalls vorsichtig. Im deutschen Immobilieninvestmentmarkt sank das Transaktionsvolumen im zweiten Quartal binnen Jahresfrist um rund ein Drittel auf 11,6 Milliarden Euro, wie aus jüngsten Daten des Dienstleisters CBRE hervorgeht.
Peter Axmann, Leiter Immobilienkunden bei der Hamburg Commercial Bank (HCOB), sagte kürzlich dem Handelsblatt: „Eine seriöse und verlässliche Kalkulation von Projektentwicklungen ist kaum noch möglich, auch weil gestiegene Baustoffpreise nicht mehr über höhere Preise an die Kunden weitergegeben werden können.“ Finanzierende Banken würden deshalb vorsichtiger und überprüften ihre Portfolios.
Stephan Winkelmeier: Firmenkunden sind vorsichtig, aber nicht verzweifelt
Das Gleiche gilt für Firmenkunden, bei denen die Unsicherheit wegen des Ukrainekriegs, der hohen Inflation und einer drohenden Rezession ebenfalls groß ist. „Wir reden derzeit so intensiv mit unseren Firmenkunden wie nie zuvor“, sagt BayernLB-Chef Winkelmeier. Die Bank diskutiere mit ihnen, welche Auswirkungen Lieferkettenprobleme und Inflation auf sie hätten und wie sie auf einen möglichen Gaslieferstopp reagieren würden.
„Die Unternehmen sind vorsichtig, aber nicht verzweifelt“, berichtet Winkelmeier. „Die allermeisten Firmen sind solide durchfinanziert – im ersten Quartal haben sie so viele Anleihen emittiert wie lange nicht. Ihre Auftragsbücher sind voll und Probleme aktuell noch nicht zu erkennen.“
Allerdings ist Winkelmeier auch bewusst, dass sich die Situation schlagartig ändern kann, sollte Russland die Gaslieferungen nach Deutschland nach dem geplanten Ende der Wartung der Ostseepipeline Nord Stream 1 am 21. Juli nicht wieder aufnehmen.
„Sollte es zu einem Gaslieferstopp kommen, würde sich die Situation deutlich verschärfen“, warnt der BayernLB-Chef. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung gehe dann von einem Schrumpfen der heimischen Industrie um zwölf bis 14 Prozent aus. „Das wäre ein stärkerer Rückgang als in der Finanzkrise“, sagt Winkelmeier.
Eine derart schwere Rezession würde zu mehr Firmenpleiten führen und auch in den Bilanzen der deutschen Banken deutliche Spuren hinterlassen. Die BayernLB hat deshalb bereits im Mai betont, dass ihre Prognose, im laufenden Jahr einen Vorsteuergewinn von 300 bis 500 Millionen Euro einzufahren, einer „erhöhten Unsicherheit“ unterliegt.
Erstpublikation: 17.07.22, 15:30 Uhr.